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Sex und Autorinnen: das Problem, etwas Gewöhnliches zu schreiben

Bei Farben haben wir eine genaue Vorstellung, und sie zu beschreiben, ist nicht schwierig. Hingegen finden wir für erotische oder sexuelle Empfindungen oft gar keine Worte. Wir neigen dazu, diese Gefühle zu vereinfachen und sie qualitativ einzuordnen. Dieses Gefühl ist „schön“, jenes ist „eklig“. Für einen Schriftsteller ist diese Vorgehensweise unerträglich – oder sie sollte es wenigstens sein.

(Aus meinen Gedanken zur Kommunikation)

Ganz gewöhnlich - Knöpfe werden geöffnet ... udn was fühlst Du?
Die Doppelbedeutung ist mir wohl bewusst: Das Gewöhnliche kann das sein, was im Volksmund als „ordinär“ bezeichnet wird. Es kann aber auch das sein, was Menschen täglich tun: Vögeln und gevögelt werden.

Die eigene Erfahrung und das Gewöhnliche

Sie wissen sicher aus eigener Anschauung, wie schwierig es ist, das „Gewöhnliche“ zu beschreiben. Zumal, wenn da nicht einfach „das Ding ins Ding“ kommen soll, sondern Gedanken glühen und Emotionen aufkochen sollen – und nicht zuletzt die Körper zum Aufbäumen gebracht werden sollen.

Ich habe damals (als wir das Thema ziemlich and Ende gestellt hatten) selber zur Feder gegriffen und Ihnen etwas verraten, selbst wenn Sie es schon wussten.

Nichts ist so schwierig zu beschreiben wie das „Gewöhnliche“.

Ab hier haben wir den Wortwechsler-Schreibdienst genutzt, um den Artikel ein wenig anzupassen.

Peinlichkeiten kommen häufiger vor als tolle Orgasmen

Sehen Sie: Es kommt nicht im Geringsten darauf an, wie man, frau oder Sie selbst technisch und praktisch „vögeln“ oder „gevögelt werden“. Tatsächlich gehen dem Geschlechtsakt einige Handlungen und vor allem Gefühle voraus. Von Ängsten und Peinlichkeiten über die Gänsehaut bei Berührungen und die Scheidenfeuchtigkeit bis hin zu einem Karussell der Gedanken. Sehen Sie, alles, was zuvor passiert und alles, was während des Geschlechtsakts empfunden wird – das ist interessant. Hingegen interessieren die Hubbewegungen des Penis so wenig wie diejenigen einer Fahrradpumpe. Gut, da wäre noch der „Höhepunkt“. Orgasmen bei Männern sind stets kurz und kommen explosionsartig. Die Hingabe an tolle Orgasmen ist hingegen den Frauen vorbehalten. Falls Sie sich darin auskennen und sozusagen „mit den Augen einer Fremden“ ansehen können, während Sie ihre Gefühle genießen, sind Sie immer im Vorteil.

Zumeist sind die Vorbereitungen für den eigentlichen Geschlechtsakt alles andere als perfekt, zumal, wenn beide eher zufällig „ineinanderfallen“ oder es ein „erstes Mal“ für eine der Beteiligten ist. Normalerweise tauchen dabei „Peinlichkiten“ auf. Von der falschen Unterwäsche bis zur Angst, der Partner könnte herausbekommen, dass frau/man nicht so erfahren ist, wie sie/er vorgibt. Und wenn Sie Ihr persönliches Leben durchdenken, dann fallen Ihnen sicher noch einige Peinlichkeiten ein.

Mut zur Peinlichkeit – bloß keine Perfektion

Deswegen gebe ich Ihnen einen Rat: Haben Sie Mut zur Peinlichkeit. Wenn Sie Ihre Heldin den Reißverschluss der Hose eines Mannes öffnen lassen, und „sein Speer“ dann herausbolzt, steif und aufrecht wie ein Königspinguin, dann – lassen sie es mal besser mit dem erotischen Schreiben. Penisse liegen selten direkt hinter Reißverschlüssen, und selbst falls sie bereits ein wenig steif sein sollten, müssen sie doch erst einmal aus den Boxershorts herausgelockt und zumeist noch etwas „nachbehandelt“ werden. Das alles gehört – normalerweise – zum „ganz gewöhnlichen Sex“. Ebenso hat der Tanga nicht immer schon „eine riesige feuchte Stelle“, wenn die ersten Zungenküsse ausgetauscht wurden – ja, möglicherweise bleibt die Feuchtigkeit der Vagina weit hinter der situativen Geilheit zurück.

