Erotik: Ist schon alles über Männer geschrieben worden?

Montag, 12. April 2010
erotik-geschichten

Bild © 2010 by sehpferd, Objekte von Silke Bölts.
Wen man das Internet durchforstet, meint man, es sei schon alles geschrieben. Ist es aber nicht. Noch nicht einmal über das berühmte „erste Mal“. Das „erste Mal“? Ja, vor allem für Jungs. Da wurde noch viel zu wenig geschrieben über die „ersten Male“, die sie verschweigen: Zum Beispiel, nicht genau zu wissen, wie „es“ geht und sich Anleitung dabei von einer erfahrenen Frau zu holen. Zum Beispiel die entwürdigenden Situationen, die entstehen, wenn Frauen Forderungen stellen, bevor man an sie rankuscheln darf oder die Peinlichkeit, wenn das Blut eher in den Kopf steigt, statt in den Penis. Die Angst, im Bett zu versagen einerseits und die Momente der Gewalt andererseits. Die Fallen, die man stellte und diejenigen, in die man hereintappte.

Ist Ihnen aufgefallen, dass Männer oft so schreiben, als ob sie schon alles wüssten, ja immer schon alles gewusst hätten? Haben Sie bemerkt, wie wenig sie über ihre Gefühle aussagen? Wie war denn das, als sich erstmalig ein weiblicher Finger in die süße kleine schmutzige Stelle bohrte? Liest man Schilderungen von Männern, dann war er einfach plötzlich drin. Doch das war doch erst der Anfang, nicht wahr? „Was gut für die Gans ist, ist auch gut für den Ganter, Süßer, nicht wahr?“, sagte sie und tat das, was sie schon lange wollte: Ihren Dildo mal an ihm ausprobieren. Ach ja, das ist peinlich, nicht wahr? Darüber schreibt man nicht, oder? Nicht, wenn man Hetero ist – na, und wie war der kleine, fast unbeabsichtigte Ausflug ans andere Ufer? War er schön für Sie?

Fantasien über „flotte Dreier“ – ja, mit zwei Frauen – toll, nicht wahr? Aber mit einem Bi-Paar? Da schweigt des Sängers Höflichkeit und bei anderen Themen sowieso, die dem schreibenden Jüngling die Schamesröte in die Wangen treiben. Klar schreiben Männer über alles – aber immer nur, wie es „gelaufen ist“. Gleich, ob zwangsgeduscht, an den Händen gefesselt oder nackt in der Badewanne liegend – immer wird nur das Geschehen geschildert, aber nicht die damit verbundenen Gefühle. Wird den Autoren bei einer Domina tatsächlich mal heiß und kalt, dann schreiben sie „mir wurde abwechselnd heiß und kalt“ – ein lächerliches Hohlwort, das niemals beschreiben kann, was sie tatsächlich fühlten.

Lust und Schmerz der besonderen Art kommen vor, werden aber selten in lebensnahen Schilderungen beschrieben. Klar leckte er ausgiebig ihren Zeh – na und? Wie ausgiebig? Was empfand er, als seine Zunge den salzig schmeckenden nackten Zeh zum ersten Mal berührte, wie wollüstig war er, als er den Zeh lutschte, was, als er aufgefordert wurde, die Stellen zwischen den Zehen zu lecken? Wie fühlten sich die unterschiedlichen Instrumente an, die eine schlagende Domina an ihm verwendete? Was ging in ihm vor, als er die gerechte Strafe spürte, die er für seine Untaten erhielt? An wen dachte er? Büßte er dabei?

Ausdruckskraft? Nein, was ist denn das? Die Zigarettenasche wird an seiner Zunge abgestreift, doch hören wir nichts über das Zischen, den Ekel – ja nicht einmal über die Lust, benutzt zu werden. Schläge werden abgehakt, nicht zelebriert. Was geschieht eigentlich in den Pausen? Sind es lange Pausen wie auf der Couch des Psychotherapeuten? Werden Gedanken wach an di erste Frau, die gesagt hat „Küss die Erde, auf denen meine Füße standen?“ oder sind die Gedanken bei der Sekretärin, die man sich anstelle der Domina wünscht?

