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Angst, Lust und das Spiel mit der Erregung

angst und lust beim klirren von ketten
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich fürchte mich davor, mich zu verlieren, Dinge zu tun, für die ich mich schäme, auch wenn ich mich nicht schämen müsste. Ich weiß, man kann nicht „ganz Dame“ bleiben in der Liebe, sicher. Irgendwann tut man es, kümmert sich nicht mehr um die Nachbarn und schreit die Lust wie ein Tier in die Nacht. Das ist die Liebe, der muss man sich hingeben, sich vergessen, das Weibchen herauslassen, das sich unter Lustschreien fortpflanzt, auch wenn dies Pille und Kondom verhindern.

Ich selber habe Angst, mich ganz zu unterwerfen. Ein bisschen damit spielen, klar, das haben wir alle getan, oder? Aber wirklich hilflos zu sein? Gefesselt zu werden? Mit verbundenen Augen zu warten, was sich der Partner ausgedacht hat? Sicher, es kribbelt manchmal. Doch, was siegt? Meistens mein Anstand. Irgendwie bin ich viel zu wohlerzogen, um „Rollenspiele zu machen“. Freuden haben mir schon eingeredet, das sei die Angst davor, eventuell Lust daran zu bekommen. Sollen sie denken, was sie wollen.

Eine Freundin gestand mir letzte Woche, wie sie sich schämt, sich auszuziehen, nur auszuziehen. Ich sagte ihr, das würde ich verstehen, weil mir das nun wirklich genauso geht. Aber sie sah dabei lüstern aus, so als wollte sie mir etwas mehr dazu sagen. Ziemlich beiläufig begann sie dann: „Ich hasse es, wenn die Augen von Frauen und Männer auf meinen nackten Körper gerichtet sind – aber ich will es immer wieder erleben.“ Ich war irritiert: „Du gehst irgendwo hin, um dich nackt auszuziehen? Und was passiert, wenn du dann nackt bist? Schlafen dann alle mit dir, die Frauen und Männer?“ Sie begann zu flüster, drängte sich dicht an mein Ohr, so, als ob die Wände zuhören könnten.

Die Wände wären wohl errötet, wenn sie Ohren gehabt hätten. Na, und ich? Puterrot bin ich geworden. „Das machst du wirklich?“ stolperte ich mehr heraus als es zu fragen. „Warum denn nur, du Arme?“

Meine Freundin lächelte nun, ein wenig in sich gekehrt: „Nenn mich nicht ‚du Arme`, es ist einfach prickelnd, wenn ich in diesem Gewölbekeller Lust und Angst zugleich verspüre – ein bisschen wie Achterbahn fahren, nur viel geiler.“ Dabei sah sie mich mit brennenden Augen an, als wolle sie sagen: „Komm mit, und versuch es doch euch einmal“. Sie will mich neugierig machen, will, dass wir gemeinsam Ängste und Lüste durchstehen, so wie damals. Aber nein, ich kann nicht. Ich fürchte mich vor feuchten Kellern, absoluter Dunkelheit, ekligen Kellerasseln, dröhnenden Schritten, pfeifenden Ratten und klirrenden Ketten. Allein der Gedanke, nackt angestarrt zu werden, ekelt mich an. Nein – es ist „nein“, definitiv.

Meine Freundin grinst mich an. „Aber für eine gute Story würdest du vielleicht mitkommen, ich meine, du schreibst doch ab und zu über so etwas?“ „Nein“, sage ich, „ich komme nicht mal für eine gute Story mit, wenn ich irgendwo mitmachen muss.“

Ich habe mir ihre Geschichte erzählen lassen. Sie handelt von einer selbstbewussten Frau, die dann und wann ihre nackte Seele vorzeigt – so unverhüllt, dass man glaubt, die Nervenenden in ihren Augen vibrieren zu sehen. Ich habe zugehört, neugierig, bisweilen atemlos, angetörnt, abgeschreckt und über alle Maßen verwirrt.

Ob ich die Worte neu ordnen soll, um die Geschichte für euch zu schreiben? Noch finde ich sie nicht einmal, die Worte, die nötig wären, um den kalten Schweiß zu schildern, der meiner Heldin auf der Stirn stand, als man sie aufforderte … (pst …) … nein, ich will keine erotische Kitschgeschichte daraus machen. Ich will, dass euch beim Lesen die Furcht zwischen deinen Haaransatz und deinen nackten Rücken kriecht, und dass dir zugleich die Lust in den Unterleib fährt, und du nicht verhindern kannst, von der Angst und der Lust zugleich fasziniert zu sein.

Ich will es. Aber kann ich es auch?

Dieses Essay soll dazu dienen, euch anzuregen. Wie kann man das Gemisch aus Lust und Angst glaubhaft schildern? Welche Stilmittel würdet ihr einsetzen? Schreibt uns oder hinterlasst hier eine Nachricht.

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