Sex läuft in erster Linie im Hirn ab

All das gehört zu dem, was „normalerweise“ passieren kann. Sex ist ein Prozess, der im Kopf beginnt, und erst dann den Körper erfasst – und nicht immer arbeiten Kopf und Körper synchron. Hinzu kommt: Was im Kopf vor sich geht, ist schwer zu beschreiben, und das, was im Körper vorgeht, ist mit Scham besetzt. Oftmals haben Männer noch nie eine Klitoris gesehen und Frauen noch nie eine Vorhaut über eine Eichel geschoben. Die Anatomie des eigenen Geschlechts ist oft so unbekannt wie die des anderen Geschlechts, geschweige denn von den Prozessen, die zwischen dem Gehirn, dem ausführenden Körper und den Nervenbahnen ständig stattfinden. Wenn das alle so ist, was soll man dann beschreiben?

Sie haben richtig geraten: Dann kann man nur beschreiben, wie sich das „Ding in das Ding“ versenkt, solange bis einer von beiden jauchzt und stöhnt. Ich denke, das sollte nicht genug sein. SIE können mehr.

Anal, SM und Ähnliches: Wem nichts einfällt, schreibt harte Sachen

Mag sein, dass manche unserer Autorinnen so gerne Themen wie nackt sein, Analverkehr und neuerdings SM aufgreifen, weil es da ein bisschen Lametta gibt, das man um das Nichtwissen herumlegen kann. Ein Dutzend Schläge mit dem Rohrstock kann man gegebenenfalls in zwölf Varianten beschreiben, während dies bei zwölf Hubbewegungen des Beckens schwerfällt.

Ich empfehle allerdings, bei Themen wie Sinnlichkeit, Erotik und Sex vor allem einmal das Organ zu beteiligen, das bei der Lust die Funktion des Steuermanns einnimmt: das Gehirn. In ihm wird die Lust erzeugt, werden die Ergebnisse von Berührungen aller Art verarbeitet und die Lust wie auch der Ekel plastisch und vielfarbig erzeugt. Und genau dies lässt sich durchaus beschreiben.

Intimes von Ihnen selbst verarbeiten

Die Autorin Elizabeth Benedict sagt dazu, eine Sexszene müsse nicht von gutem Sex handeln, und wir fügen mal hinzu: und nicht von perfekten Körpern. Denken Sie dabei auch an das erste Mal, als sie einen Penis erfühlt haben, ihn aus den Pants befreiten und – wahrscheinlich enttäuscht waren. So etwas würde der in Sie hineinstecken? Oder würde er gar verlangen, dass Sie es erst einmal steif lutschen sollten?

Sehen sie – das ist genau das, was ihre Figur denken wird. Peinlich, nicht wahr? Aber das ist ja das Interessante daran.

Das sollten Sie mitbringen:

Schreib-Erfahrung: Wenig - lernen Sie beim Schreiben.
Form: Von der Short-Story bis zur Novelle.
Recherche, Kenntnisse: Einfühlungsvermögen und Beobachtungsgabe.
Mentale Einstellung: Lust an erotischem Schrifttum..
Erotischer Lustfaktor: Kann sehr lustvoll.
Leser(innen)kreis: Alle Hetero-Frauen.

Was Sie wissen müssen, bevor Sie erotisch schreiben

Dichter singen über unsere Triebe
in ihrer kindischen Poesie.
Ich kenne jede Art von Liebe –
Und dies viel besser als sie.