Nein, es ist noch nicht alles geschrieben worden. Ich will nicht behaupten, dass Frauen bildhafter oder authentischer schreiben können – das Meiste, was im Internet veröffentlicht wird, ist der übliche Mist: Einleitung zu lang, Geschehen zu wenig plastisch, Schluss ohne Fantasiepotenzial. Dennoch ist auffällig, wie wenig Männer erotische und andere sinnliche Gefühle schildern können oder wollen. Es kommt mir nur allzu oft so vor, als würde ein pornografischer Film nacherzählt.

Was meinen Sie?

Objekte wie abgebildet bei: Kunstmacher.net, Bremen

Warum wollen Männer eigentlich „englische Erziehung“?

Sonntag, 4. Oktober 2009
fetischlust

Wir hatten die „englische Erziehung“ hier ja schon ein paar Mal – doch immer wieder gibt es neue Aspekte. Eine der Kernfragen lautet: Warum tun sie es eigentlich? Die andere: Warum schenken es Ihnen die Frauen eigentlich? Und schließlich die dritte für die spitznasigen Elfenbeinturmbewohner: Woher rührt diese Manie eigentlich?

Die Frage Nummer drei ist diejenige, die am meisten ventiliert wird, doch so langsam geht den Schlaumeiern der psychologischen Fakultät die Puste aus: Sie hatten jahrelang behauptet, dass „frühkindliche“ Einflüsse, wie etwa das Schlagen der Jungen in Schule und Elternhaus, den späteren Wunsch ausgelöst hätte. Fragt sich, warum die „großen Jungs“ sich dann so gerne von Frauen schlagen lassen. Eine Weile wurden sinnliche Gouvernanten verdächtigt, die den Jünglingen das Virus der englischen Erziehung mit Sinnlichkeit und Körperstrafen auf ewig vererbten.

„Englische Erziehung“ – warum wollen Männer sie?

Doch was ist wirklich dran in einer Zeit, in der Jünglinge nur noch selten Körperstrafen beziehen, schon gar nicht von sinnlichen Frauen? Die Antwort ist: Es war nie etwas dran – doch weiterhin sehnen sich viel junge wie auch alte Männer danach, einmal richtig von Frauenhand „behandelt“ zu werden, sei es von der nackten, unbewehrten Hand auf dem Gesäß oder von der Verlängerung der liebenden Hand durch die sinnlich-süßen und schmerzhaften Verstärker Rohrstock und Peitsche. Das wäre „englische Erziehung“ pur. Nur die Rute ist etwas aus der Mode gekommen – sie gilt als mädchenhaft und veraltet. Vielleicht deutet auch der Fortfall des Teppichklopfers darauf hin, dass man „erwachsenere“ Schläge wünscht – wenngleich die sinnliche Sensation eines Teppichklopfers nicht unterschätzt werden sollte.

Inzwischen nicht mehr so englisch – die „Erziehung“ aber bleibt

Dennoch bleiben viele Fragen offen. Woher kommt eigentlich der Wunsch nach dem „ersten Mal“? Es muss doch einmal eine „erste Frau“ gegeben haben, der man es angetragen hat, eine Körperstrafe zu vollziehen, und eine dieser „ersten Frauen“ muss dann doch das „erste Mal“ ermöglicht haben? Ab dem zweiten Mal verwundert dann nichts mehr – die Sensation ist einfach zu schön, um nicht noch einmal genossen zu werden – und dann immer wieder.

Schläge, weil man vor dem „Rätsel Frau“ kapituliert?

