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Gefühle beschreiben – Praxis, Beispiele und am Ende auch Theorie

Haben Sie sich je gefragt, wie Sie Gefühle an Ihre Leserinnen oder Ihre Leser heranbringen wollen?

Ja, das haben Sie. Wer jemals Gefühle vermitteln wollte, hat es schon getan.

Nun weiß ich nicht, ob Sie dabei jemals an die Theorie gedacht haben, wie Sie solche Gefühle „rüberbringen“, also in die Hirne Ihrer Leser(innen) transportieren können.

Eigentlich ist alles sehr einfach - Gefühle bildhaft darstellen

An Vorschlägen mangelt es nicht, doch ist es für angehende Autoren schwierig, halbwegs vernünftige Verfahren zu finden – und noch schwerer ist es zweifellos, sie auch umzusetzen. Dabei ist die Grundlage einfach:

Verwenden Sie eine bildhafte Sprache.

Im theoretischen Teil dieses Artikels sage ich Ihnen, warum. Aber auch ohne Theorie lässt sich klar erkennen, warum eine „bildhafte“ Sprache sich erfolgreicher verwenden lässt, um Gefühle zu transportieren. Im Englischen gibt es den Begriff „Show, don’t tell“, der etwa das Gleiche ausdrückt. Wörtlich: „Zeigen Sie Gefühle auf, erzählen Sie nicht davon“.

1. Wir wollen, dass unsere Leserschaft die Gefühle „nachvollziehen“ kann, soweit dies in unserer Macht liegt.
2. Wenn wir mit Worten ein Bild unserer Gefühle malen, haben wird die Chance, dass sich der Leser an eigene, ähnliche Bilder erinnert und weiß, was wir sagen wollten.
3. Tun wir es nicht, hängt unser Leser an den Worten und muss sie interpretieren – das ist sehr mühsam und fühlt oft zu Missverständnissen.

Die Entwicklung von Figuren - emotional

Deshalb ist immer eine gute Idee, sich in die eigenen Figuren hineinzuversetzen und zu schauen, welch eigenen Gefühle sich mit der Handlung verbinden lassen. Dann erweitern und verändern wir die Gefühlswelt unserer Figuren. Sie werden später noch erfahren, warum Sie als Autorin nicht nur die Figuren gefühlsmäßig prägen, sondern warum die Figuren die Kraft haben, sich selbst emotional zu entwickeln.

Nicht bildhaft zu schreiben behindert die Gefühlswelt

Wenn Sie nicht bildhaft schreiben, dann unterstellen Sie, dass die Begriffe, die Sie verwenden, von Ihnen und Ihrem Leser absolut gleich verstanden werden. Ich kann Ihnen aus der Sicht der Informationstheorie sagen: Das ist sehr selten der Fall. Der sogenannte „absolut identische Zeichenvorrat“ ist äußerst begrenzt. Er bezieht sich auf Grundlagen wie beispielsweise Farben (Rot, Grün) oder einfache Naturphänomene (Regen, Schnee) sowie lebenswichtige Gegenstände und Handlungen.

Ein kleines Beispiel, warum Gefühle in der Sprache versanden

Schon, wenn wir die Sprache ein paar Jahre zurückdrehen, finden Sie Sätze, deren Inhalt sich aus den Worten nicht völlig erschließt:

Sie war im hold und schenkte ihm ihre Gunst.


Übersetzen wir mal: Hold heißt zugeneigt sein, und die Gunst schenken heißt etwas Gutes für jemanden tun. Beide Wörter beinhalten intensive Gefühle - mehr als „hold sein“ kann eine Frau einem Mann kaum. Und wenn sie ihm dann noch ihre „Gunst schenkt“, dann dürfte eigentlich klar sein, dass sie sich im sexuell „hingibt“, wie man früher sagte.

Für den Menschen der Gegenwart enthält der Satz hingegen gar keine Gefühle - es sei denn, er würde sich intensiv mit der deutschen Sprache beschäftigen.

Häufig: Verwechseln von Gefühlen und Eigenschaften

Ein weiteres Problem bei „Klartexten“ besteht darin, „Gefühle“ und „Eigenschaften“ zu verwechseln. Ich habe ganze Listen im Internet gefunden, mit denen Sie „Gefühle beschreiben“ können, und musste feststellen: Es handelt sich überwiegend um Eigenschaften.

