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Der erotische Roman – Lebensabschnitte in Lust und Leidenschaft

Erotisches Potenzial - wie hat sie es entdeckt? Und wie nutzt sie es?
Wenn Sie zu den braven, unreflektierten Menschen gehören, die Lexika trauen, dann können Sie alles nachlesen – und glauben. Sie werden erfahren, dass ein „Entwicklungsroman“ sich dadurch auszeichnet, die „geistig-seelische Entwicklung“ Ihrer Heldin und die „Auseinandersetzung mit sich selbst“ beinhaltet. Das sind dann die inneren Konflikte wie auch die Stellung inmitten des sozialen Gefüges und die Schwierigkeiten, die daraus entstehen. Den braven Autoren wird sofort klar: „Da muss ich schreiben, wie Julchen trotz mancher Verwerfungen zu einem wertvollen Mitglied der menschlichen Gesellschaft wurde.“ Der eher differenzierenden Autorin wird eher nahegelegt, die Anfeindungen und Freundschaften, die Zweifel und Stärken darzulegen und die Reife auf diese Weise zu schildern.

Gut, das können Sie auch in einem Satz sagen:

Wie wurde Ihre Heldin trotz oder wegen der Verhältnisse zu dem, was sie heute ist.


Die Persönlichkeit ist mehr als „Seele und Geist“

Merkwürdigerweise fragt kaum jemand: „Wann, wie und wo erlernte sie ihre sinnlichen Neigungen?“ Warum entwickelte sie sich zur „Schlampe“ oder zum „Mauerblümchen“? Oder auch: Warum prostituiert sich eine Frau im wörtlichen oder übertragenen Sinn? Und schließlich: Wie nutzt, ignoriert oder verschwendet Ihre Heldin das erotische Potenzial, das sie sich erworben hat?

Der Nutzen erotischen Potenzials

Sie werden nun sicherlich ein wenig stutzen. Erotische, sinnliche und sexuelle Fähigkeiten sind völlig zu Unrecht verpönt. Ihre gezielte, zufällige oder verschwenderische Verwendung hat etwas „Degoutantes“, und zumeist verzichten gerade weibliche Autoren darauf, den „Wechselkurs“ dieser erotischen Künste zu würdigen. Und doch zählt das „erotische Kapital“ neben dem geistigen, emotionalen dun sozialen Kapital zu den wichtigsten Fähigkeiten, um das eigene Leben zu gestalten und die Persönlichkeit zu entwickeln.

Gute Literatur – auch mit ekstatischem Sex

Wenn Sie anstreben, wirklich gute Literatur zu schreiben, dann versuchen Sie bitte, die Entwicklung sozialer, emotionaler und erotischer Fähigkeiten als „Gesamtkunstwerk“ zu betrachten. Soziale Kontakte sind die Voraussetzung, um Emotionen gegenüber anderen auszudrücken, und Emotionen gegenüber anderen sind die Voraussetzung, sich erotische Fähigkeiten anzueignen oder sie wiederzuverwenden. Das ist eigentlich normal, wird aber selten so gesehen. Und Sie werden schnell zu der Überzeugung kommen: Eine „geistig-seelische Entwicklung“ ist eine Floskel aus dem Wissenschaftsbetrieb, die für Sie überhaupt keine Bedeutung hat.

Sozial, emotional, erotisch – drei Wege zur Entwicklung der Story

Gehen Sie lieber so vor:

Entweder sie stellen die sexuellen Lüste in den Vordergrund und schreiben, wie sie sich auf die Emotionen und sozialen Kontakte auswirken.

Oder

Sie stellen die Emotionen in den Vordergrund und schreiben, wie sich auf die sozialen Kontakte und die sexuellen Lüste auswirken.

Oder

Sie stellen die sozialen Kontakte in den Vordergrund und schreiben, wie sich diese auf die Emotion und die sexuellen Lüste auswirken.

Alle drei Methoden erzeugen unterschiedliche Empfindungen. Verwenden Sie Methode eins, so kann die Betonung der Lüste zu einem sinnlichen Leben oder zu einer emotionalen Katastrophe führen. In jedem Fall hat ein lustbetontes Leben erhebliche Auswirkungen auf die sozialen Kontakte. Beide Vorstellungen sind realistisch und „im richtigen Leben“ vielfach erprobt.

