Skip to content

Wenn Prostitution verboten wäre …

Was wäre eigentlich, wenn Prostitution verboten wäre? Immer wieder wird das „Beispiel Schweden“ von Feministinnen und religiösen Gruppen (eine höchst merkwürdige Allianz, nur nebenbei bemerkt) hervorgehoben. In Schweden werden Freier bestraft, Prostituierte aber nicht. Eines der Rätsel der schwedischen Justiz besteht darin, wie die Polizei Huren die Namen der Freier entlockt (wie es jüngst im Fall eines Prominenten offenbar geschehen ist).

Doch wie ist es, wenn die Prostitution „eigentlich“ verboten ist? Dann entsteht ein Parallelmarkt, in dem alles möglich ist, aber alles anders heißt. Die bezahlte Stunde bei der Gunstgewerblerin (mit Küssen) heißt dann beispielsweise GFE. Das, was die Großmutter noch mit „die Pfanne auslecken“ umschrieb, wird DATY genannt, und die Spezialbehandlung der “inneren Werte des Mannes“ wird in „Sacred Spot Massage“ umbenannt. Die „besseren Damen“, die pro Stunde tausend USD und mehr verlangen, sprechen ohnehin nur schlicht von „Appointments“ (zu Deutsch etwa „Termine“). Es ist ja nirgendwo verboten, sich zu verabreden, nicht wahr?

Wie auch in Schweden wurde der Markt der Straßenhuren fast überall ausgetrocknet oder kriminalisiert, wo Prostitution oder „Sexkauf“ verboten ist. Das moderne Marketingmittel der Huren ist die eigene Webseite, das Blog und mehr und mehr die Teilnahme an mehreren sozialen Netzwerken. Das war eigentlich zu erwarten: Die Huren folgen, mehr als alle anderen Menschen, den Trends anonymer Kontaktaufnahme – und im Internet ist dies am leichtesten zu bewältigen. Noch weitgehend unbekannt ist freilich, wie viel Huren sich inzwischen in Casual Datíng Seiten eingeschlichen haben – zumindest in den „untersten Schubladen“ der Branche, die barrierefrei zugänglich sind, soll verdeckte oder offene Prostitution inzwischen eher die Regel als die Ausnahme geworden sein.

Eine kurze Recherche ergab dieses Schaubild (nach Daten des „Wired-Magazins“) sowie folgende Angaben bloggender Huren:

Eine Luxushure aus Los Angeles zum Beispiel ist auf Twitter, MySpace und Facebook (2 Stunden 2.500 USD, „Termine“), eine eher gewöhnliche Hure (Stunde 200 USD, „Massagen“) aus St. Louis ist be iMySpace, Facebook and AdultSpace. Es wird immer üblicher für Huren aller Art, ihre Dienste auf diese Weise anzupreisen, und zwar sowohl diejenigen der 100-USD-Kategorie wie auch derjenigen, die nur gegen „25 Prozent Vorauszahlung“ die mindestens für zwei Stunden gebucht werden können. (1)

Wenn Prostitution verboten wäre … dann würden sich die Damen Nischen suchen, um an das Geld jener Männer zu kommen, die für erotische Genüsse bezahlen möchten. Denn wer bezahlen will, hat erstens Geld und zweitens einen Grund, sich Lust zu kaufen, statt sie sich zu erschleichen oder zu erbetteln. Man mag darüber geteilter Meinung sein, was moralischer ist, solange man noch abwägen kann – aber nur Ideologen werden ernsthaft fordern, die Prostitution abzuschaffen.

(1) Die Quelle der Angaben wird aus Datenschutzgründen nicht preisgegeben.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen