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Sex und Autorinnen: das Problem, etwas Gewöhnliches zu schreiben

Bei Farben haben wir eine genaue Vorstellung, und sie zu beschreiben, ist nicht schwierig. Hingegen finden wir für erotische oder sexuelle Empfindungen oft gar keine Worte. Wir neigen dazu, diese Gefühle zu vereinfachen und sie qualitativ einzuordnen. Dieses Gefühl ist „schön“, jenes ist „eklig“. Für einen Schriftsteller ist diese Vorgehensweise unerträglich – oder sie sollte es wenigstens sein.

(Aus meinen Gedanken zur Kommunikation)

Ganz gewöhnlich - Knöpfe werden geöffnet ... udn was fühlst Du?
Die Doppelbedeutung ist mir wohl bewusst: Das Gewöhnliche kann das sein, was im Volksmund als „ordinär“ bezeichnet wird. Es kann aber auch das sein, was Menschen täglich tun: Vögeln und gevögelt werden.

Die eigene Erfahrung und das Gewöhnliche

Sie wissen sicher aus eigener Anschauung, wie schwierig es ist, das „Gewöhnliche“ zu beschreiben. Zumal, wenn da nicht einfach „das Ding ins Ding“ kommen soll, sondern Gedanken glühen und Emotionen aufkochen sollen – und nicht zuletzt die Körper zum Aufbäumen gebracht werden sollen.

Ich habe damals (als wir das Thema ziemlich and Ende gestellt hatten) selber zur Feder gegriffen und Ihnen etwas verraten, selbst wenn Sie es schon wussten.

Nichts ist so schwierig zu beschreiben wie das „Gewöhnliche“.

Ab hier haben wir den Wortwechsler-Schreibdienst genutzt, um den Artikel ein wenig anzupassen.

Peinlichkeiten kommen häufiger vor als tolle Orgasmen

Sehen Sie: Es kommt nicht im Geringsten darauf an, wie man, frau oder Sie selbst technisch und praktisch „vögeln“ oder „gevögelt werden“. Tatsächlich gehen dem Geschlechtsakt einige Handlungen und vor allem Gefühle voraus. Von Ängsten und Peinlichkeiten über die Gänsehaut bei Berührungen und die Scheidenfeuchtigkeit bis hin zu einem Karussell der Gedanken. Sehen Sie, alles, was zuvor passiert und alles, was während des Geschlechtsakts empfunden wird – das ist interessant. Hingegen interessieren die Hubbewegungen des Penis so wenig wie diejenigen einer Fahrradpumpe. Gut, da wäre noch der „Höhepunkt“. Orgasmen bei Männern sind stets kurz und kommen explosionsartig. Die Hingabe an tolle Orgasmen ist hingegen den Frauen vorbehalten. Falls Sie sich darin auskennen und sozusagen „mit den Augen einer Fremden“ ansehen können, während Sie ihre Gefühle genießen, sind Sie immer im Vorteil.

Zumeist sind die Vorbereitungen für den eigentlichen Geschlechtsakt alles andere als perfekt, zumal, wenn beide eher zufällig „ineinanderfallen“ oder es ein „erstes Mal“ für eine der Beteiligten ist. Normalerweise tauchen dabei „Peinlichkiten“ auf. Von der falschen Unterwäsche bis zur Angst, der Partner könnte herausbekommen, dass frau/man nicht so erfahren ist, wie sie/er vorgibt. Und wenn Sie Ihr persönliches Leben durchdenken, dann fallen Ihnen sicher noch einige Peinlichkeiten ein.