(Nach Cole Porter)

Die Buchstaben werden zu Wörtern, die Wörter werden zu Sätzen, und die Sätze werden zur puren Lust
In dieser neuen Serie wende ich mich zuerst an alle diejenigen, die ganz bewusst Blümchensex (auch Vanille-Sex genannt) in ihre Romane, Novellen oder Kurzgeschichten einbauen wollen. Es ist ja die Art von Liebe, Lust und Leidenschaft, die jede Autorin kennen dürfte. Heterosexuell geprägt, meist beschrieben als das Eindringen eines Penis in die Vagina und dann vielleicht ein Orgasmus, der den Körper Ihrer Heldin erbeben lässt.

Ich gehe dabei davon aus, dass Sex ein wichtiges Element und einer der Höhepunkte Ihres Werkes ist, Sex aber andererseits nicht das durchgängige Thema darstellt.


Jetzt muss es passieren …

Wie bei anderen Liebesthemen auch, steht im Vordergrund, auf welche Art und Weise ihre Heldinnen und Helden einander begegnen und wie sich ihre Liebe, ihre Lust oder ihr Verlangen entwickelt. Bei den meisten „Sex-Storys“ kommt dieser Bereich zu kurz, denn zumeist umkreisen die Menschen einander, bevor es zu intimen Begegnungen kommt. Ein wichtiges Spannungselement ist dabei, den Zeitpunkt der ersten „echten“ sexuellen Begegnung hinauszuschieben, besonders dann, wann ihre Leserinnen und Leser meinen: „Jetzt muss es doch passieren.“

Unbedingt den Gedanken an Körperliche Nähe zu Ihren Figuren erzeugen

Um Nähe zu ihren Figuren zu erzeugen, sollten sie wenigstens all das ausführlich beschreiben, was „auf der Haut und unter der Haut“ passiert. Sie haben damit ein gutes Mittel, sinnlich zu schreiben, ohne auf die Emotionen einzugehen. Ich sage dies, weil die meisten Autorinnen und Autoren selbst nach langjähriger Erfahrung mit erotischen Schriften nicht in der Lage sind, emotionale Gefühle plastisch zu beschreiben. Die Empfindungen, die auf der nackten Haut ausgelöst werden, sind hingegen wesentlich leichter zu beschreiben. Denken Sie in diesem Fall nicht gleich an Lippen oder gar Schamlippen, Penisse oder Hodensäcke – die Haut ist ein riesiges Körperorgan, das reichlich mit Nervenenden bestückt ist. Beschreiben Sie beispielsweise, wie Sie sich ausziehen oder entkleidet werden. Falls Sie sich (als Autorin) schämen, sich zu entkleiden und sich dabei „vorzuzeigen“, statten Sie ruhig auch Ihre Heldin mit dieser Schamhaftigkeit aus.

Je mehr Blümchensex, umso intimer sollten Sie schreiben

Besonders, wenn Sie über „Vanillesex“ schreiben, sollten Sie intim werden. Viele der heutigen Autorinnen weichen auf spektakuläre Themen wie SM oder Fetische aus, weil es auf diesen Gebieten mehr zu beschreiben gibt. Doch sobald sie „intim“ werden, kann auch der oft abgetane Blümchensex sehr spektakulär werden.

Ich hoffe, dass Ihnen der folgende Absatz nicht peinlich ist. Ich habe ihn deshalb in diesen Artikel aufgenommen, weil eine große Anzahl von Frauen im Internet bestätigte, dass sie sehr selten oder gar noch nie eine zutreffend erotische Schilderung über „ganz gewöhnlichen Sex“ gelesen hätten. Die Frage eines Mannes war: Wie fühlt sich der Penis aus der Sicht der Frau eigentlich in der Vagina an?

Aus dem interessantesten Beitrag (Netdoktor-Forum) zitiere ich hier einmal kurz:

Wenn ich auch eine der Frauen bin, die nicht unbedingt durch den Geschlechtsverkehr zum Orgasmus kommt, so fühlt es sich doch sehr, sehr aufregend an, wenn er ihn hineinschiebt. Manchmal scheint mir, ich fühle das bis in den Kopf hinauf ... Wenn er den ersten Stoß macht, dann fühle ich das bis hinauf in jene Region des Gesichtes, in der man spürt, dass man rot wird … Was mir ganz einfach auch noch daran gefällt, den Penis in der Vagina zu spüren, ist die Nähe, die in diesem Moment zu meinem Mann besteht.