Mittlerweile gibt es einige kleine Indizien. Ist es ein allen Männern innewohnender Wunsch, lustvolle Strafen zu empfangen? Oder sehen sie sich generell danach, sich manchmal der Frau zu unterwerfen? Eine meiner Freundinnen meint, es sei schon der Wunsch nach Unterwerfung unter das „das Rätsel Frau“, und nicht der „gut durchblutete Po“. Doch immerhin mag es unterschiedliche Männerwünsche geben. Jedenfalls will die Freundin wissen, dass man es sehr leicht testen kann: Außer der Leckprobe („Finger ablutschen oder Handinnenfläche lecken lassen“, empfiehlt sie als Nächstes die Ohrreigenprobe: ein leichter Schlag auf die Wange mit festem Blick in seine Augen. Wenn er sich nicht widersetzen würde, dann würde er auch Gefallen an einer intensiveren Erziehung finden - sei es eine „englische“ Erziehung oder eine nach Art der modernen Domina.

Sind Frauen grenzen- und schamlos beim Sex?

Mittwoch, 16. September 2009
frauenlust

Eine der brisanten Fragen, die die in der letzten Zeit immer häufiger gestellt werden, lautet zweifellos: Sind Frauen völlig grenzenlos im Ausleben ihrer Sexualität geworden? Sind sie schamlos oder tabulos und brechen sie alle Regeln, um zum Ziel zu kommen?

In „bildungsfernen Schichten“, wie die Dummbacken neuerdings heißen, redet man ohnehin viel darüber, dass alle Frauen „Schlampen“ sind, wenn nicht gar „geile Säue“ … und wenig später fällt dann das f***-Wort. Bei vielen jungen Männern, auch solchen aus eher gebildeter Umgebung, hat sich inzwischen die Meinung herausgebildet, dass „die Schlampen fast alles machen“.

Sieht man nun näher hin, so findet man die alten Schemata wieder: Es gibt offenbar eine gewisse Schicht, in der „alles gemacht“ wird, aber so weit will man nicht hinuntersteigen. Also holt man sich seine Informationen aus Pornos – und vielleicht auch manchmal aus dem Gutmenschenfernsehen, in dem kürzlich Jugendliche als „sexbesessen“ dargestellt wurden. Die eigene Schwester, die Schulkameradinnen der Gymnasiasten oder die Kommilitoninnen der Studenten, sind natürlich ausgenommen, denn wenn sie „es tun“, dann zeigen sie es zumindest nicht nach außen – von der „Fakultätsmatratze“ vielleicht einmal abgesehen.

Pornografie und Schamlosigkeit

Die Behauptung, dass Frauen heute scham- und tabulos beim Sex sind, beruht allerdings nicht, wie viele meinen, auf Pornografie. Vielmehr beruht sie darauf, dass junge Männer oft ein Frauenbild des 20. Jahrhunderts vermittel wird. Denn in der Literatur und in der „offiziellen“ Umgebung der meisten bürgerlich orientierten Jugendlichen hängt über jeder Frau immer noch ein unsichtbarer Heiligenschein, und das Bürgertum tut auch heute noch alles, um diesen Schein zu wahren. Zwar sind Frauen nicht mehr ausschließlich für „Küche, Kinder und Kirche“ zuständig, aber ihnen haftet immer noch das Etikett der „bewahrenden, ausgleichenden und erduldenden“ Kraft einer Ehe an.

Aus diesem Blickwinkel wird klar, dass der eigenständige Wunsch nach sexueller Erfüllung, vor allem aber die aktive Durchsetzung dieses Anspruchs, von jungen Männern nicht verstanden wird.

