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Die echten Ruten und die freche Weihnachtsmarktbekanntschaft

Geschrieben von Ubomi Ulobi • Montag, 5. Dezember 2011 • Kategorie: casual dating - short story
„Gibt es eigentlich noch echte Ruten?“ Kathrin sah mich mit ihren großen Unschuldsaugen fragend an. „Echte Ruten?“, erwiderte ich, „du meinst nicht etwa Angelruten?“ Ich muss gestehen, dass ich Kathrin erst kürzlich auf dem Weihnachtsmarkt kennenlernt hatte, gleich am ersten Tag. Ein paar lockere Sprüche, ein paar Gläser Glühwein, dann folgte eine wilde und überaus klebrige Nacht. Seither war sie geblieben, und ich habe nicht gefragt, warum. Immerhin lohnte es sich für mich: Sie dekorierte die Wohnung adventlich ein, kaufte guten französischen Champagner und feierte mit mir Abend für Abend das sinnliche Fest der Lust auf eine Weise, die ich noch nie erlebt hatte. „Kleien Wildkatze“ dachte ich, „hat Freude daran, die Krallen zu gebrauchen“.

Auf meine Antwort zur „Rutenfrage“ hin lächelte Kathrin verhalten, küsste mich sanft auf die Wange und sagte leise: „Nein, richtige Ruten, mit denen man die Bediensteten schlägt“. Nun grinste ich: „Du meinst diese Ruten, die wir noch aus unserer Kindheit kennen? Nikolausruten mit Zuckerzeug dran?“ Kathrin bekam einen merkwürdig sanften Gesichtsausdruck, wie eine Ärztin in der Psychiatrie, wenn sie dir erklären will, dass du besser noch ein paar Tage in der Klinik bleiben solltest. Doch dann hauchte Sie: „Nein, mein Süßer – richtige Haselnussruten oder vielleicht Birkenruten, mit denen man auf einen Hintern einen Sternenhimmel zaubern kann“. Ich hätte gleich richtig schalten sollen und zurückfragen: „An wen dachtest du dabei?“, aber ich sagte: „Ich erkundige mich einmal!“ – das würde immerhin ein nettes Nikolausgeschenk geben, und damit sie es nicht missversteht würde einfach noch ein Goldkettchen dazu tun, damit sie eine echte Freude hatte.

Ich wusste, dass es keine wirklichen Ruten zu kaufen gab, kannte aber eine alte Dame am Fluss, die noch die Kunst des Rutenschneidens beherrschte. Ich kaufte für Kathrin ein Goldkettchen und beim Konditor einen echten Marzipan-Weihnachtsstollen für die Dame am Fluss, und in der Tat erbot sie sich, mir die passenden Birkenruten und zu binden. „Für deinen Zweck“, lächelte sie, „ist es besser, sie nicht zu umfangreich zu wählen, eher etwas länger.“ Ich muss sie wirklich verblüfft angesehen haben, denn sie sagte nun sanft: „Kennst du die Dame schon lange, und habt ihr schon … ähnliche Spiele betrieben?“ Mir stand der Mund offen. „Woher wissen Sie (ich siezte sie immer, während sie mich duzte), dass es sich um eine Dame handelt, für die sich sie besorgen soll?“ Sie hob den Kopf, lächelte sanft und sagte sehr leise, aber eindringlich: „Weil nur Frauen die Küsse der Rute wirklich zu schätzen wissen.“ Sie nahm mich bei der Hand, führte mich ins Nebenzimmer und drückte mir ein altes Tagebuch in die Hand. „nimm es mit und lies, was dort unter dem 6. Dezember 1911 steht – du kannst doch die alte Schrift noch lesen? Du kannst mir das Buch zurückgeben, wenn du die Rute holen kommst. Vermutlich brauchst du sie zum Nikolaustag?“ Nun, ich lief leicht rot an, was die alte Dame amüsierte, und verabschiedete mich schnell.

das tagebuch der alten dame
Das Tagbuch enthielt die Schilderung einer Dienstmagd, die in gutem Hause in Stellung gegangen war und am Nikolaustag dafür bestraft wurde, dass sei eine wertvolle Vase fallen ließ. Sie drückte in einfachen Worten ihre Scham aus, ihren Unterleib entblößen zu müssen, was schlimmer gewesen sei als die Rutenhiebe, die sie daraufhin erhielt. Ich wollte das Tagebuch schon teils amüsiert, teils angeekelt zur Seite legen, als sie beschrieb, welch merkwürdige Lustgefühle ihren Körper nach und nach durchströmten, und wie sie schließlich „in jeder Hinsicht ermattet“ aufstehen, die Rute küssen und der Herrin Dank sagen dufte.

Ich schwieg gegenüber Kathrin über das Gelesene, wie ich auch nichts von der Bestellung der Rute erwähnte. Die Nacht vor dem Nikolaustag war seltsam angespannt, und Kathrin bestand darauf, dass ich ihren schönen Po ausgiebig ansehen und küssen sollte, bevor sie sich mir wieder voller Wonnen hingab. „Morgen komme ich erst gegen Abend“, flüsterte sie leise, „und du musst mein Nikolaus sein“.

Die Dame am Fluss erwartete mich schon, als ich gegen Morgen bei ihr eintraf, übergab mir stolz ihr Werk und sagte geheimnisvoll: „Es wäre gut, wenn du die Führung der Rute lernen würdest.“ Dann führte sie mich wieder in die abgedunkelte Bibliothek, in der sich jetzt ein gepolsterter Bock befand, auf dem ein Kissen lag. „Du musst jetzt auf das Kissen schlagen, ohne die Hülle zu verletzen“, sagte sie, „dann machst du es richtig.“ Ich probierte es, aber die Dame war nicht zufrieden. „Hol weiter aus, aber verwende nicht so viel Kraft, und überlasse der Biegsamkeit der Zweige die eigentliche Arbeit “, sagte sie, „das ergibt die Wirkung eines prasselnden Wasserfalls auf ihrem Po“. Nach ein paar weiteren Versuchen war sie zufrieden. „Du bist ein guter Junge“, lächelte sie, "deine Besucherin wird ausgesprochen begeistert sein von dir“.

Kathrin kam an diesem Abend in einer weißen Bluse mit rotem Schottenrock, schenkte mir ein paar goldene Manschettenknöpfe und sagte erwartungsvoll: „Du hast ein Geschenk für mich bekommen?“ Ich übergab ihr das kleine Goldkettchen mit der großen Birkenrute, die einem Kerkermeister jede Ehre gemacht hätte, und ihre Augen erstrahlten. „Ich war überhaupt nicht artig in diesem Jahr“, sagte sie kaum hörbar. „Meinst du nicht, dass ich eine Strafe verdiene?“ Ich dachte an das Buch, an das Kissen und sah die rot glühenden Wangen. Ich beschloss, das Spiel mitzuspielen: „Ich sehe, du bist ein böses Mädchen – wo war doch noch dein Sündenregister?“ Sie zog einen handgeschriebenen Zettel aus der Handtasche: „Lies jeden Satz einzeln vor, bitte, und dann gib mir so viel Schläge dafür, wie du für richtig hältst.“

Sie erwies sich als unersättlich, provozierte immer wieder mit ihrer bösen Zunge und ihrem schönen Körper, und zog mich erst gegen Mitternacht ins Bett, wo wir das Werk der Sinnlichkeit ekstatisch besiegelten. Gegen drei Uhr hörte ich eine Tür klappen – sie war wohl ins Badezimmer gegangen. Ich drehte mich um und schlief weiter.

Ich freute mich auf den Morgen danach auf unser Sektfrühstück. Doch Kathrin war verschwunden, und sie hatte auch die Rute und das Goldkettchen bei mir gelassen. Ich wunderte mich nicht sonderlich. Sie hatte bekommen, was sie wollte, und jetzt würde sie vermutlich wieder zu ihrem Mann zurückschleichen – den Po mit den kleinen, funkelnden roten Sternen darauf würde sie ihm wohl erklären müssen, aber das war nun wirklich nicht mein Problem.