Die Gefühle im Inneren - nicht nur in der Psyche

Diese kurze, sicherlich nicht literarische Schilderung zeigt, woran es mangelt: Die Zeit zwischen dem Auftauchen des Penis aus der umhüllenden Bekleidung bis zur vollständigen Versteifung kann bereits einige Seiten füllen, wird aber oft nur mit einem Satz abgehandelt. Weitaus interessanter ist jedoch der Moment, indem sich der Körper deiner Heldin bereit macht, den Penis zu empfangen und wie sich „das anfühlt“ – nicht nur in der Vagina, sondern überhaupt. Besonders der Moment des Einführens wird ja noch bewusst wahrgenommen, selbst dann, wenn die Details später verfließen und in nicht beschreibbaren Gefühlen enden. Auch das „Abkühlen“ nach dem ersten Orgasmus und der wieder einsetzenden Lust kann ausführlich und sehr sinnlich beschrieben werden.

Einer der möglichen Gründe, warum dieser Teil der Vanille-Erotik selten beschrieben wird, könnte in der Scham liegen, sich diesem Thema zu widmen. Das gilt für die Penetration ebenso wie für Brust-, Hand- und Mundverkehr.

Nicht von der Heldin distanzieren – sondern sie leben lassen

Ein anderer Grund könnet aber auch daran liegen, sich selbst heimlich von der Heldin zu distanzieren. Nun ist es sicherlich gut, der Heldin ein Eigenleben zu schenken, weil sie dann über den Erfahrungsschatz und die Schamgrenzen der Autorin hinausgehen kann. Aber es ist schlecht, sie nicht einmal mit den Grundlagen auszustatten, und dazu gehörte eben, wie sich ein Mann anfühlt – bei einem flüchtigen Kuss auf die Wange ebenso wie beim Eindringen in die Vagina.

Die Grundlagen und Würzen des erotischen Romans

Ich fasse Ihnen all dies zusammen:

- Die Grundlage des erotischen Romans ist identisch mit der des Liebesromans: Wo und wie kamen beide zusammen, und wie kam es dann zu einer Liebesbeziehung?
- Beim erotischen Roman geht es im Grund darum, die Erfüllung der Lust ausführlich und äußert intim zu beschreiben. Ihre Leserin muss mental die Rolle ihrer Heldin einnehmen können – ob sie es nun ekelt oder anregt.
- „Innere Gefühle“ lassen sich bis zu einem gewissen Grad durch die Empfindungen bei der Berührung der Haut ersetzen.
- Geschlechtsverkehr, auch Hand- und Mundverkehr, ist ein sinnlicher Prozess, kein mechanischer Vorgang. Er wird von vielen, teils widersprüchlichen Empfindungen und Gedanken begleitet.
- Wenn Sie irgendetwas aus Scham vermeiden, kann ihre Leserin weder den Genuss noch den Ekel noch das Schamgefühl nachvollziehen. Sie entziehen ihrer Leserschaft damit eine wichtige Grundlage der Empfindungen Ihrer Heldin.

Der Artikel erschien zuerst in „Sinnlich Schreiben“ als Nummer 50 einer Serie. Die Redaktion hat sich entschlossen, ihn als Nummer eins in eine neue Serie aufzunehmen, in der wir verschiedene Aspekte des Schreibens über Sexualität behandeln. Unser Lohn sollet sein: Wenn sie ein Geschichte schreiben, verweisen Sie bitte auf die Tipps in „mehrhaut.de“.

Sklavinnen im Harem – das Reizthema des 19. Jahrhunderts

Die Sklavin - hier mit Händlern als Verkäufern und Beduinen als Käufern
Der klassische erotische Roman verlegt seine Handlung oft und gerne in den Orient. Ja, es gab eine Zeit, in der man den Orient zugleich verherrlichte und verdammte. Insbesondere im 19. Jahrhundert gab es die Kunstrichtung der Orientalisten, die „den Orient“ äußert verblümt darzustellen wussten – insbesondere den angeglichen „Sittenverfall“ der Orientalen und ihre Sinnlichkeit. Dabei war es immer wieder der Harem, der dazu dienen musste, die Sinnlichkeit anzufachen, und mit ihm kamen dann auch die Begriffe der Odaliske und der Haremssklavin.

