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Die merkwürdige Wiederkehr der Sexpuppe "Borghild"

Geschrieben von Gebhard Roese • Freitag, 15. Juli 2011 • Kategorie: satire und humor
Manche Journalisten sind einfach zu faul um Informationen nachzuprüfen. So kommt es, dass am 12. Juli 2011 plötzlich „Borghild“ wieder auftauchte, die angeblich eine für Nazi-Deutschland entwickelte Sexpuppe sein soll. „Hitler bestellte Sexpuppen für Soldaten“ heißt der Titel des Artikels, der eine alte Internet-Ente wieder aufwärmt – nun, und wer hat die Information ausgestreut, ohne sie zu überprüfen? Die SUN, und weil jeder Blödsinn, der in der SUN steht, von Medien überall auf der Welt abgeschrieben wird, verbreitet sich die Nachricht in Windeseile.

Auch diese Nachricht aus demselben Artikel hält der Recherche nicht stand: Demnach habe der Autor Graeme Donald die Existenz von „Borghild“ bei Nachforschungen über die Barbiepuppe gewonnen, die (wörtlich) auf einer „deutschen Nachkriegs-Sex-Puppe“ basieren soll. Die Ahnenreihe sieht aber anders aus: „Barbie“ wurde nach dem Vorbild der BILD-Lilli hergestellt, die wiederum auf einer Comic-Figur des Zeichners Reinhard Beuthien basierte - 1952 erscheinen die Comics erstmalig.

Die Idee, BILD-Lilli könnte eine Sexpuppe gewesen sein, ist reine Fantasie. In Wahrheit war es eine Figur, die für die damalige Zeit als „zu sexy“ galt und deshalb hauptsächlich bei Erotik-Liebhabern Anklang fand.

Der Trick an der Borghild-Geschichte: Populäre Nazi-Größen werden in den Vordergrund gestellt, während die Namen im Hintergrund bereits zweifelhaft sind. Die Entwicklung der notwendigen Kunststoffe, um überhaupt „lebensechte“ Sexpuppen zu bauen, war damals aber noch gar nicht gegeben - und schon lange nicht für solche, die ein Landser mit sich führen konnte.

Hier einer der Fantasietexte über "Borghild". Artikel in deutscher Sprache: "Gummipuppen für die Truppen des Führers".

Übrigens habe ich die Sache mit Borghild bereits vor längerer Zeit nachrecherchiert - vielleicht hätte das die SUN auch einmal tun sollen?

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