Mut zur Peinlichkeit – bloß keine Perfektion

Deswegen gebe ich Ihnen einen Rat: Haben Sie Mut zur Peinlichkeit. Wenn Sie Ihre Heldin den Reißverschluss der Hose eines Mannes öffnen lassen, und „sein Speer“ dann herausbolzt, steif und aufrecht wie ein Königspinguin, dann – lassen sie es mal besser mit dem erotischen Schreiben. Penisse liegen selten direkt hinter Reißverschlüssen, und selbst falls sie bereits ein wenig steif sein sollten, müssen sie doch erst einmal aus den Boxershorts herausgelockt und zumeist noch etwas „nachbehandelt“ werden. Das alles gehört – normalerweise – zum „ganz gewöhnlichen Sex“. Ebenso hat der Tanga nicht immer schon „eine riesige feuchte Stelle“, wenn die ersten Zungenküsse ausgetauscht wurden – ja, möglicherweise bleibt die Feuchtigkeit der Vagina weit hinter der situativen Geilheit zurück.

Sex läuft in erster Linie im Hirn ab

All das gehört zu dem, was „normalerweise“ passieren kann. Sex ist ein Prozess, der im Kopf beginnt, und erst dann den Körper erfasst – und nicht immer arbeiten Kopf und Körper synchron. Hinzu kommt: Was im Kopf vor sich geht, ist schwer zu beschreiben, und das, was im Körper vorgeht, ist mit Scham besetzt. Oftmals haben Männer noch nie eine Klitoris gesehen und Frauen noch nie eine Vorhaut über eine Eichel geschoben. Die Anatomie des eigenen Geschlechts ist oft so unbekannt wie die des anderen Geschlechts, geschweige denn von den Prozessen, die zwischen dem Gehirn, dem ausführenden Körper und den Nervenbahnen ständig stattfinden. Wenn das alle so ist, was soll man dann beschreiben?

Sie haben richtig geraten: Dann kann man nur beschreiben, wie sich das „Ding in das Ding“ versenkt, solange bis einer von beiden jauchzt und stöhnt. Ich denke, das sollte nicht genug sein. SIE können mehr.

Anal, SM und Ähnliches: Wem nichts einfällt, schreibt harte Sachen

Mag sein, dass manche unserer Autorinnen so gerne Themen wie nackt sein, Analverkehr und neuerdings SM aufgreifen, weil es da ein bisschen Lametta gibt, das man um das Nichtwissen herumlegen kann. Ein Dutzend Schläge mit dem Rohrstock kann man gegebenenfalls in zwölf Varianten beschreiben, während dies bei zwölf Hubbewegungen des Beckens schwerfällt.

Ich empfehle allerdings, bei Themen wie Sinnlichkeit, Erotik und Sex vor allem einmal das Organ zu beteiligen, das bei der Lust die Funktion des Steuermanns einnimmt: das Gehirn. In ihm wird die Lust erzeugt, werden die Ergebnisse von Berührungen aller Art verarbeitet und die Lust wie auch der Ekel plastisch und vielfarbig erzeugt. Und genau dies lässt sich durchaus beschreiben.

Intimes von Ihnen selbst verarbeiten

Die Autorin Elizabeth Benedict sagt dazu, eine Sexszene müsse nicht von gutem Sex handeln, und wir fügen mal hinzu: und nicht von perfekten Körpern. Denken Sie dabei auch an das erste Mal, als sie einen Penis erfühlt haben, ihn aus den Pants befreiten und – wahrscheinlich enttäuscht waren. So etwas würde der in Sie hineinstecken? Oder würde er gar verlangen, dass Sie es erst einmal steif lutschen sollten?

Sehen sie – das ist genau das, was ihre Figur denken wird. Peinlich, nicht wahr? Aber das ist ja das Interessante daran.

Das sollten Sie mitbringen:

Schreib-Erfahrung: Wenig - lernen Sie beim Schreiben.
Form: Von der Short-Story bis zur Novelle.
Recherche, Kenntnisse: Einfühlungsvermögen und Beobachtungsgabe.
Mentale Einstellung: Lust an erotischem Schrifttum..
Erotischer Lustfaktor: Kann sehr lustvoll.
Leser(innen)kreis: Alle Hetero-Frauen.

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