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Lob des Lust an der Unterwerfung

Zum Namensgeber der Lüste, die sich mit dem Masochismus verbinden, war Ritter Leopold von Sacher-Masoch, der in seinem berühmten Werk „Venus im Pelz“ einen jungen Künstler beschreibt, der sich seiner Ehefrau mit Lust und Freude unterwarf und ihr Sklave war, selbst unter größtem Schmerz.

illustration zu "comtessa sofia"
Die heutigen Ärzte sprechen von Sado-Masochismus, weil sie glauben, dass in jeder masochistischen Persönlichkeit auch eine sadistische steckt – das ist ungefähr die gleiche Qualität von Behauptung, als würde man unterstellen, dass in jedem Helfer auch ein Hilfebedürftiger steckt. Überhaupt gibt es viele Urteile, die kaum zutreffen: Männer seien geboren Sadisten, Frauen geborene Masochisten. Ebenso dümmlich ist es, zu behaupten, dass „normale Liebende“ niemals sadistische oder masochistische Züge hätten – die Unterwerfung ist vielmehr ein Teil des Lebens der Säugetiere - und wird damit auch zum Teil der Evolution. Die Natur nützt es, um die Verlierer eines Kampfes durch eine Demutshaltung vor weiterer Aggression zu schützen – nur wir Menschen konnten sie kultivieren. Doch wer Masochismus als ein Kulturgut bezeichnet, darf sicher sein, dass jede Menge Schlamm auf ihn geworfen wird.

Masochismus heißt wegen seiner historischen Herkunft auch „Freude an der „Unterwerfung“ oder die „Lust an der Demütigung“. Die „Freude am Schmerz“ ist nur ein Teilaspekt, und auch er ist nicht für alle Masochisten gleich.

urheber sacher-masoch: die venus im pelz macht ihn berühmt
Nimmt man das Etikett „Masochist“ weg, so ist der Liebhaber an der Unterwerfung vor allem ein Rollenspieler der Liebe, der Lust dabei empfindet, sich zu erniedrigen. Ob es einfach darum geht, die Macht des anderen zu spüren, oder sich rückhaltlos vom anderen benutzen zu lassen, ob man zurückfallen möchte in die Kindheit oder stolz auf den Schmerz ist, den man vom anderen erträgt, ist sekundär. Man taucht einfach ein in den Strudel der Unterwerfung und nutzt ihn, um die Verantwortung für alles, was jetzt noch kommen mag, zu vergessen. Es mag damit beginnen, sich als junge Frau „durchkitzeln“ zu lassen und zu erproben, wann man seine Peinigerin um Gnade bittet. Als es noch üblich war, Körperstrafen zu verabreichen, gab es immer vereinzelte Frauen und Männer, die sich absichtlich so benahmen, dass Schläge unausweichlich waren. Inzwischen wird üblich, in der Liebe Handschellen zu verwenden, um sich selbst und dem anderen die Illusion zu geben: „Du kannst mit mir machen, was du willst“. Der Masochismus ist zum Spiel der Liebenden gewordene, und er ist allgegenwärtig.

Ob weiblicher Masochismus anders ist als männlicher? Es mag sein. Ein Paar sitzt zusammen, offenbar stimmt etwas nicht mit ihnen. Er sagt: „Wenn du so weitermachst, werde ich die Konsequenzen ziehen“, worauf sie sagt: „Dann sag mir endlich, wo es lang geht“. Er begreift nicht, was sie will, kann es aufgrund seiner Erziehung gar nicht. Das kleine Mädchen in ihr wollte beschimpft, betraft, gedemütigt werden – alles in der Hülle einer erfolgreichen Frau Mitte 40. Sie gesteht es ihm nach Jahren, als beide längst geschieden sind.

Männer? Je schöner und sinnlicher die Frau ist, die sie demütigt, umso lustvoller erleben Männer die Schmach. Nur wenige wollen die strenge, hässliche, abgehärmte Frau als Peinigerin. Die ideale, dominierende Frau Sie soll schön sein, sinnlich, und streng, und am liebsten soll sie „küssen und quälen“ wie in dem Schlager „Laila“.

Bittersüß ist wohl das richtige Wort, wenn vom Masochismus die Rede ist, und Masochisten sind sehr fantasievoll, wenn es darum geht, neue, sinnliche bittersüße Spiele zu erfinden. Sollte man vielleicht einmal ein Buch schreiben: „Lob des Masochismus?“ Das Buch „Lob der Peitsche“ war doch einmal ein großer Erfolg – warum also nicht einmal: „Lob der sinnlichen Unterwerfung?“

Anmerkung: Verantwortlich für das Unwort "Masochismus" war der wegen seiner Überheblichkeit berüchtigte Wiener Psychiater Krafft-Ebing. In seiner "Psychopathia Sexualis" rechtfertigt er die Namensgebung: "Er (Sacher-Masoch) hätte sicherlich bedeutendes geleistet, wenn er ein sexuell normal fühlender Mensch gewesen wäre". Das heißt im Klartext: "Einem Perversen geschieht es ganz recht, wenn man eine Perversion nach ihm benennt" .

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