Ein paar Tage später klingelte das Handy, das sich ausschließlich für meine Liebschaften benutzte und ich meldete mich mit der Telefonnummer - das habe ich immer so gehalten. „Wie hoißet Sie“, fragte eine männliche Stimme auf Schwäbisch. „Rohrservice Deppermeister“, log ich, „ist ihr Abfluss verstopft?“ Eine Pause entstand. „Entschuldiget Sie bitte, es ist nur so, dass meine Braut Ihre Nummer hatte … “, sagte er. „Oh, sagte ich, das macht nichts … so etwas kommt schon mal vor. Einen schönen Tag noch.“

Am nächsten Tag ging ich durch die Kirchgasse, die noch herbstlich mit feuchtem Laub bedeckt war, und hörte ein Hupkonzert – eine dieser schrecklichen pompösen Hochzeiten mit Oldtimer und dergleichen. Mein Blick fiel auf die Braut, und ich blieb wie angewurzelt stehen. „Gell, sie sind ein schönes Brautpaar“, sagte ein Passant, der ebenfalls stehen geblieben war. „Ja, und sie werden sicher sehr glücklich“, erwiderte ich, während ich in mich hineinlächelte und mir ein Lied in den Sinn kam: „Nikolaus ist ein guter Mann, dem man nicht genug danken kann.“

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Das Werkzeug von Mutter Natur, um uns zum Paaren zu veranlassen, heißt Wollust, nicht Liebe. Liebe ist eine Überhöhung eines sozialen Gefühls, der innigen Verbundenheit miteinander. Wenn man so will, haben Sex und Liebe gar nicht viel miteinander zu tun. Auch die Reihenfolge stimmt nicht wirklich: Erst Liebe, dann Sex. In Wahrheit ist es umgekehrt: Erst schüttet unser Körper unser Hirn mit Drogen zu, damit wir meschugge genug sind, uns der Wollust zu unterwerfen. Dann erst entwickeln wir die Liebe füreinander, also den sozialen Klebstoff, der uns aneinanderbindet.

Causal Dating ist der Ausdruck einer Zeit, die Lust von Liebe zu trennen weiß. Das Märchen, eine Frau müsse erst in Liebe zu einem Mann verfallen, bevor sie sich hingibt, ist ziemlicher Unsinn. Denn nicht Liebe, sondern die Vorstufe von Sex, die Geilheit, ist nötig, um den Körper in Stimmung zu bringen. Fast ein Jahrhundert war man der festen Überzeugung, Frauen würden überhaupt nicht geil. „Das sexuelle Verlangen des gesunden und wohlerzogenen Weibes ist ein Geringes“, schrieb Ende des 19. Jahrhunderts sinngemäß ein bekannter Psychiater.

Frauen sind die eigentlich entscheidenden Kräfte in der gesamten Szenerie des „Casual Dating“, wie auch aller anderen erotischen Affären. Wenn Sie sich nicht in das Spiel einbringen, ist der „Markt“ gestorben. Ob es nun „sozial korrekt“ ist oder nicht: nahezu das gesamte Marktgeschehen auf dem Tummelplatz Leidenschaften, Lüste und Beziehungen liegt in den Händen der Frauen, die sich diesem Markt öffnen.

Weil das so ist, kann auf diesem Liebesmarkt alles Geschehen – oder gar nichts. Ich hoffe sehr, dass diese Mischung von Unterhaltung und Information dazu beiträgt, Ihnen klarzumachen, wie wichtig es ist, Causal Dating richtig einzuordnen. Es ist ein Spiel mit der Lust auf einem hohen Niveau – mit Frust und Lust, Gefahren und Erleuchtungen.

In diesem Sinne – werden Sie intim, und sündigen Sie aus vollem Herzen, um das ganze Vergnügen einzuheimsen.