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Partnertausch – ich nehme deinen, du nimmst meinen …

Partnertausch - Spaß, Ehebruch oder Langeweile?
Als die Großmama noch den Großpapa abstaubte, war die Sache einfach: Großmama hatte bestenfalls einmal zuvor an einem Penis genascht – wenn überhaupt jemals, und Großpapa machte die Sache so, wie er sie im Bordell erlernt hatte. Oder bei einer Arbeitertochter, wenn er „was Besseres“ war. Oder bei sonst einer Frau, die nicht so kleinlich war, wenn’s um das Anlernen von Männern ging.

Wie Opa und Oma auf den "mitwirkenden Ehebruch" kamen

Und wenn Oma und Opa dann ein paar Jahre verheiratet waren, und Oma nicht heimlich einen Herrn besuchte, der es ihr „richtig schön“ machte, und Opa sich nun scheute, erneut in den Puff zu gehen, dann lasen beide vielleicht mal eine Illustrierte, in der von „Partnertausch“ die Rede war.

In den 1970er Jahren war Partnertausch ein Phänomen – man nannte ihn auch „mitwirkenden Ehebruch.“ Waren die entsprechenden Gesuche verschleiert, so war der Standardsatz: „Ehepaar sucht gleichgesinntes“. Mussten sie nicht verschleiert werden, dann hieß es beispielsweise:

Topgeiles Unternehmerpaar, attraktiv, 30/40, mit Niveau. Chic, Charme und Diskretion, lädt superscharfe Paare und heiße, exhibitionistische Ladies in exklusives Jagdhaus ….


Gelegentlich wurden die Praktiken mit angegeben (1):

Sympathie vorausgesetzt, möchte kultiviertes, gutaussehendes Ehepaar (sie etwas bi) für stimulierende, hemmungslos-geile, jedoch anspruchsvolle Stunden zu viert (GS/69/PT, keine MS/NS) (Ehe-) Paare(e) … kennenlernen.


Oder auch auf „Schön“:

Junges Paar, schlank und gutaussehend, sucht für romantische Abend und Wochenenden attraktives Paar …


Partnertausch ... eher selten, weil man sich über Anzeigen verabredete

Falls beide (was wirklich selten vorkam) dann „Blut geleckt“ hatten, suchten sie sich ein Pärchen, bei dem der Mann möglichst kein Puffgänger war und die Ehefrau keine Einwände hatte. Und wenn sie viel Glück hatten, dann trafen sie sich irgendwann mal zum Partnertausch. Man war „auf Pille“, und AIDS war noch kein Thema, über das man sprach.

Lustvoll war anders - Frust und Eifersucht waren Themen

Reden wir mal von „damals“. Nach Untersuchungen aus den USA von 1974 hatten die Männer das meiste Vergnügen am Partnertausch, die Frauen hingegen deutlich weniger. Sie waren es auch zumeist, die den Anlass für den Abbruch des „Swinging“ gegeben hatten. Die häufigsten Motive: Eifersucht und Schuldgefühle, aber (man staune) auch Lageweile.

Das Paradoxe daran: Genau diese drei Hauptgründe sollten (nach damaliger Auffassung) für den Partnertausch stehen: raus aus den Langeweile und weder Schuldgefühle noch Eifersucht beim Geschlechtsverkehr mit dem außerehelichen Partner.

Tatsächlich kann man die Argumente auch heute noch hören. Eifersucht, die häufig erst nach dem Partnertausch ausbricht, und Schuldgefühle, die regelmäßig erst hinterher auftauchen. Dazu Frust über die Erfahrung, die keinesfalls so glorios ausfiel, wie man sich dies gedacht hatte. Dazu gehörten auch trostlose Szenen, in denen die zuvor übererdet Frau plötzlich unter Tränen abbricht oder der Ehemann seien Potenz nicht unter Beweis stellen kann. Und nach wie vor kommt es nach dem Partnertausch zu Scheidungen und Trennungen.

Die lange Suche nach dem Positiven - und heute?

Das Positive? Wer es sucht, muss lange forschen. Bestenfalls kann man sagen, dass Paare außerhalb der notorischen Swinger-Szenerie die Erfahrungen als „lehrreich“ empfanden. Innerhalb der Szenerie allerdings wurden (und werden) nach Eigenangaben mit Partnertausch und Swinging häufig faszinierende Erfahrungen gemacht.

Der zweite Teil: Wie stehen die Paare heute zum Partnertausch?

(Demnächst auf "Sinn und Sinnlichkeit")

(1) Zu den Abkürzungen:

PT – Partnertausch
69 – zugleich Fellatio und Cunnilingus.
GS – Gruppensex.
NS – Natursekt
MS – möglicherweise maso, auch Master/Slave möglich.

Quelle der Anzeigen: "nur ernstegmeinte Zuschriften erbeten" , Düsseldorf 1982.


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