Wenn Sie nach dem Beispiel zwei die Emotionen in den Vordergrund stellen, sollten Sie in der Lage sein, Gefühle detailliert beschreiben zu können. Denken Sie daran: Die sozialen Kontakte ergeben sich dann nicht aus dem bekannten Umfeld, sondern entstehen meist aus dem Wunsch, die Emotionen umzusetzen.

Die dritte Methode wird häufig angewendet. Zumeist sind die sozialen Kontakte in der Ausgangssituation nicht optimal (Cinderella-Ansatz) und Ihre Heldin versucht, über neue soziale Kontakte ein aufregendes Leben zu gewinnen, das dann wieder die Emotionen anheizt und die Lust fördert.

Plots zur Entwicklung eines Lebens mit Lust und Sex

Die Plots sind im Grunde genommen ähnlich. Ihre Figur hatte bisher gar keinen Geschlechtsverkehr oder war damit höchst unglücklich. Durch einen Umstand, den sie frei erfinden können, wird sie in die Lage versetzt, aufregende soziale oder emotionale Erlebnisse zu haben, die ihr Sexualleben komplett verändern. Ihre Heldin muss dabei keinesfalls eindeutige Gefühle entwickeln. Sie kann beispielsweise zugleich fasziniert und abgestoßen sein von jenen, denen sie begegnet oder von den Gefühlen, die plötzlich auf sie einströmen. Eine Methode, die recht häufig verwendet wird, ist die sexuelle Entfesselung einer an sich braven und unerfahrenen Person. Dabei ist noch völlig unklar, und es ist absolut unsicher, wie sich ihre Sexualität entwickeln wird. Wie auf dem Jahrmarkt bekommt sie schreierische Angebote von Frauen und Männern, Paaren und Gruppen, die alle sagen, sie möge ihnen doch folgen. Wohin sich Ihre Heldin schließlich entwickelt, weiß sie selbst noch nicht – und Sie, die Autorin, wissen es jetzt möglicherweise auch noch nicht. Hören Sie in Ihre Figuren hinein und folgen sie deren Faszination. Sie werden ihnen die Stichworte liefern, wie Ihre Geschichte ausgehen wird.

Ihre Heldin geht ihren Weg fast von selbst

Die Dynamik eines erotischen Entwicklungsromans entsteht daraus, dass Sie Ihrer Heldin Wahlmöglichkeiten einräumen. Sie kann Verführen oder verführt werden, herrschen oder dienen, sich mit einem Einzelmenschen oder mit einer Gruppe vergnügen, mit der reinen Kraft der Emotionen Macht gewinnen oder sich körperlich hinzugeben, um Einfluss zu erwerben. Und jedes Mal hat sie erneut die Wahl … bis sie schließlich in vollem Bewusstsein ihrer Möglichkeiten den Weg wählt, den sie im Laufe der Erzählung als „ihren Weg“ gefunden hat. Und all dies kann in wenigen Monaten stattfinden oder in vielen Jahren. In jedem Fall reicht der Stoff für einen schmalen Band oder für einen dicken Wälzer, denn Ihre Heldin wird neben der Erotik auch noch andere Fähigkeiten erproben und sicherlich nicht immer damit brillieren. Lassen Sie Rückschläge und Zweifel zu – ihre Figuren werden sie wahrscheinlich ohnehin fast „wie von selbst“ entwickeln.

Das sollten Sie mitbringen:

Schreib-Erfahrung: Möglichst viel - rechnen Sie mit mehreren Monaten Schreibarbeit.
Form: Überwiegend als Novelle oder Roman, teils gar mit mehreren Bänden.
Recherche, Kenntnisse: Einfühlungsvermögen, Fantasie, ein Gefühl für mögliche Wandlungen durch äußere Einflüsse.
Mentale Einstellung: Sorgfalt, Geduld.
Erotischer Lustfaktor: Moderat, Schwergewicht liegt auf den Gefühlen und ihrer Verbreitung.
Leser(innen)kreis: Frauen in mittleren Jahren.


Dieser Artikel wurde stark überarbeitet, bevor er in "Sinn und Sinnlichkeit" wanderte. Ursprünglich erschien er in einer Serie für erotische Autorinnen als "Nummer 48".

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