Was der Harem wirklich war

Weißhäutige Odaliske aus der Sicht eines Orientmalers
Ein Wort zuvor: Der Harem war nichts als ein geschützter Ort, an dem die Frauen lebten – und zwar alle Frauen im Haus eines Herrschers. Deshalb war der Harem auch kein Ort erotischer Ausschweifungen, sondern einfach ein Frauenhaus mit einer eignen, strengen Hierarchie. Als bekannt wurde, dass die Haremssklavinnen nahezu ausschließlich aus nicht-muslimischen Ländern kamen, rankten sich alle Arten von Horror- und Fantasiegeschichten um hellhäutige Sklavinnen. Nach manchen Quellen wurden die Sklavinnen von Piraten an die Herrscher verkauft, woraus neue Horrorgeschichten entstanden: Es handele sich teils um hochrangige Ladys, die auf Sklavenmärkten im Orient verschleppt wurden. Zudem gäbe es geheimnisvolle Sklavenhändlerinnen und Sklavenhändler, die ihre Beute per Schiff oder über Land heranschafften, um die Begierde der orientalischen Herrscher zu befriedigen.

Die Sklavin - makellos schön musste sie sein

Der Unterschied zwischen Realität und westlicher Perversion wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass eine Sklavin makellos sein musste, um Eingang in den Harem zu finden: Darüber entschieden zunächst die Eunuchen, die eine Vorauswahl trafen, und letztlich die Königinmutter. Das bedeutet, dass potenzielle Sklavinnen mit „kleinen Fehlern“ keine Chance hatten, bei Hofe angenommen zu werden.

Die Chance, lesen und schreiben zu lernen

Lesen, Schreiben, Instrumente spielen lernen ...
Das Wort „Chance“ mag hier merkwürdig klingen, doch war es in der Tat für viele Sklavinnen eine Möglichkeit, in der höfischen Hierarchie auszusteigen, zahlreiche praktische Fähigkeiten zu erlernen und später einen wohlhabenden Mann zu heiraten. Zu den Lerninhalten gehörte übrigens auch, lesen und schreiben zu lernen. Dazu erlernten die Frauen (wie westlichen Frauen jener Zeit auch) Textilarbeiten und nicht zuletzt wurden sie im Tanz und in Musikzieren unterrichtet.

Eine der Tatsachen über Sklavinnen (und auch anderer Frauen im Harem) war ihre Herkunft aus vielen Ländern und Kulturkreisen. Vor allem die angrenzenden Länder waren es, aus denen die Sklavinnen stammten: es gab einige Griechinnen, zumeist aber Frauen aus Kaukasien, die als die schönsten der Welt galten (also aus dem heutigen Georgien, Armenien und Aserbaidschan). In einem Reisebericht wird vor allem die Tscherkessin (heute Volksgruppe in Teilen der russischen Republik) genannt. Der Reisende lobte ihre großen schwarzen Augen, ihre matte Blässe, ihre hohe, schlanke Gestalt und die zarten Glieder.

Die Erotik des Harems im westlichen Bild und in der Literatur

Die Erotik des Harems zeigte sich vor allem in den bereits erwähnten Malereien der Orientalisten, in denen besonders die Sinnlichkeit der Odalisken dargestellt wird, während erotische (und teils äußert harsche) Romane sich eher auf die Sklavinnen konzentrierten.

