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Was unterscheidet ein Call-Girl von anderen Menschen?

moral? welche moral denn bitte schön?
Ein Call-Girl zu sein, ist nicht das, was man sich für seine Tochter wünschen würde – und sicher nicht die Karriere, die eine junge Frau anstreben sollte. Darum allerdings soll es auch nicht gehen, sondern darum: was ist eigentlich verwerflicher: eine Serviceleistung unter Einsatz des eigenen Körpers zu geben und dafür zu kassieren oder Menschen mit faulen Wertpapieren oder Immobilien zu ködern und den feinen Max zu markieren? Ist es anständiger, sich in Bars herumzutreiben und dort auf einen Mann für eine Nacht zu warten, oder im Spielcasino einen reichen Junggesellen abzufischen? Ist es richtig, den fleißigen, aber armen Jüngling zu verlassen und sich an den Hals eines reichen, aber leider korrupten Devisenhändlers zu werfen?

Unsere Moral ist gegenwärtig einfach absolut verlogen. Wir halten uns an der Moral der Biederfrauen und Biedermänner fest, wie ein Ertrinkender an einem Strohhalm. Wir wissen nicht mehr, was gut für uns ist, aber wir wissen natürlich, wer ganz schlecht für alle ist: Huren und Hurenböcke.

Beides sind wir niemals – nein, wir nicht.

Ein Teil der Frauen weiß, wie es ist, von einem Mann zu leben. Das ist moralisch korrekt, solange es der einzige Mann ist, von dem eine Frau lebt. Die zweite Möglichkeit, von einem zu leben und einen anderen zu lieben, ist schon heikler – Naserümpfen ist angesagt. Doch der Sprung zur Schlampe ist erst gegeben, wenn man nicht von einem, sondern von mehreren Männer lebt, die gelegentlich einfliegen.

Nein, noch ist man ganz auf der bürgerlichen Linie. „Sie kennt ein bisschen zu viel Leute“ sagen die Vornehmen, und „ach die Schlampe von Nr. 39“, sagen die Direkteren.

Die Herren, die vorbeischauen, sind keine Hurenböcke, sondern leisten sich eine Geliebte, manchmal sicher auch mehrere, für jeden Standort eine. Sie finden dies so selbstverständlich wie es manche Damen selbstverständlich finden, nach einem Besuch in der Hotelbar mit einem Mann ins Bett zu gehen - nicht eben die „feine Art“, aber relativ problemlos. Man fragt besser nicht „warum?“ Die Antwort wäre bestenfalls ein schiefes Grinsen, und dann: „Soll ich es mir etwa durch die Rippen schwitzen? Sucht ihr Kerle eure ONS etwa woanders als in Bars?“

Was unterscheidet diese „ganz normalen“ Nicht-Huren und Nicht-Freier von den anderen? Üblicherweise, dass sie sich die Liebe gegen Einmalzahlung erkaufen oder dass sie ihre Gunst gegen Einmalzahlung schenken.

Üblicherweise scheiden sich die Geister vor allem dann, wenn es nicht um „gespielte Liebe“ geht, sondern um „reinen Sex“. Gespielte Liebe? Nun ja – das ist eine Kostenfrage, und die Kosten werden dabei nach Zeit oder möglichst pauschal abgerechnet. Je pauschaler abgerechnet wird und höher der Preis ist, desto besser ist die Illusion für den Freier und die Dame, die nie und nimmer von sich sagen würde, eine Hure zu sein.

Nein, man arbeitet nicht vor Ort – man fliegt nach Berlin, London oder Dublin – jedenfalls dorthin, wo man persönlich nicht bekannt ist. Nein, niemand ist stolz auf diese Karriere, wirklich nicht. Aber sie bringt Geldmittel ein, die sich im Beruf einer Verkäuferin oder Sekretärin nicht erwirtschaften lassen. Zitieren wir mal eine dieser Damen:

<<(Nachdem ich zuvor nur Männer zum Ausgehen begleitet hatte) entschloss ich mich dazu, etwas anzubieten, was Sie vielleicht den ganzen Leistungskatalog einer Escort-Dame nennen würden. Ich bot meine Dienste über eine Irische Agentur an, die „elite English girls’, und ich reiste zwei Mal im Monat nach Dublin, wo mich niemand kannte. >>

Zwei Mal im Monat Dublin – ein paar Männern einen schönen Abend bereitet, das Geld mitgenommen, die Bedenken vergraben. Ja, das ist alles höchst unmoralisch, nicht wahr? Empörer und Heraushelfer spitzen schon die Ohren, oder etwa nicht?

Ja sicher, total unmoralisch – viel moralischer ist es natürlich, Leute Versicherungen anzudrehen, die mit Immobiliengeschäften gekoppelt werden, oder faule Wertpapiere.

Mal ganz ehrlich, Freundinnen und Freunde – verschonen mich mit der widerlichen Moral, mit der ihr auf Frauen herabseht, die „es tun“. „Ich bin nicht stolz auf das, was ich tat, aber ich bedaure es auch nicht“, sagte die junge Frau, die ich zitierte. Das allerdings werden nicht alle Menschen von sich behaupten können, die „ganz legalen“ Beschäftigungen im Bereich der Wirtschaft nachgehen – denn immerhin: wer einem Mann eine wundervolle Nacht beschert, der weiß wenigstens, dass er dabei niemanden übers Ohr haut.

Zitate aus dem "Spectator"

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