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Die Theorie - wie entwickelt ein Autor die Gefühle seiner Figuren?

Wahrscheinlich haben Sie noch nie etwas von Kybernetik gehört. Sehen Sie, und da sind sie in bester Gesellschaft mit den meisten Menschen, die über Literatur schreiben. Ohnehin verachten Geisteswissenschaftler aller Couleur diese Wissenschaft. Aber sie kann Ihnen völlig neue Wege zeigen, und etwas, was Sie daraus vielleicht kennen, ist die Rückkoppelung, das „Feedback“.Das hat nun nichts mit quietschenden Lausprechern zu tun sonder mit einem Effekt, den ich kurz und einfach beschreiben will:

Wenn ein Mensch etwas zu bewegen versucht, dann bewirkt er möglicherweise wirklich etwas. Das, was er da tut, hat aber auch eine Rückwirkung auf ihn selbst. Manchmal weiß er davon, oftmals aber auch nicht.

Der Autor entwickelt die Figur und ihre Gefühle

Das klingt sehr theoretisch. Nehmen wir also den Schriftsteller, um den es ja hier geht. Er erfindet also seine Figur und stattet sie grob mit Eigenschaften aus, dann schreibt er und lässt sie damit in die Welt hinaus. Doch die Figur kann nicht denken, fühlen und handeln, wie er es selbst tun würde. Erst, wenn sie eigenständige Wege geht, wird sie zur Romanfigur. Sie denkt weiter, handelt differenzierter und entwickelt viel intensivere Empfindungen, als sie der Autor in seinem Alltag vorfindet. Nun muss der Autor aber mit dieser Figur weiterarbeiten und deshalb die Rückkoppelung aufnehmen, die ihm seine Figur vorgibt. Das heißt, die Figur geht über das hinaus, was der Autor zu Anfang mit ihr plante. Dieser Prozess kann sich lange hinziehen. Am Ende kann die Figur wesentlich intensivere Gefühle durchleben, als der Autor, der sie geschaffen hat.

Gedanken in Sprache verwandeln und zurück

Das ist im Grunde alles. Es passiert stündlich, täglich und überall. Ich gebe zu, in diesem Artikel alles extrem vereinfacht zu haben. In Wahrheit bedeutet „Schreiben“ immer, Gedanken in Sprache zu verwandeln und sich von den geschriebenen Texten erneut inspirieren zu lassen. Man nannte diesen Wandel früher einmal Analog-digital-Umsetzung. Obwohl der Begriff heute nicht mehr verwendet wird, bleibt die Tatsache bestehen. Wer schreibt, muss „unfrisierte“ Gedanken in ordentliche Sprache überführen. Doch das Geschriebene hat für den Autor eine unmittelbare Rückwirkung auf die Gedanken, die noch „unordentlich“ in seinem Gehirn herumwandern.

Wenn ich schon soweit gekommen bin: Das funktioniert auch umgekehrt. Der Leser kennt trotz aller Bemühungen nur die Worte, aber er setzt sie in Gedanken um, mit denen er spielen kann. Zwar hat er keinen Einfluss auf den Fortgang der Geschichte, aber er kann sehr unterschiedliche Vorstellungen, Erwartungen und Hoffnungen an das nächst Kapitel oder das Ende der Gesichte haben. Er kommuniziert also mit sich selbst über die Figuren und die Handlung.

Waren Sie zufrieden? Dann sagen Sie weiter, wo sie es gelesen haben. Oder Sind Sie unzufrieden? Dann sagen Sie es der Redaktion.

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