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Die klitzekleine Scheu, den Penis zu zeigen

Die Furcht des Mannes, den Slip vor einer Frau auszuziehen
Es ist gleich, ob er recht klein oder außerordentlich groß ist. Auch macht es nichts aus, ober er noch schlaff herunterhängt, leicht erigiert oder bereits einsatzstark ist. Dem Moment der Wahrheit folgt immer eine klitzekleine Scheu, alles zu zeigen. Zumal, wenn Männer sich aufrecht stehend ausziehen. Und vor allem, wenn sie gesagt hat: „Zieh dich aus, ich will dich sehen.

Wir wissen dann, dass sie uns auf die Finger guckt. Wie sie uns beobachtet, wenn wir die Krawatte lösen, das Hemd aufknöpfen oder den Hosengürtel öffnen. Die Art, wie wir damit umgehen, wie wir die Schuhe ausziehen, Reißverschlüsse öffnen und die Hosen herunterlassen sagt der Frau, ob wir unseren Körper lieben und wie selbstsicher wir darüber sind.

Vor allem der letzte Moment lässt uns zögern. Eine Frau, die uns auffordert, uns zu zeigen, ist keine gewöhnliche Frau. Sie genießt die Macht, die sie dabei über uns gewinnt. Sie bemerkt das Zögern, wenn wir in unseren Unterhosen dastehen, nicht recht wissend, ob sie auch die letzte Hülle unserer Männlichkeit gemeint hat. Wohl dem, der sich so gekleidet hat, dass er auch in diesem Aufzug noch halbwegs gut aussieht. „Was ist mit deinen Pants?“ Oh ja, nun wissen wir, um was es ihr geht: Sie will „sehen“. Wie beim Pokerspiel. Und du weist nicht, ob du das Spiel gewonnen hast, und falls du es tatsächlich gewonnen haben solltest, weißt du immer noch nicht, ob sich der Einsatz lohnte.

Immerhin: Eine Dame kommentiert nicht, was manche Männer beruhigen mag, die zu viele Pornos gesehen haben. Das, was du hervorbringt, ist das, was sie verwenden kann, wenngleich immer noch nicht klar sein dürfte, welche Absichten sie verfolgt.

Manche Frauen sind verspielt, einige sind verwegen. Die Forscherinnen unter ihnen wollen wirklich wissen, wie sich alles anfühlt, was deinen Unterleib zitiert, und sie betasten deshalb das Vorhandene sorgfältig. Voyeurinnen, die angeblich mehr und mehr auftreten, wollen sehen, wie der gesamte Prozess taktil, optisch und erlebnisorientiert abläuft. Wieder andere wenden all ihre erlernten Kunstfertigkeiten an, um dir Vergnügen zu bereiten. Manchmal folgt auf das Ausziehen das Gewöhnliche, dann wieder das Ungewöhnliche. Und sicher, es gibt auch Frauen, die den Moment nutzen, um dich, Mann zu erniedrigen, zu diffamieren oder zu malträtieren.

Ach, Mann … was du hast ist, was du hast. Wenn es dir gefällt, ihr Spielzeug zu sein, dann sei ihr Spielzeug. Wenn es dir hingegen gefallen sollte, dass sie dich ohne dein Zutun beglückt, dann lass dich beglücken. Und sollte es dir gefallen, gequält und geschlagen zu werden, dann lass dich quälen und schlagen.

Aber tu nichts, was du nicht wirklich willst. Ein Mann in Unterhose kann nicht ohne Weiteres weglaufen. Und ohne Unterhose schon gar nicht.

Damen der Gesellschaft und ihre Lust an der Grausamkeit

Klassische Situation aus der Sicht einer Beobachterin: die sadistische Lust
Von der Lust an der Grausamkeit der Damen des 19. Jahrhunderts wird manches berichtet. Im Besonderen soll es den Damen der feinen Gesellschaft ein Vergnügen gewesen sein, beim Vollzug der Prügelstrafe in Zuchthäusern anwesend zu sein und sich daran zu ergötzen.

Zarte Seelen und malträtiere Hintern

Was es zu sehen gab, war nicht eben für die zarten Seelen von Damen bestimmt. Grund dafür war vor allem der Brauch, „Willkommen“ und „Abschied“ zu zelebrieren. Nach den berichten von Zeitzeugen wurden dabei zwischen 12 und 40 Schläge appliziert – und zwar nicht von Ruten, sondern von besonderen Peitschen, die von kräftigen Männern und entsprechenden Mägden geführt wurden.

Ob nackt oder bekleidet - wenn das Blut floss soll das Frauenherz gelacht haben

Regional unterschiedlich wurden diese Hiebe entweder ausschließlich bei Männern angewandt oder aber auch bei Frauen wie bei Männern. Doch während Frauen generell mit einer leichten, geschlossenen Hose bekleidet blieben, wurden die Strafe bei Männern teils auch auf den nackten Hintern appliziert, was offenbar ein besonderes Vergnügen für zuschauende Damen war.

Die Wirkung solcher Schläge ist vielfach beschrieben worden: Nach den ersten vier bis fünf Schlägen färbten sich die Hosen rot von dem Blut, dass der Delinquent oder die Delinquentin vergoss.

Sexuelle Erregung beim Zuschauen?
Bei Herren konnte man etwas sehen, was es sonst nicht zu sehen gab
Nach Berichten, die möglicherweise etwas „geschönt“ waren, ergötzten sich die Damen am Anblick der Herren in einer Weise, dass Zeitzeugen von einem „rasenden erotischen Fieber“ sprachen. Für die gezüchtigten Zuchthäuslerinnen hingegen hatten sie – wie auch von anderen Strafmaßnahmen bekannt war – eine „hasserfüllte Schadenfreude, mit der sie die Misshandlungen ihrer Mitschwestern, besonders der jungen und schönen“ beobachteten.

