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Cuckold – der Kuckuck, der Esel und eine Frau

Hörner aufsetzen ist im Deutschen geläufiger als "Cuckold"
Vor vielen Jahren war „Cuckold“ in aller Munde, und noch heute verzeichnet Google gut 1,4 Mio. Einträge mit diesem Begriff.

Nicht alle betreffen Erotik, Sex, SM und dergleichen. Der „Cuckold“ ist ein ganz gewöhnlicher Mann, der von einer ganz gewöhnlichen Frau „gehörnt“ wird. Klartextlich: Sie treibt’s mit einem oder mehreren anderen Männern, und er duldet es mehr oder weniger freiwillig.

In der Pornografie und in bestimmten Bereichen der SM-Szenerie ist er jedoch ein Weichei. Ausgestattet mit wenig Körperkraft, schmalem Selbstbewusstsein und (zumindest in der pornografischen Abteilung) mit einem kleinen Penis.

Das Pendant zum Kuckuck-Mann (Hahnrei, gehörnter Mann) ist ein menschlicher Eselhengst. Stürmisch, zupackend, von großer körperlicher Kraft und enormer Potenz, machohaftem Selbstbewusstsein und selbstverständlich mit einem großen Gemächt. Man nennt ihn nicht „Eselhengst“, sonder üblicherweise „Bull“.

Warum lässt der Mann "so etwas" mit sich machen?

Was treibt einen Mann eigentlich dazu, als „gehörnter Ehemann“ verheiratet zu bleiben? Und was könnte ihn dazu treiben, sich von der Ehefrau als „Cuckold“ derart erniedrigen zu lassen, dass er zusieht, wie ein anderer Mann sich mit seiner Ehefrau „beschäftigt“?

Der Mann, der seiner Frau gewähren lässt, mag gute Gründe haben. Mag sein, dass er selbst gerne mal anderwärts nascht, oder dass er ganz froh ist, dass sie sich anderweitig austobt – es ist nicht Sache eines jeden, den wilden Eselhengst zu spielen. Vor Jahren traf ich eine Frau, die regelmäßig in ein Mittelmeerland fuhr, um mit glutvollen Männern das zu bekommen, was sie von ihren „festen Beziehungen“ nicht geboten wurde.

Vier Theorien, warum der Mann gerne beim Ehebruch der Frau zusieht

Was aber geht in dem Mann vor, der tatsächlich in einen „Dreier“ nach Art des "Cuckolds" einwilligt, bei dem er überwiegend „zusieht?“

Es gibt dazu viele Theorien: Die eine basiert überwiegend auf SM-Paaren oder SM-Konstellationen: Sie dominiert, er lässt sich freiwillig erniedrigen und versklaven, und am Ende ist er dankbar, dass er wenigstens zusehen durfte.

Die zweite Theorie verweist auf die Faszination, einer Frau beim Sex mit einem Mann zuzusehen – in diesem Fall sogar der Ehefrau oder Freundin. Das könnte der Mann zwar auch bei einem konventionellen MMF-Dreier haben, aber dabei ist das reine „Zusehen“ eher verpönt.

Die dritte Theorie ist einfacher: Eigentlich will man einen Dreier (MMF), aber die betroffene Frau besteht darauf, dass nur einer der Partner aktiv ist und der andere wartet.

Es gibt eine vierte, auch recht plausible Theorie: Der Mann kann tendenziell Freude daran haben, einmal einem Mann körperlich nahe zu sein, traut sich aber nur in Gegenwart seiner Geliebten. Ob es sich dabei um echte Bisexualität oder bloße Neugierde handelt, ist umstritten.

Private Studie von 2011 über Cuckolds nicht mehr im Netz
Angebliche Umfrage - Cuckold-Ergebnisse (siehe Anmerkung)
Aufschluss sollte einmal eine umstrittene private Studie aus dem Jahre 2011 geben, die im Internet nicht mehr vorhanden ist. Danach waren 78 Prozent der Befragten Männer (Cuckolds) unterwürfig, und 15 Prozent empfanden sich nicht als unterwürfige, fanden die Idee aber (im Rollenspiel) attraktiv. Nur ungefähr neun Prozent empfanden sich nicht als unterwürfig. Interessant waren auch ander Zahlen: Etwa 57 Prozent der „Cuckolds“ liebten es, von der betroffenen Frau erniedrigt zu werden, wobei verschiedene Varianten infrage kamen, und nur etwa 29 Prozent waren reine Voyeure, also Männer, die Lust am „zusehen“ hatten. Die restlichen Männer gaben bisexuelle Tendenzen an. In einem 2005 veröffentlichten erotischen Roman (Domination Inc.) werden ähnliche Tendenzen geschildert.

