"Generation Porno" – und was man dafür tun kann
Sex ist nicht nur ein spektakuläres Thema unter Erwachsenen, sondern auch unter Jugendlichen. Eine mehr als vorlaute, reißerische und dümmlich agierende Presse will uns seit Jahren vorspiegeln, dass wir eine „Generation Porno“ großziehen würden. Nun sprechen die Fakten zwar dagegen, aber wen interessiert die schon, wenn man mal wieder eine Menge sensationsgeiler Leser an Land ziehen kann?
Die Forderung „dagegen muss man etwas tun?“ wird verdächtig oft erhoben – wenn man einmal geschrien hat „haltet den Dieb“ ist die Arbeit für die Gutmenschen häufig schon erledigt. Der Feind ist schnell ausgemacht: er heißt Internet und das Mittel, dass allenthalben gefordert wird, heißt „Zensur“.
Es geht offenbar nicht in die Köpfe dieser Gutmenschenschaft hinein, dass man nicht „etwas verhindern“ muss, sondern „etwas tun“. Zum Beispiel für die Aufklärung. Verena Hoenig von der Main-Spitze hat Verleger befragt – und bekam Einblick darin, dass zumindest ihnen die Problematik absolut bewusst ist. Dazu sagte Inga Piel (Verlag an der Ruhr):
"Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass Jugendliche angeblich alles über Sex wissen, doch genau wegen dieser Fehlmeinung trauen sie sich häufig nicht, nachzufragen. Das steht im Gegensatz zur postulierten `Generation Porno´.
Genau da beginne die Arbeit der Verlage. Dabei muss man offenbar mehrfach den Spagat wagen: Einmal zwischen den jungen Leserinnen und Lesern, deren Eltern schon mal „nach Luft schnappen“ würden, wenn sie die Sprache betrachten, in der beispielsweise der Mädchenratgeber „Von wegen Licht aus, Augen zu!“ verfasst ist. Zum anderen aber gilt es auch auf die Sensiblen unter den Jungen und Mädchen Rücksicht zu nehmen, den vielfach heißt es heute bereits im Sexualkundeunterricht: „Erklär es mir mal genau, aber nicht so eklig“.
Noch ein weiterer Umstand kommt hinzu: Gewusst ist noch nicht getan. Die Lektorin Malte Ritter von Bloomsbury, die "Liebeserklärungen. Ein Sex-Buch" wusste, worauf es ankommt und sagte der Zeitung:
Wirklich interessant wird es ja trotz Internet erst im `richtigen´ Leben, in der eigenen Erfahrungswelt. Dann stellen sich viele Fragen, und große Unsicherheiten treten auf, wenn es darum geht, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen.
Tatsächlich scheint es genau dieser Prozess im Leben eines Menschen zu sein, der uns nachhaltig Schwierigkeiten verursacht – nicht nur in jungen Jahren. Kein Wunder, dass dabei das „Dr.-Sommer-Team“ von BRAVO nicht arbeitslos wird. Doch was ist mit den Erwachsenen? Auch sie kennen die Unsicherheiten, wenn sie Bedürfnisse verspüren und sich unsicher sind, ob sie diese in die Tat umsetzten sollen – und letztlich geben auch sie nur wenig davon zu.
Bevor Sie vielleicht einmal wieder von der „Generation Porno“ sprechen – denken Sie an ihre eigene Pubertät, an Ihre eigenen Informationsquellen und an Ihre eigenen Unsicherheiten – und wenn Sie einmal in sich gehen sollten, dann hoffe ich, dass Sie sich auch über Ihre Unsicherheiten klar werden, die Sie heute noch haben.