Schamlos ist vor allem die Fantasie

Tatsache ist: Viele Frauen suchen sich ihre Lust in Fantasie und Realität, und die Träume und Wünsche sind, wie überall beim Sex, heftiger und tabuloser als im wirklichen Leben. Wenn sie „naschen“, dann naschen sie allerdings an allem, was ihnen in den Weg kommt, und sie sind dabei gelegentlich wirklich fordernd. Heutige Frauen nehmen sich Männer jeden Alters, gehen dabei auch über die Schamgrenze hinaus nach unten, machen vor Ehemännern, Untergebenen und Zufallsbekanntschaften keinesfalls halt und riskieren auch mal eine aufregende Beziehung zu Frauen oder Paaren.
Vor allem aber, das sollten Männer nie vergessen, nutzen sie ihre Sexspielzeuge wirklich – und allein dies eröffnet ihnen eine Mischung aus Fantasie und Erfüllung, die einem bürgerlichen Jüngling sicherlich manchmal die Flucht ergreifen lassen würde.

Ja, Frauen sind grenzen- und schamlos beim Sex – aber nicht öffentlich, nicht für jeden und manchmal nicht einmal für Männer.

Das erste Mal Sex – aber mit fast 30?

Sonntag, 12. Juli 2009
erste mal

Seit es nicht mehr unbedingt ein Wertgewinn für Frauen ist, Jungfrau zu sein, haben viele Frauen Angst, ihre „Unberührtheit“ in einem Lebensalter einzugestehen, das munter auf die 30 zugeht.

Was können Sie tun?

Die Lebensberater sind unterschiedlicher Meinung. Die Vorschläge von der Bekanntschaft mit einem potenten Jüngling, der sich problemlos wieder abwimmeln lässt, bis zu einem älteren Genießer, dem moderne Frauen bereits viel zu fordernd sind und der ihnen dann vielleicht auch etwas länger erhalten bleibt.

Andere wiederum sagen, die Frauen sollten doch warten, bis der Mann käme, für den es sich lohnen würde – doch der einfachste Vorschlag wird selten gemacht: Einen Dildo kaufen und das Gefühl einmal auf diese Art erleben. Das Gefühl ist nachher zwar nicht genau so, aber man bekommt immerhin einen Eindruck. Nicht sehr romantisch, aber vermutlich sehr effektiv.

Was meinen Sie?

Foto ©: CC 2008 by wiro

Das heikle Thema: Sind Vergewaltigungsfantasien tabu?

Dienstag, 3. März 2009
fetischlust

In Hollywood werden sie unterschwellig genährt, in der Pornografie hingegen mittlerweile nur noch mit der Feuerzange angefasst: Wer überhaupt nur das Wort „Vergewaltigungsfantasie“ erwähnt, muss damit rechnen, vom internationalen Feminismus mit Bannstrahlen beworfen zu werden.

Kein Wunder, dass sich ein Paar, das solche Fantasien gerne und ausdauernd auslebt, schließlich doch ein wenig schämt – und sich endlich an „Em und Lo“ wendet, die bei Nerve das Zepter in der Sexberatung führen.

Klare Antwort? „Vergewaltigung spielen“ ist nicht „vergewaltigt werden“, sondern ein Spiel um Macht und Unterwerfung – denn in Wahrheit spielen die Paare ein Spiel – und das dürfen sie nennen, wie sie wollen, solange sie ehrlich, liebevoll und verlässlich miteinander umgehen – und beide das Spiel beherrschen.

Die Spiele, so berichten einschlägig erfahrene Paare, werden vor allem dann gesucht, wenn man einander wirklich vertraut und selbst keine bösen Erfahrungen mit Gewalt gemacht hat. Frauen spielen dabei gerne die Jungfrau, die vom bösen Raubritter in ein finsteres Verlies gebracht wird, und Männer mögen gerne unschuldige Jünglinge sein, die von dominanten Frauen gezwungen werden, sich Liebesspielen hinzugeben, bei denen sich ein junger Mann üblicherweise noch schämt.

So ist es eben – man möchte noch einmal völlig unschuldig sein und nicht dafür verantwortlich, dass man sich jemals mit Sex beschäftigt hat – ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

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