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Erotische Plots anhand der Problemlösungstheorie

Probleme mit verbotenen Früchten
Erotische Plots mit einer komplizierten Theorie erzeugen? Das klingt so, als sei es unmöglich. Doch ich verrate Ihnen: Es ist ein Kinderspiel.

Lassen Sie mich zunächst erklären, wie ein neutraler Plot aufgebaut ist. Er besteht aus drei simplen Teilen:

(1) Einer Situation. (2) Einer Veränderung. (3) Einem Ergebnis der Veränderung.

Wir können dies auch anhand der Problemtheorie beschreiben:

Der Ausgangssituation mündet in eine Veränderung oder der Wunsch nach einer Veränderung.

Diese Veränderung beinhaltet Schwierigkeiten, die als Probleme beschrieben werden können. Die ist der Schwerpunkt der Handlung. Am Ende ergibt sich eine Lösung.

Man kann es auch so ausdrücken:

Unsere Heldin steht vor einem Problem.
Sie sucht nach Lösungen.
Die Lösung erweist sich am Ende als Erfolg.
(oder eben auch nicht)


Sie werden bald selbst sehen, dass Sie dieses Schema hundertfach verwenden können. Ein Problem ist ja nicht einfach ein Zustand, sondern das Eingeständnis, einen Mangel zu empfinden. Also können wir das Schema modifizieren:

Unsere Heldin leidet an einem Lebensumstand.
Sie strebt danach, ihn zu verändern.
Am Ende erreicht sie die Veränderung.
(oder eben auch nicht)


Sie kann also ein langweiliges, einsames, lustloses, emotionsarmes, liebloses, leidenschaftsfreies Leben führen. Dann wird sie nach Abenteuern, Freundschaft, Sinnlichkeit, Lust, Liebe und Sex streben. Und schon haben wir die Vorlage für einen erotischen Roman.

Dabei können wir dann verschiedenen Vorlagen folgen:

1. Vom Mangel zur Erfüllung (ohne viel eigenes Zutun).
2. Vom Mangel am Vorhandenen zum Straucheln am Erwünschen.
3. Vom Mangel zur scheinbaren Erfüllung, dann die kalte Dusche.
4. Vom Mangel zur Erfüllung, dann ein erneuter Abstieg.
5. Vom Mangel zu einem häufigen Wechsel zwischen Mangel und Erfüllung.
6. Vom Mangel über Selbsterkenntnis zur vollen persönlichen Erfüllung.



Falls Sie sich für die Theorie interessieren

Alle sechs Plots beruhen tatsächlich auch auf Problemlösungsstrategien. Das angebliche Paradox („das sind doch keine Lösungen“ liegt daran, dass solche Strategien unterschiedlich wirken:

1. Einige Probleme lösen sich durch kleine Korrekturen und zufällige Begegnungen. Es scheint, als lösten sie sich „wie von selbst“.
2. Einige angebliche Lösungen sind nur Maßnahmen. Sie können etwas verbessern, verschlimmern oder gar nichts bewirken.
3. Manche Maßnahmen bringen gar keine Lösungen, sondern sie ändern nur etwas – das kann als Lösung angesehen werden oder auch nicht.
4. Falsche Lösungsansätze können die Probleme verschlimmern, statt sie zu lösen.
5. Das Problem wird von anderen manipuliert, die Scheinlösungen aufbauen.
6. Das Problem existierte in der ursprünglich beschriebenen Form gar nicht.
7. Das Problem kann (für den Betroffenen) unlösbar sein.

Was dies für die Literatur bedeutet? Ich gebe Ihnen gerne einige Beispiele. Wenn Sie sich selbst Gedanken machen wollen:
Der junge Mann und die fehlende Lösungen

Fall eins:

Ihr Held ist 28 Jahre alt und ein wirklich brauchbarer Zeitgenosse. Aber - er ist definitiv noch „Jungfrau“, hat also keinerlei penetrativen Geschlechtsverkehr mit einer Frau gehabt. Weisen Sie ihrem Helden den Weg zu einem lustvollen Sexleben.

Fall zwei:

Ihre Heldin ist 32 Jahre alt und sie hat recht viele Begegnungen mit Männern. Meist verbringen diese ein bis zwei Nächte mir ihr, dann verschwinden sie wieder. Sie möchte dies ändern und wünscht sich einen Mann, der weinigstens ein paar Monate bei ihr bleibt. Zeigen Sie Ihrer Heldin einen Weg, um ihr Problem zu lösen.

Was Sie für diese Plots brauchen, ist also jeweils ein Entwurf zur Problemlösung. Sie können gar keinen „chronologischen Handlungsablauf“ einplanen, weil sie noch nicht wissen, wie sich ihre Figur verhalten wird. Ihnen bleibt gar nichts anderes übrig, als Ihre Figur anzustupsen und dann „laufen zu lassen“ – sie zeigt Ihnen den Weg.