Sonntag, 29. August 2010

Die Befürworter der Körperstrafe, die es nach wie vor gibt, lassen in ihren Gebetsmühlen immer den gleichen Spruch durchlaufen: Die Körperstrafe ist die einzige gerechte Strafe, weil mit ihr die Schuld ein für alle Mal getilgt wurde, und sie den Bestraften vermittels der Erinnerung daran hindert, das gleiche Fehlverhalten noch einmal zu zeigen.
Die Diskussion ist für viele Menschen deshalb faszinierend, weil sie so eingängig ist. Sie entspricht zudem der religiösen Auffassung, dass eine Schuld endgültig getilgt werden kann, wenn der Sünder seine Taten aufrichtig bereut.
Doch trifft es wirklich zu, dass es sich bei beiden Formen, also die Beichte und der Körperstrafe, um ein reines Spiel mit Schuld und Sühne handelt, in dem beide Parteien sozusagen die Tilgung auswürfeln?
Auf keinen Fall. Denn Art, Intensität, Dauer und Beschämung in der Körperstrafe beruhen auf der Willkür des Strafenden. Weder das Vergehen noch die Strafen sind in der Regel eindeutig beschrieben – die sogenannte "Definitionsmacht" über beides hat normalerweise ausschließlich der Strafende. Deswegen ist die Sache nachher auch nicht erledigt, jedenfalls nicht für den, der abgestraft wurde. Menschen hassen ihren Peiniger, und vor allem Frauen tun dies. Wenn sie die Chance haben, sich zu rächen, dann werden sie es tun.
Doch was ist mit der Züchtigung aus erotischer Sicht? Ist das folgende Argument dort wirklich vertretbar?
„Indem Du ihr eine anständige Züchtigung verpasst, können Probleme schnell und sauber gelöst werden und das arbeitet für eure Beziehung, die Züchtigung zu verweigern arbeitet dagegen“.
Ebenfalls lautet die Antwort: auf gar keinen Fall. Bei der erotischen Züchtigung szteht nicht im Vordergrund, Verfehlungen gerecht zu bestrafen, sondern die Züchtigung selber lustvoll zu inszenieren. Dabei geht es niemals um Schuld(en)tilgung, sondern um Zinsgewinn: Wer keine Freude daran hat, Hiebe zu bekommen, wird sie niemals wirklich genießen können, und um Freude daran zu haben, muss man sich dabei geliebt fühlen – und nicht bestraft. Gegen diese Auffassung spricht nicht einmal, dass die Hiebe oft als Bestrafung inszeniert werden, denn irgendwie muss man das Schauspiel ja in das Privatleben einbinden.
Ob man dabei mild als „ungezogene Göre“ bestraft wird oder wild als „renitenten Zögling“, ob man die Schläge aufs Höschen bekommt oder auf den nackten Po, und ob eine Frau oder ein Mann schlägt – all dies trägt dazu bei, die Lust zu regulieren – vom Instrument, mit dem geschlagen wird, einmal ganz abgesehen.
In der Erotik sind Hiebe nur schön, wenn sie wirklich Lust erzeugen, und zwar auch im Rahmen sehr gemischter Gefühle. Nacktheit, Unterwerfung, Demütigung, Schmerz, Tränen und Lust müssen einfach eine Lawine der Gefühle lostreten, sonst lohnt es sich gar nicht erst, anzufangen.
Was meint ihr? Hattet ihr solche Erlebnisse? Stimmt ihr zu? Schreib mal der Redaktion, wie du dich gefühlt hast, als man dich schlug – aber bitte auf gar keinen Fall pornografisch. Wir mögen das hier nicht.
Die Redaktion fragt zugleich an, ob ihr mehr zum Thema "Liebe, Hiebe, Beichten und Sühne" lesen wollt. Habt ihr vielleicht auch Interesse an erotischen Beichten, verhören und so etwas? Selber schon mal eine erotische Beichte abgelegt? Sagt es uns - wir haben offene Ohren.
Zitat: Via
BRIGITTE Leserforum von
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