Doch wie geht es nun wirklich mit den Gefühlen?

Sie können:

1. Die Situation bildlich beschreiben, also beispielsweise mit den Augen ihrer Figur sehen, was sie sieht und dabei fühlt.
2. Bildhafte Vergleiche verwenden, etwa: „Die sinnlichen Gedanken durchzuckten sein Hirn wie wilde Hummeln.“
3. Eine Körperreaktion zum Aufhänger machen: „Das Blut schoss ihm in die Wangen, als er sah …“.
4. Die Gefühle aus unterschiedlichen Wahrnehmungen heraus zu beschreiben.
5. Den Zwiespalt der Gefühle zum Thema machen.
6. Gefühle in Dialoge (innere wie tatsächliche) zu verpacken.
7. Gefühle abstrahieren, also etwas vergleichsweise beschreiben, was in dieser Art gar nicht stattfindet, etwa wenn ein wilder Eber die verschlossenen Türen des Körpers (auch des Gehirns) durchbricht.

Es gibt also Möglichkeiten in Hülle und Fülle.

Bespiele einfacher Art

Da ich auf die Theorie erst im zweiten Teil eingehen will - und Theorien ohnehin ungern gelesen werden – lassen Sie mich drei Sätze vorgeben, in denen Gefühle angedeutet werden. Um Gefühle ausführlich darzustellen, würden wir mehr Raum und Zeit benötigen - das gibt ein Blog nicht her.

Das Beispiel mit einem Pseudo-Gefühl („sehr erregt“):

Die Schilderung beginnt mit „Die Tür wurde geöffnet“

Ich sah eine Frau in Slip und BH, die einen vorne offenen Morgenmantel trug. Ich fühlte mich sehr erregt von ihrem Anblick.


Nach (1)

Die Frau, die mir öffnete, verwirrte mich durch ihre sinnliche Kleidung: ein schwarzer BH, ein schmales Tangahöschen, dazu ein weit offener roter Morgenmantel. Mein Blick begann sofort zu wandern: von den lustvollen Rundungen ihrer Brüste über den Bauchnabel in den Schritt, der mir kaum verborgen bleiben konnte. Mir schien, als stünde mein Mund weit
offen vor Staunen, aber in Wahrheit waren meine Lippen verschlossene, und ich brachte kein einziges Wort heraus.

Nach (3)

Das Blut schoss mir bereits in die Wangen, als ich sie nur sah: Der halb offene Morgenmantel, unter dem sie einen aufreizend BH und ein sehr knappes Höschen trug, raubten mir die Sprache. Ich musste auf diese Frau wirken wie einen Schüler, der zum ersten Mal eine halb entkleidete Mitschülerin im Umkleideraum der Turnhalle sieht. Derselbe trockene Hals wie damals, die gleiche Hilflosigkeit.


Nach (5)

Ich war zuerst verblüfft, dann schamvoll berührt und schließlich sinnlich erregt, als ich sie in der Türfüllung stehen sah. Der offene Morgenrock und der aufreizende BH, den sie darunter trug, erinnerten mich unangenehm an die ersten Huren, die ich traf: optisch verlockend und doch nur darauf aus, dass alles schnell vorbei war. Und doch kroch die Lust durch meinen Leib, während mein Hirn für einige Sekunden die Sprache raubte.


Diese Schilderung könnte enden mit:

Ich musste nichts sprechen. Die Dame, die geöffnet hatte, erlöste mich von meiner Starre, indem sie lächeln sagte: „Ich denke, wir unterhalten uns besser drinnen, nicht wahr?“


Selbstverständlich lässt sich alles noch wesentlich eleganter ausdrücken – hier wird ja nur das erste, spontane Gefühl wiedergegeben.

Ich hoffe, Sie konnten die Beispiele für Ihre Arbeit verwenden.

Eine Mini-Fazit vor der Theorie

Verwenden Sie stets eine bildhafte Sprache, wenn Sie Gefühle schildern. Sie haben dann mehr Chancen, dass sich irgendein Leser (oder meist wohl eine Leserin) sich ein Bild von dem Bild machen kann, dass sie erdacht haben.

Demnächst: Die Theorie über "Gefühle und (erotisch) Schreiben".

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