Erotik: Ist schon alles über Männer geschrieben worden?

Ist Ihnen aufgefallen, dass Männer oft so schreiben, als ob sie schon alles wüssten, ja immer schon alles gewusst hätten? Haben Sie bemerkt, wie wenig sie über ihre Gefühle aussagen? Wie war denn das, als sich erstmalig ein weiblicher Finger in die süße kleine schmutzige Stelle bohrte? Liest man Schilderungen von Männern, dann war er einfach plötzlich drin. Doch das war doch erst der Anfang, nicht wahr? „Was gut für die Gans ist, ist auch gut für den Ganter, Süßer, nicht wahr?“, sagte sie und tat das, was sie schon lange wollte: Ihren Dildo mal an ihm ausprobieren. Ach ja, das ist peinlich, nicht wahr? Darüber schreibt man nicht, oder? Nicht, wenn man Hetero ist – na, und wie war der kleine, fast unbeabsichtigte Ausflug ans andere Ufer? War er schön für Sie?
Fantasien über „flotte Dreier“ – ja, mit zwei Frauen – toll, nicht wahr? Aber mit einem Bi-Paar? Da schweigt des Sängers Höflichkeit und bei anderen Themen sowieso, die dem schreibenden Jüngling die Schamesröte in die Wangen treiben. Klar schreiben Männer über alles – aber immer nur, wie es „gelaufen ist“. Gleich, ob zwangsgeduscht, an den Händen gefesselt oder nackt in der Badewanne liegend – immer wird nur das Geschehen geschildert, aber nicht die damit verbundenen Gefühle. Wird den Autoren bei einer Domina tatsächlich mal heiß und kalt, dann schreiben sie „mir wurde abwechselnd heiß und kalt“ – ein lächerliches Hohlwort, das niemals beschreiben kann, was sie tatsächlich fühlten.
Lust und Schmerz der besonderen Art kommen vor, werden aber selten in lebensnahen Schilderungen beschrieben. Klar leckte er ausgiebig ihren Zeh – na und? Wie ausgiebig? Was empfand er, als seine Zunge den salzig schmeckenden nackten Zeh zum ersten Mal berührte, wie wollüstig war er, als er den Zeh lutschte, was, als er aufgefordert wurde, die Stellen zwischen den Zehen zu lecken? Wie fühlten sich die unterschiedlichen Instrumente an, die eine schlagende Domina an ihm verwendete? Was ging in ihm vor, als er die gerechte Strafe spürte, die er für seine Untaten erhielt? An wen dachte er? Büßte er dabei?
Ausdruckskraft? Nein, was ist denn das? Die Zigarettenasche wird an seiner Zunge abgestreift, doch hören wir nichts über das Zischen, den Ekel – ja nicht einmal über die Lust, benutzt zu werden. Schläge werden abgehakt, nicht zelebriert. Was geschieht eigentlich in den Pausen? Sind es lange Pausen wie auf der Couch des Psychotherapeuten? Werden Gedanken wach an di erste Frau, die gesagt hat „Küss die Erde, auf denen meine Füße standen?“ oder sind die Gedanken bei der Sekretärin, die man sich anstelle der Domina wünscht?
Nein, es ist noch nicht alles geschrieben worden. Ich will nicht behaupten, dass Frauen bildhafter oder authentischer schreiben können – das Meiste, was im Internet veröffentlicht wird, ist der übliche Mist: Einleitung zu lang, Geschehen zu wenig plastisch, Schluss ohne Fantasiepotenzial. Dennoch ist auffällig, wie wenig Männer erotische und andere sinnliche Gefühle schildern können oder wollen. Es kommt mir nur allzu oft so vor, als würde ein pornografischer Film nacherzählt.
Was meinen Sie?
Objekte wie abgebildet bei: Kunstmacher.net, Bremen



Eine der brisanten Fragen, die die in der letzten Zeit immer häufiger gestellt werden, lautet zweifellos: Sind Frauen völlig grenzenlos im Ausleben ihrer Sexualität geworden? Sind sie schamlos oder tabulos und brechen sie alle Regeln, um zum Ziel zu kommen? 
Seit es nicht mehr unbedingt ein Wertgewinn für Frauen ist, Jungfrau zu sein, haben viele Frauen Angst, ihre „Unberührtheit“ in einem Lebensalter einzugestehen, das munter auf die 30 zugeht.
Kein Wunder, dass sich ein Paar, das solche Fantasien gerne und ausdauernd auslebt, schließlich doch ein wenig schämt – und sich endlich an