Der Orient wird genutzt, um erotische Demütigungen zu schildern

Als "Beauty in the Birch" veröffentlicht
Im Briefroman „Beauty in the Birch“ (Auch: Birch in the Boudoire) werden einem orientalischen Herrscher Frauen zugeführt, die bereits aus einer Schiffsreise sexuell gedemütigt werden. Allerdings zeugt der Briefroman – zumindest in Teilen – von der Kunst der Briten, selbst extreme erotische Geschichten mit einem gewissen „Understatement“ zu erzählen. Der 1905 genannte Autor, „Jean de Villiot“ wurde vorgeschoben, um glaubhaft zu machen, das Buch sei in Paris erschienen – es zeigt aber deutlich eine britische Handschrift und sehr viel Erzähltalent. Erschienen ist es vermutlich bei Charles Carrington, der viele ähnliche Bücher verlegt hat. Zugeschrieben wurde es auch Georges Grassal de Choffat, der sich auch Hugues Rebell nannte. Die Szenen sind – aus heutiger Sicht – allerdings ausgesprochen sexistisch. Lediglich durch die (vorgebliche) Erzählerin, ihren etwas unterkühlten Stil sowie die genaue Schilderung der sexuellen Obzessionen bekommt das Buch – wenngleich heute geächtet – seinen literarischen Wert als Beispiel viktorianischer Erotik.

Wesentlich Harscher und darüber hinaus von erbärmlicher Qualität ist hingegen der Roman „Die Lustobjekte der Sklavenhändlerin“ eines angeblichen „Muhammad Ahmad Ibn-Sarif“.

Der moderne erotische Roman und die Sklavin darin

Hier in anderer Ausgabe, anderer Aufmachung
Als wirklich erotisch wird man keines dieser Werke bezeichnen können – sie sind vielmehr Ausdruck einer „Zeigefreude in Worten“, die dem Geschmack einer Zeit entgegenkam, als die Damen noch hochgeschlossen Kleider trugen, die bis an die Knöchel gingen und jeden Blick auf die nackte Haut unmöglich erscheinen ließen. Wesentlich enger an die große Literatur kommen die beiden Werke „Venus im Pelz“ und die „Histoire d’O“, die beide das Thema der freiwilligen Versklavung behandeln – vor allem Letzteres glänzt durch seinen überzeugenden Stil und seine unglaubliche Frivolität.

Bilder: oben - Otto Pilny, Tschechischer Orientmaler.1910
Bild Mitte: Odaliske - Ferdinand Max Bredt, Deutscher Orientmaler.
Bild Links: Charles Wynne Nicholls, britischer Orientmaler.
Die Bücher sind antiquarisch teils noch im Handel erhältlich.

Wer liest eigentlich erotische Literatur?

Es geht nicht um das Handeln, sondern um das Gefühl, das die Handlung erzeugt
Eine der interessantesten Fragen zu Romanen, Novellen und Kurzgeschichten besteht darin, warum es sie überhaupt gibt. Wenn man einmal alle historischen, sozialen und kulturellen Aspekte weglässt, dann ist es die Neugierde auf das Leben anderer, aber auch auf das, was andere Menschen stellvertretend erlebt , erfühlt oder erdacht haben. Was davon bedeutsam ist, entscheidet ein selbstverliebter Klüngel von Schwätzern aller Art, wenigen fröhlichen Kennern und Kritikern der Feuilletons, die zumeist einen recht eng gefassten Kulturbegriff haben.

Literatur kann dreierlei: reduzieren, schildern oder überhöhen. Die erotische Literatur wäre eine Meisterin darin, mehr noch als jede andere Literaturgattung – aber der Konjunktiv ist berechtigt, denn sie ist es nicht.

Dilettanten und Könner - bei beiden fehlt die Qualität

Sie leidet vielmehr unter ihren vielen Dilettanten, die nicht in der Lage sind, alle Aspekte des erotischen Handelns und Fühlens zu schildern. Ja, sie zwingt sogar bekannte Schriftsteller zu einer Verflachung und Verfälschung des Ausdrucks, sobald von Sexualität die Rede ist. Zudem muss der Schriftsteller die Zensur fürchten, wenn er die Vorgänge realistisch aus der Sicht des Voyeurs oder gar des Betroffenen schildert. In der Erotik ist nichts so brutal und ehrlich wie die Wahrheit, und sie schreckt ab. Tendenzen, wie etwa die Bigotterie, die Wohlanständigkeit oder der Feminismus, wirken mit, um Schriftsteller(innen) in die Ecke der „Schmutzfinken“ und „Menschenverächter“ zu stellen.

