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Der verführte Mr. Grey und manch anderer Unsinn

Geschrieben von Ubomi Ulobi • Dienstag, 14. August 2012 • Kategorie: casual dating - hart und zart
Die bösen Bücher und die lustvolle Versuchung
So ganz am Rande der zahllosen Scheindebatten um das unsägliche Buch „Fifty Shades of Grey“ köchelt eine psychologische Diskussion vor sich hin: Da hatte doch eine Erwachsene einstmals gewagt, den Herrn Grey als Jüngling in einer Weise zu verführen, die ihn zum erotischen Allgebrauchssklaven machte. Sicherlich – er entfloh der Gynokratie, doch seither sind einige Drähte in seinem Hirn falsch verlötet, denn er liebt es nun seinerseits, Frauen erotisch zu quälen. Soweit das Klischee. (Es steht etwas verborgen in den "50 Shades of Grey).

Wacklige Psycho-Thesen

Das Psychologische an der Diskussion steht auf Wackelfüßen: Der junge Herr Grey wird in einem Alter verführt, in dem junge Männer für alle Arten erotischer Reize seitens schöner Frauen empfänglich sind. Die dominante Frau konnte offenbar die Gelüste des Mannes in eine von ihr gewünschte Richtung ausformen, was aber nicht erklärt, warum der Mann einer dominanten Frau so lange und so intensiv folgte – und erst recht nicht, warum er selber darüber zum angeblichen „Sadisten“ wurde. Es reicht also, einen Jüngling ein wenig „hart rauszunehmen“ in der Liebe, um ihn zum genusssinnigen Sadisten zu formen? Das bedient allerlei psychologische Klischees, aber kaum die Realität.

Vom manchen Kritikerinnen wird die Schilderung dieses Lebensabschnitts im Buch als „Rechtfertigung“ für das spätere Verhalten von Mr. Grey angeprangert. Diese Autorinnen glauben, dass Mr. Grey eine Art potenzieller männlicher Sexualverbrechner, mindestens aber ein Monstrum im Menschengestalt wäre, das seinen Persilschein durch die Verführung bekommen soll.

Bittere Süße oder kalter "Masochismus"?

Oh! Welch ein Po!
Was die Schilderung soll? Das weiß nur die Autorin. Das Phänomen sogenannter „sadomasochistischer“ Tendenzen wird durch die Psychologie kaum erhellt, vor allen dann nicht, wenn sie mit sanfter Lust gepaart ist. In der Literatur sind es immer entfernte Verwandte, Gouvernanten oder Erzieherinnen, die den (meist pubertierenden) Jungen eine Gehirnwäsche in Richtung „Masochismus“ verpasst haben. Als Erwachsene blieben die jungen Herren dann entweder devot, oder sie wandelten sich in zärtlich-dominante Halter von sklavisch ergebenen Frauen. Warum die Einen sich so entwickeln, die anderen aber kontrovers dazu, wissen nicht einmal die geschwätzigen Psychologen. Die Liebe ist manchmal bitter, und mal ist sie süß - warum darf sie dann nicht auch bittersüß sein?

So glauben ich denn nicht an die Geschichte des armen, verführten Mr. Grey, und auch nicht an die andere Version des machtbesessenen männlichen Monsters, das die Puppen unter der Peitsche tanzen lässt.

Eine Neigung aus Lust?

Vielmehr glaube ich, dass Mr. Grey einfach eine lustvolle Neigung entwickelt hat, die er sich leisten kann und zu der er sich durchaus bekennt. Relativ häufig wird dieser Tage geschrieben, dass Ms. Steele, die sinnliche Heldin des Romans, eine wenig emanzipierte Frau sei. Das trifft sicherlich zu. Doch was eine „emanzipierte Frau“ anstelle der Anastasia Steele tun würde, darüber gibt es schon wieder eine neue Diskussion: Würde sie intensiver in die Lust eintauchen, die ihr die Spiele mit Mr. Grey schenken? Oder würde sie Mr. Grey als chauvinistisches Dreckschwein verachten?

Einer unserer Freunde schrieb einmal:

Die unterwürfigen Frauen lechzen auf den Treppenstufen einschlägiger Herren und warten sehnsüchtig drauf, von ihnen als Gespielinnen angenommen zu werden.


Wenngleich dies übertrieben sein mag: Es zeigt, dass der Kern der Diskussion sinnlos ist. Die Unterwerfung im Rollenspiel bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als zeitweilig jede Verantwortung für das eigene Handeln abzulegen – und das ist umso attraktiver, je mehr Macht die Person im sonstigen Leben hat. Und Schläge? Sie bedeuten für den Einen (oder die Eine) Demütigung, für den Anderen (oder die Andere) die Lust, den eigenen Körper einmal in ganz anderer Weises lustvoll zu spüren. Wer es nicht kann oder will, muss es ja nicht tun.
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