Wenn im Fasching der Tanga fällt

Mittwoch, 3. Februar 2010
dessous

Dass Fasching etwas schrecklich Ernstes ist, war unserer Redaktion natürlich nicht neu – mag sein, weil unser Chef Norddeutscher ist und ihm deswegen bei „Stimmung Marsch“ und Pappnasigkeit schon mal die Schiffermütze hochgeht.

Da hat nun also im fernen Neuenhof, einem Ortsteil von Attendorn, Landkreis Olpe, Nordrhein-Westfalen (wo sonst?) eine Dame bei einem zuvor bestellten Strip anlässlich einer Faschingsveranstaltung sogar den Tanga ausgezogen. Man denke: Eine Stripperin zieht im Karneval den Tanga aus – das schlägt doch dem Fass die Krone mitten ins Gesicht, und zwar von hinten durch die nackte Brust ins Auge, nicht wahr? Die Chefin der Stripperin (von Kim-Showservice) will denn auch nicht wahrhaben, dass „mit Tanga an“ gebucht war – sondern sagt klar: „Das war so gebucht. Man kann Nummerngirl ohne Strip buchen, dann bleibt der Tanga an, und man kann mit Strip buchen, dann zieht sie sich komplett aus“. Hat da vielleicht eine Tänzerin eigenmächtig den Tanga ausgezogen, sozusagen aus Nächstenliebe? Um “den (alten) Jungs mal etwas Gutes zu tun?“ Tatah, Tatah, Tatah … ein Tusch für das „leckere Mädchen“?

Nix „lecker Mädchen“ – da hat sich inzwischen der Herr Landrat eingeschaltet. Der hatte nun so gar keinen Humor und meinte, das sei „völlig inakzeptabel unter dem Aspekt des Jugendschutzes”. Dabei war es möglicherweise nicht einmal der nackte Unterleib der Tänzerin, denn nun gab man sich ästhetisch, denn „der Auftritt (sei) niveau- und geschmacklos gewesen“ und die „Veranstalter (hätten) die Pflicht …, solche Auftritte seriös zu planen“. Nun, und ein Brauchtumspfleger hat sich auch schon gemeldet: Solche Auftritte lägen „nicht im Interesse des Kreiskarnevals“, und auch nicht „im Interesse des Bundes Deutscher Karneval“ und habe im Übrigen „auch mit Brauchtumspflege nichts zu tun.“

Na also – wir wusste es doch immer – der Karneval ist eine Sache, die so ernst ist, dass man nicht einmal mehr drüber lachen kann – schließlich ist Neuenhof, Ortsteil von Attendorn, Landkreis Olpe, Nordrhein-Westfalen, der Nabel der Welt: Schaut, Menschen, wie verderbt der Karneval dort ist.

Übrigens wissen wir jetzt auch, warum das eine Sache des Jugendschutzes ist: weil die „Schönauer Roten Funken“ danach auftraten (das sind die Damen, die Gardetänze aufführen). Und siehe: die jüngsten roten Funken seine gerade mal 14 Jahre alt – klar, dass man da keine nackte erwachsene Frau sehen darf. Verstehen wir völlig.

Bild: Pariser Cabaret-Girl, 1959er Jahre

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