Erotische Literatur - nicht nur zum "Aufgeilen"

Erotische Literatur wird – daran kann kein Zweifel bestehen – einerseits zur Information, andererseits zur Erregung geschrieben. Wir vergessen oft, dass insbesondere junge Leute, neugierige Menschen mittleren Alters und solche, die ihre Lust bereichern wollen, tatsächlich an authentischen oder quasi-authentischen Informationen interessiert sind. Das heißt, sie wollen genau wissen, wie sich Menschen in ungewöhnlichen erotischen Situationen fühlen, vom ersten Eindringen eines Penis in die Vagina bis zur Fesselung an ein Andreaskreuz. Frauen wollen wissen, mit welchen Mitteln Verführerinnen arbeiten, Männer suchen nach Möglichkeiten, Frauen ins Bett zu bekommen und Grenzgänger(innen) suchen nach Informationen über die Lust am anderen Ufer.

Erotik auf banale Handlungen reduzieren?

Nahezu jeder Autor versteht sich darauf, Erotik auf banale Handlungen zu reduzieren, und eine beträchtliche Anzahl von Schundschreiber (inne)n und Autoren (Autorinnen) mit Millionenauflagen tut nichts anderes als dies. Nur eine Minderheit schreibt realistisch, inklusive Verletzungen und Grenzüberschreitungen, und ebenfalls sehr wenige überhöhen die Lust, wie es einst Salomon tat.

Bei der Erotik versagt das Schriftsteller-Handwerk oft

Überzeugende Sprache? Handwerkliches Können? Eine realistische, teils sinnliche, teils brutale Darstellung dessen, was in Körper, Geist und Psyche beim Sex abläuft? Nein, das lesen wir nur selten.

Dabei wäre es durchaus eine literarische Aufgabe. Wenn es wahr ist, dass Schriftsteller Welten vermitteln wollen, dann sollten sie das, was im Kosmos der Lust geschieht, so intensiv und realistisch schildern, wie es sich tatsächlich darstellt.

Nähe, Unmittelbarkeit, Sinnlichkeit - ja, wo bleibt denn dies?

Wer erotische Literatur liest – gleich, ob aus dem 19. Jahrhundert oder dem 21. Jahrhundert - findet dergleichen nur selten. Nähe zu den geschilderten Personen ist dabei so wichtig wie der nötige Abstand zu ihnen. Ein junger Mann kann die Gefühle während seines ersten vollständigen Geschlechtsakt noch gar nicht schildern – er bracht Abstand und das Vermögen, sich später noch einmal gedanklich und emotional auf den Prozess einzulassen. Ebenso vermessen ist es, nur „Betroffene“ zu Wort kommen zu lassen, wenn es um homoerotische Begegnungen, Partnertausch oder SM-Aktivitäten geht. Immer und überall ist nötig, sich in die Person einzufühlen und somit eine Vorstellungskraft für fremde Gefühle zu entwickeln. Denn nur, wer selbst Gefühle „nachempfinden“ kann und über sprachliche Macht verfügt, kann sie auch vermitteln.

Nun gut – fast schon zu viel gesagt. Wer lüstet und dabei lernen will, sollte ja keine Pornografie sehen, sondern lesen. Fragt sich nur: was denn eigentlich?

Hinweis:

Sie schreiben?

Das tun wir für Sie:
Wir lesen Ihr Manuskript, wir schlagen Änderungen und Ergänzungen vor, und sollte ihr Buch schon fertig sein: Wir beurteilen es für Sie – kritisch und objektiv.

Wie sinnlich sind eigentlich Frauenbrüste?

Der Stolz der Damen und die Lust der Herren - große Brüste Ende des 19. Jahhunderts
Sind Frauenbrüste natürliche Ausdrücke weiblicher Schönheit? Sind sie Symbole der Fruchtbarkeit, oder sind sie gar sinnliche Männerfallen?

Wir sind vielen Sichtweisen nachgegangen und haben viel für euch herausgefunden. Und als Erstes wird ja immer die Frage gestellt: Was wollen die Kerle eigentlich – kleine oder große Brüste?

Kleine oder große Brüste, was mögen Männer?