Letztlich ergab sich aus der Studie (wenn man sie so nennen will), dass der Wunsch nach einem Cuckold-Szenario in den weitaus meisten Fällen von der Frau ausging. Allerdings beruht diese Aussage einseitig auf das, was „bekennende“ Cuckold-Männer äußerten.

(Das Zahlenwerk liegt der Redaktion vor, es kann aber nicht als wissenschaftlich korrekt anerkannt werden). Anmerkung (1): In weiblichen Kleidern oder gar geschminkt dem Geschehen zusehen (2) Alle anderen Erniedrigungen, wie Beleidigungen, oder "zu kleiner Penis". Alle Erniedrigungen wurden im letzten Balken zusammengefasst.
Bild oben: Illustration von Viktor Leyrer.

Wenn der Sex verkümmert – Seitensprung?

Ich denke, fast alle Paare kennen dieses Phänomen, das sich sogar schon Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen war: Gegenseitiges Vertrauen, tiefe Zuneigung und Alltagsroutine vertragen sich nicht mit der plötzlichen erotischen Faszination, der Erregung durch den fremden Körper und der spontanen Erfüllung wilder Lustwünsche.

Es mag sein, dass manche Paare die Falten aus der Sexunlust wieder herausbügeln und ab und an zu neuen ehelichen Lüsten kommen: Versandhändler bieten mehr und mehr erotische „Beginner-Sets“ für besondere Vorlieben an, die Dessous werden immer raffinierter, und die Rollenspiele immer frivoler.

Knapp die Hälfte der Deutschen meint: Sex verkümmert in Beziehungen


Kein Wunder, dass C-Date nun bei einer Befragung feststellte, dass „knapp die Hälfte der Deutschen“ der Meinung waren, dass Beziehungen auf Dauer zur Routine würden – nicht mehr völlig überraschenderweise waren übrigens mehr Frauen als Männer dieser Meinung, denn 50 Prozent der befragten Frauen und nur 44 Prozent der Männer bejahten die Frage, ob eine Beziehung auf Dauer zur Routine wird.

Seitensprung oder "alternative Begegnungen"?

Was aber kann man tun außer Spielzeug kaufen, neue Dessous probieren oder wilde Rollenspiele miteinander betreiben? Einen Dritten einladen, ein Paar oder gar eine ganze Gruppe, um häusliche Orgien zu feiern? Swingerklubs besuchen, sich in Bordellen eine Gespielin sichern oder gar „hinunter ins Kaninchenloch“ zu gehen, wie die Swinger ihren Kaninchensport betreiben?

Bleibt der Seitensprung einmalig?

Nun, C-Date sieht das geringste Risiko offenbar in einem „einmaligen ONS“, wörtlich:

„Nur 26 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass bei ihnen aus einem One-Night-Stand schon einmal mehr geworden ist. In Zeiten, in denen der schnelle Wechsel von Job oder Telefonanbieter selbstverständlich geworden ist und Beziehungen immer kurzfristiger sind, wird auch Treue eher flexibel gehandhabt und eine lebendige und aufregende Beziehung stellen die Partner höher als absolute Treue:“
Nun, ich wechsele nicht ständig meine Jobs und auch nicht den Telefonanbieter, und auch den Vergleich empfinde ich nicht ausgesprochen geschmackvoll. Man muss Menschen nicht unbedingt auf die Ebene von Produkten stellen – und auch ein ONS kann sehr sinnlich und liebevoll angelegt werden.

Sichere Seitensprünge - Schnauze halten und Spuren verwischen

Der Seitensprung kann alles bewirken – eine Auffrischung der eigenen Kraft, eine erneute Hinwendung zum Ehepartner oder auch eine verlustreiche Scheidung. Um sie zu vermeiden, sollte man zwei Ratschläge befolgen:

- Ein Mal ist genug – kein zweites Mal treffen.
- Niemals mit irgendjemandem drüber reden.
- Keine Spuren irgendwelcher Art hinterlassen.