Frauen wurden durchaus im Zuchthaus "bis aufs Blut geschlagen"

Belegt ist durchaus, dass „Willkommen und Abschied“ auch an Frauen vollzogen wurde:

Haben sie aus dergleichen Kuppeleyen ein Gewerbe gemacht: so soll zwey- bis dreyjährige Zuchthausstrafe eintreten; diese mit Willkommen und Abschied geschärft; und ein dergleichen Verbrecher, nach deren Erduldung, aus seinem bisherigen Aufenthaltsorte für immer verbannt werden.


Gab es die Zuschauer(innen) überhaupt?
Männer ergötzen sich am Elend ebenso
Eine interessante Frage ist stets, ob denn überhaupt zutrifft, dass die Zuchthausdirektoren privilegierten Gästen, namentlich Damen, den Zutritt zu diesen Züchtigungen gewährten. Unstrittig ist aber, dass öffentliche, juristisch motivierte Demütigungen in der Öffentlichkeit durchaus populär waren – zum Beispiel das „Auspauken der Dirnen“.

Die Behauptung, dass in den Zuchthäusern von Publikum gestraft wurde, will hingegen Dr. Richard Wrede als belegt ansehen, heißt es doch unter den „Leibstrafen“:

In einer verdienten Strafvermehrung, darf der Übelthäter bei dessen Übemehm - oder Wiederentlassung in dem Straffort zum Willkomm oder Abschied gewisse Streiche bekomme oder, dass selber währender Zuchthaus- oder einer anderen Straffe mit etwelchen Streichen, heimlich oder öffentlich auf einer Bühne durch den Gefangenwärter, den Gerichtsdiener, oder Wächter gebüsset und gezüchtigt werden solle.


Es kann also durchaus möglich sein, dass „bessere Bürger“ zu derartigen Veranstaltungen zugelassen wurden. Als Grund ließe sich immerhin anführen, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, Zeuge zu sein, dass die Strafen tatsächlich vollzogen wurden. Sicher ist dies ein Scheinargument, aber bei dem großen gesellschaftlichen Abstand zwischen „feinen Bürgerfrauen“ und Zuchthäuslerinnen war keinesfalls auszuschließen, dass es als Argument galt.

Die Literatur kennt nur einen erotischen Briefroman als Quelle

Die Literatur verzeichnet wenig glaubhafte Quellen – aber sollten wir deswegen ganz ausschließen, dass sich Frauen durchaus an Qualen, Körperstrafen oder Grausamkeiten ergötzen können?

Ein Zuchthaus - Korruption inbegriffen (siehe Anhang)
In der erotischen Literatur ist sicherlich „Lenchen im Zuchthause“ das bekannteste Beispiel für die Lust an Grausamkeiten während eines Zuchthausaufenthalts – obgleich es möglicherweise bloße Fiktion ist. Die schnelle Reaktion der Obrigkeit, das Buch zu verbieten, deutet aber auf eine gewisse Realitätsnähe hin. Interessant ist, dass es die Briten sofort mit einem eigenen Zuchthaus in Verbindung brachten: dem Zuchthaus von Bridewell. Das Lenchen heißt hier „Nell“, und das Buch erlebte mehrere Auflagen bis in die neueste Zeit, die teils auch illustriert wurden.

Im Buch wird eine Szene geschildert, in der deutlich wird, dass es wohl doch Zuschauer bei den Züchtigungen gab: Es wird berichtet, dass während einer Züchtigung der Vorstand, die Peitscherinnen sowie „die weiblichen Zuschauer“ anwesend waren. Diese waren offensichtlich nicht nur auf die Lust an der schönen, rosigen Haut des Jünglings und seinem herrliche Po interessiert, sondern offenbar auch an den „Geheimen teilen“, die durch seine Bewegungen dann und wann erkennbar wurden. Als er sich letztlich, stark geschunden, von der Prügelbank erhob, wird im Roman von einem „bestialischen Wiehern in roher Wollust aufwallender Wesen“ geschrieben.

Die wahre Geschichte solcher weiblicher Gelüste wird wohl nie herauskommen. Erstens, weil die bürgerliche Gesellschaft alles, was sie an Perversionen gebar, sorgfältig unter Verschluss hielt, und zum Zweiten, weil sie die Bestrafung durch blutiges Auspeitschen für eine adäquate Reue hielt. Ob es heute noch vergleichbare weibliche Lüste gibt? Ganz auszuschließen ist es nicht, wenngleich selbst professionelle Dominä behaupten, eher kontrolliert vorzugehen und sich nicht dem Sadismus hinzugeben. Und wie ist es es mit „zuschauen, statt selber zu handeln“?Niemand weiß es wirklich – und Gedanken sind frei.

Quellen:
Archive.org.
Google Books - Landrecht.
Google Books - Zuschauer bei Züchtigungen.
Auch: Repertorium
Ohne Link: Lenchen im Zuchthause (Auszug in: Lust und Schmerz, München 1991)
Sittengeschichte der Liebkosungen und der Strafe, Leipzig 1928.
Bilder: Teil Illustrationen zu "Nell", aber auch Thomas Rowlandson (1815) für die männlichen Voyeure und William Hogarth für die Szene in Bridewell (Ausschnitt).


Anhang:
Die Szene zeigt die Korruption im Zuchthaus: "Arbeite lieber statt so stehen zu müssen" steht oben, und der martialische Wachmann unterstützt diese Sichtweise. Doch schon ist eine Frau zur Hand, die einen Ausweg kennt. Auf der gegenüberliegenden Seite (hier nicht sichtbar) wird klar, dass es auch ein erträgliches Dasein ohne Arbeit gibt.