Wobei wir mitten im Thema wären. Denn kleine Brüste sind meist ein Privileg schlanker, sportlicher Frauen, die sich bewusst ernähren. Denn normalerweise – jetzt bitte nicht erschrecken – macht das Fettgewebe die weibliche Brust groß und prächtig. Viel Fettgewebe, so eine weitere Theorie, ist eigentlich nur erforderlich, wenn das Land, in dem du lebst, kalt ist oder wenn der scharfe Seewind die Oberhaut schnell auskühlt. Deswegen hätten die Däninnen und Norwegerinnen so hübsche große Brüste.
Die schöne Büste - durch Gewichtszunahme

Was der Mann bevorzugt? Na ja. Theoretisch sagt „Mann“ ja: je größer, umso lustvoller. Aber wenn eine Frau mit wirklich großen (na klar, meist vergrößerten) Brüsten daherkommt, dann wird der Mann unsicher. Und historisch? Zu Anfang unseres Jahrhunderts galt die volle Frauenbrust noch als Sinnbild der Weiblichkeit, und in Anzeigen wurden Präparate und andere fragwürdige Methoden empfohlen – um „fülligere“ Brüste zu bekommen.

Sind DD-Brüste wirklich so gefragt?

In der galanten Literatur überwog die kleine Brust
In gepflegten Männerfantasien waren es lange Zeit die „kleinen, aber festen Apfelbrüste“, und die primitiven unter den Männern faselte von DD-Brüsten – die kamen dann aber fast immer vom „Onkel Doktor“. Und obwohl das alle sso sein kann, stehen manche Männer eben doch auf athletische, oft sogar ein wenig maskulin wirkende, schlanke Frauen – sie entsprechen am ehesten dem gängigen Gesundheitsideal.

Aber sind kleine Brüste auch sinnlich?

Glücklicherweise wissen wir, worauf Männer „stehen“ oder worüber sie fanatisieren, damit „ihnen einer steht“, und da blüht uns eine Überraschung. Denn obwohl fast 70 Prozent der Männer ihre Lust aus der Fantasie über „große Brüste“ gewinnen, wünschen sich 52 Prozent zur Erfüllung ihrer Träume eher kleiner Brüste. Und, falls du es wissen willst: Gute 18 Prozent der Frauen (ja, aller befragten Frauen) träumen von der erotischen Begegnung mit einer Frau, die große Brüste hat.

Wie viel Brust darf herausgucken?

Fragen wir doch mal, was und wie viel von den Brüsten zu sehen sein darf?

Den klügsten Rat, den wir bekamen, war dieser: Darauf achten, dass die Brüste die Kleidung nicht „aufsperren“, auch nicht beim Vorbeugen oder zur Seite drehen. Das Profil der Brust soll sich nicht abzeichnen, die Brust darf aber erkennbar sein – verstecken musst du sie nicht.

Ob Businesskleidung dekolletiert sein darf oder nicht, ist ein wenig umstritten. Man sagt allgemein: das weiche Gewebe (im Klartext: das Fettgewebe) soll nicht sichtbar sein, also die Stelle, an der sich deine Brust deutlich nach außen wölbt. Mag ja sein, dass es selbstverständlich ist, aber ich sage es trotzdem mal: Der BH sollte sich nicht deutlich unter der Bluse abheben – schon gar nicht farblich.

Und wenn du deine Brüste schön dekoriert vorzeigen willst?

Und was, wenn du eher „das Andere“ erreichen willst, nämlich zwar dezent, aber unausweichlich auf die Schönheit deiner Brüste aufmerksam machen? Dann hast du viele Möglichkeiten, solange deine Brustwarzen nicht sichtbar sind. Dann geht selbst in der Öffentlichkeit fast alles. Mehr dazu bietet dir eigentlich jedes Modemagazin.

Klar bleiben jetzt viele Fragen offen: Welchen BH soll ich tragen, welche Blusen oder Kleider betonten meine Brüste, und wie verführe ich – wenn ich will – mit der Schönheit meiner Brust? Ist es sinnvoll, einem Mann die Brüste nackt zu zeigen oder sollte ich sie lieber etwas verdecken, wenn ich ihn verführen will?

Es gibt noch viele Frage zu beantworten - findet ihr nicht auch?