Manche Frauen meinen, sie sollte ihre Geheimnisse mit Freundinnen teilen – auch das kann ins Auge gehen. Welcher Mann würde sich besser für einen ONS eignen, als ein soeben gehörnter Ehemann? „Beste Freundinnen“ können ganz schön fies sein – und Skrupel kennen sie ohnehin nicht. Warum auch? Seitensprünge, so lehrt uns die Geschichte, fallen immer nur dann auf, wenn Menschen extrem unvorsichtig oder notorische Plappermäulchen waren – die Mehrheit aller Ehebrecherinnen und Ehebrecher wurde niemals erwischt.

Cuckolds – die Vermarktung der Fantasie eines Seitensprungs

hahnrei / cucu / cuckold


Die Welt der Sekten hat überall eines gemeinsam: Neben merkwürdigen Ritualen pflegt man dort auch eine eigene Sprache. Alleine der Begriff klingt ja schon merkwürdig genug: „Cuckold“? Der Begriff wurde nach halbwegs verlässlichen Quellen bereits vor mehr als 500 Jahren benutzt, als man bereits wusste, dass das Weibchen des Kuckucks seine Eier in fremde Nester legt. Dem Zeitgeist folgend, wurden solche Umschreibungen gerne benutzt, um sexuelle Laster zu bezeichnen: Wenn eine Frau „fremd ging“, dann tat sie dies nach Art des Kuckucksweibchens, indem sie zu „einem Fremden ins Nest ging“. Der Ehemann wurde dann eben zum „Cuckcold“, denn aus Frankreich wechselte diese Bezeichnung auch nach England über, wo sie unter anderem von William Shakespeare als Metapher benutzt wurde.

Der Cuckold ist eigentlich ein "Hahnrei" oder "gehörnter Ehemann"

Ein Alternativbegriff ist ebenfalls populär: Jemanden „hörnen“ oder ihm „Hörner aufsetzen“. Der Begriff kommt aus der Praxis, dem kastrierten Hahn, der dann zum Kapaun wird. Dadurch wird er dann zum Hahnrei (Hahnreh), wozu wir diese Erklärung fanden: ((Brockhaus, 14. Auflage, 1894-1896)

Hahnrei, ein Mann, der von seiner Frau, indem sie sich zu einem andern hält, betrogen wird. Das Wort kommt zuerst bei Matthesius im 16. Jahrh. vor und ist vermutlich zurückzuführen auf den alten Gebrauch, jungen Hähnen bei dem Kapaunieren die abgeschnittenen Sporen in den verschnittenen Kamm einzusetzen, in den sie so fest wachsen, dass sie den Eindruck von Hörnern machen. Der von seiner Frau betrogene Ehemann wird also mit einem solchen Kapaun verglichen; er ist ein Hörnerträger oder Hahnrei, d. i. ein Hahn, der durch die ausgesetzten Hörner zu einem Rehbock gemacht ist, ursprünglich "Hahnreh" oder "Rehhahn" genannt, woraus Hahnrei missverständlich wurde. Im Französischen wird der Hahnrei. Cocu, altfranzösisch für coucou genannt - nach dem Kuckuck, dessen Weibchen seine Eier in fremde Nester legt (…) bekannt ist aus Shakespeare die Sage, dass der Kuckuck jeden Hahnrei anrufe.


Die Pornobranche verfälscht den alte Begriff Cuckold

Der gehörnte Ehemann war zwar schon immer ein Motiv erotischer Literatur und sogar erotischer Darstellungen aller Art, doch erst seit die Swingerszene, die BDSM-Szene und die Internet-Pornobranche miteinander vermengt wurden, steht der „Cuckold“ für ein Genre der besonders ordinären Pornografie. Seither werben zahlreiche allgemeine pornografische Seiten, aber auch spezielle Foren mit dem Begriff, der dabei teilweise extrem verfälscht wird. Denn „Cuckolding“ wird durch die pornografische Werbung zu einem Prozess, der von der Frau, dem „Hotwife“, nicht nur dominiert wird, sondern die auch das „Drehbuch“ für komplette Szenarien schreibt, in denen sie vom „Bull“, dem Liebhaber, in allen möglichen Stellungen beschlafen wird, während der unterwürfige „Cucky“ zusehen muss. „Bull“, „Cuckold“ oder „Cucky“ gehören zu dem bereits erwähnten Vokabular, mit dem die Adepten dieser Ausschweifungen ihre Rollen bezeichnen.

Auch der moderne, unterwürfige Cuckold hat Vorbilder

Solche Szenarien mögen als exklusiver Zeitvertreib durchaus existieren. Sie haben sogar literarische Vorbilder. Typisch dafür wären die Erlebnisse des Leopold Graf von Sacher-Masoch, der in seinem berühmten Roman „Venus im Pelz", zusehen muss, wie seine erwählte Pelzherrin Wanda einen jungen Künstler verführt und dabei in die gleiche Situation bringt, in die er sich selbst brachte: die völlige Erniedrigung aus Lust und Leidenschaft.

Voyeure beim Seitensprung der Ehefrau - Cuckolds

Ähnliche Formen der Verbindung von Masochismus und spielerischen sexuellen Ausschweifungen findet man auch in der modernen erotischen Literatur. In einem englischen Roman der Gegenwart wird sehr bildhaft geschildert, wie ein Cuckold-Treffen nach einem vorher festgelegten Drehbuch arrangiert und durchgeführt wird. Dabei erfüllt die lustvolle Ehefrau ihrem Mann den lange gehegten Wunsch, Voyeur einer Szene zwischen ihr und einem bestellten Liebhaber zu sein. Wie viele Geschichten aus dem Vereinigten Königreich wird auch diese mit einem trockenen Humor gewürzt – und die Geschichte erhält ein überraschendes Ende, das ebenfalls „sehr britisch“ ist und so nicht im Drehbuch stand, nämlich eine bisexuelle Variante.

Fantasie, sinnliche Realität oder Pornografie?

Offen bleibt bei alldem natürlich, ob der „Cuckold" als gedemütigter Ehemann eher ein Fantasieprodukt der Männer ist, oder ob es tatsächliche Frauen gibt, von denen als „Hotwife“ solche Impulse ausgehen. Völlig nebulös bleibt dabei auch, ob Frauen überhaupt Freude an solchen Fantasien haben. Da die Treffen, wenn sie in der Realität stattfinden sollen, sehr sorgfältig arrangiert werden müssen, ist die Frage, wie oft dies in „ganz gewöhnlichen Beziehungen“ wirklich vorkommt oder ob diese Ereignisse nicht eher in die Dogging-, Swinger- oder BDSM-Szene gehören.

Vergessen wir nicht den Ursprung aller pornografischen Schilderungen des „Cuckold-Themas: die Fantasie der Männer, zuzusehen, wenn die Geliebte, Freundin, Verlobte oder Ehefrau von einem anderen Mann beschlafen wird. Ob sie genauso viel Freude daran haben, wenn sie dies tatsächlich erleben?

Cuckolding - Zweifel überwiegen

Es wäre zu bezweifeln, wie denn überhaupt die Frage gestellt werden muss, ob es dem Paar, das sich darauf einlässt, wirklich gut tut. Drehen wir die Sache doch einmal um: Seit Frauen offener zu eigenen Fantasien stehen, kann man gelegentlich die Vorstellung hören, sie würden gerne zusehen, wie ihr Freund Sex mit einer anderen Frau hat, während sie selbst unbeteiligt bleibt. Als Fantasie und literarische Vorlage durchaus interessant, würde das Vorhaben in der tatsächlichen Ausführung aber von den meisten Frauen abgelehnt – die Gefahr, dass die Gelegenheitspartnerin dem Mann Lust auf weiterer Seitensprünge machen könnte, wäre für die meisten Frauen viel zu beängstigend.

Lediglich die Swinger- und Doggingliebhaber sind darüber offenbar anderer Meinung – doch sollte man sich auf das Niveau von Parkplatzsex (Dogging) begeben, um sich erotische Fantasien zu erfüllen? Wohl eher nicht. Menschen mit Rückgrat sollten zu ihren Fantasien stehen - aber sie sollten sich nicht dazu herablassen, sich in die Niederungen einer Unkultur zu begeben, in der Menschen nur noch sexuelle Objekte sind.

Titel: 17 Jahrhundert, Frankreich, Teil eines Kalenders