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Pardon, Ladys – da wäre der Blowjob

Im Zweifel ...
Das Volk sagt „Blowjob“ und erweiteret damit der Anglizismen um einen weiteren Begriff. Naja, das klingt besser als „ihm einen zu blasen“ oder die Sache mit dem „Lutschen“ der vermeintlichen Zuckerstange. Den (ebenso angeblich) streng wissenschaftlichen Ausdruck benutzt kaum jemand: Fellatio. Das heißt eigentlich „saugen“ und definiert das, was es ist, besser als „blasen“.

Womit wir auf schlüpfrigem Territorium wären. Kaum ein Frauenforum und keine Frauenzeitschrift lässt das Thema aus. Schließlich will frau wissen, ob und wie es andere Frauen machen, auch wenn sie es selbst „voll eklig“ finden oder aus anderen Gründen ablehnen.

Mal eklig, mal aufregend - und immer hübsch kontrovers

In den letzten Jahrzehnten gab es mehrere Wandel im Ansehen des Lutschvergnügens, teils aus dem Zeitgeist, teils aus der Moral, teils aus der Gesundheitsvorsorge und eben auch teils aus emanzipatorischen Tendenzen.

Und es gab einen neuen Irrtum, der nun aus einer ganz anderen Quelle gespeist wurde: aus der Pornografie. Seit sie die inoffizielle visuelle „Lehranstalt“ für viele junge Menschen geworden ist, ist auch der „Blowjob“ zum Lecken besonders hübscher, meist überdimensionaler, vor allem aber stets von Natur steifen Zuckerstangen geworden.

Bleiben wir zunächst mal bei den alten Mythen. Demnach tat „so etwas“ keine anständige Frau – und selbst Huren weigerten sich, derartige „Perversionen“ zu dulden. Vor allem in Deutschland war dies ein eisernes Gesetz – nicht von ungefähr heißt der Mundverkehr auch „französisch“

Im Puffjargon werden die Begriffe übrigens heute noch verwendet: Französisch, „französisch mit Aufnahme“ und „französisch komplett“ heißen die Abstufungen der Möglichkeiten.

Wer das „Abblasen“ oder „Ansaugen“ eigentlich erfunden hat und in welchen Kulturen es häufig vorkam, ist umstritten. Sicher ist, dass die alten Römer und die Inder sich daran erfreuen duften – vorzugsweise allerdings in Bordellen.

Taten es in den 1970ern alle Frauen?

Im Zuge der angeblichen „sexuellen Revolutionen“ der 1970er Jahre kam Fellatio in Mode, wurde aber gleichwohl weiterhin diffamiert. Und je mehr er sich verbreitete, umso mehr Männer erkannten, dass diese Methode der Befriedigung über alles hinausging, was sonst möglich war. Man redet viel darüber – vor allem in Zusammenhang mit dem geheimnisvollen „69“, das gar nicht so einfach zu praktizieren ist. Immerhin konnte diese Methode beiden Partnern Freude bringen, weil sie Cunnilingus und Fellatio kombinierte.

Das neue Millennium: die Ablehnung komm zurück

Als aus der eher verbalen und sozial wie finanziell wirksamen Frauenemanzipation eine vehemente anti-maskuline Bewegung wurde, wendet sich das Blatt abermals. Immer wieder beklagten sich nun Frauen, von ihren Partnern „bedrängt“ zu werden, Fellatio auszuführen. Nachdem der „Blowjob“ einige Zeit fast zum Repertoire der Frauen auf Partnersuche gehörte, und teils „wie selbstverständlich“ gegeben wurde, verschwand er plötzlich wieder.

Die Ursachen sind bekannt: einmal, weil sich herausstellte, dass STDs, sogar HIV, oral übertragen werden können, dann aber auch, weil eine neue Wohlanständigkeit aufkam. Diesmal war es das Selbstbewusstsein: Viele Frauen wollten sich auf keinen Fall mehr darin messen, wer die tollsten Blowjobs geben konnte. Das sogenannte „erotische Potenzial“ geriet in Verruf, und die Wünsche verkehrten sich ins Gegenteil. Frauen wollten nun mehrheitlich nicht mehr gelobt werden, weil ihre Lippen und Zungen Lustgenüsse bescherten. Mehr und mehr zählten andere Werte und Fähigkeiten. Hinzu kam noch, dass die eigene Lustbefriedigung stärker in den Fokus geriet: Immer mehr wurde darüber geerdet und geschrieben, wie wenig ein Penis in der Vagina dazu beitrüge, den Lustgenuss zu erzeugen.

Frauen sind weiterhin neugierig - und Fellatio bleibt interessant

Soweit der Verruf. Da dieser aber nie alle Frauen erreichte, und manche Frauen deutlich neugieriger auf die Exploration männlicher Körper sind als andere, versuchten sie, aus dem Internet zu lernen, wie sie den besten Blowjob vollziehen konnten. Und weil optische Eindrücke immer intensiver sind als die schnöden Texte der seriösen Aufklärungsliteratur, landeten fast alle extrem neugierigen Frauen früher odre später bei pornografischen Darstellungen oder anderen Übertreibungen.

Womit wir bei einem traurigen Kapitel wären. Üblicherweise ist ein durchschnittlicher Penis:

1. Nicht steif, wenn der „aufgenommen“ wird – in der Pornografie aber fast immer.
2. Nicht schön, lang und ebenmäßig, also nicht „appetitlich“.
3. Nicht haarlos in den Körper übergehend, sondern von Haaren umgeben. Die stören natürlich etwas.
4. So gestaltet, dass die Vorhaut (falls vorhanden) zunächst durchaus stören kann.
5. Nicht immer hübsch verpackt (und nun ja, nicht immer blitzsauber).

Das war noch anders, als junge Frauen zuerst an einem natürlichen Penis forschten – ob neugierig oder angeekelt oder beides. Jedenfalls wussten sie eher, worauf sie sich einließen.

Nun gilt es noch, einen Irrtum aufzuklären, der weithin verbreitet ist: Junge Frauen sind nicht neugierig, sondern sie fürchten und ekeln sich vor neuen Erfahrungen. Sie tauschen sich auch nicht über ihre erotischen Qualitäten (Zungenküsse, Vaginalmuskulatur oder Blowjobs) aus.

Das ist – mit Verlaub – eine zwar verständliche, aber sinnlose Verdrängung der Tatsachen. Schon in den frühen 1960er Jahren gaben junge Frauen ihren Mitschülerinnen jede Art von Tipps, wie sie sich bei Zungenküssen, Petting, Handverkehr und Oralkontakten verhalten sollten. All diese Instruktionen wurden nicht gegeben, um solche Kontakte zu verhindern, sondern um zu damit zu bestehen, wenn die Männer danach verlangten. Zwar bezog sich die Vermittlung der Künste weitgehend auf den Zungenkuss, aber der wurde in vivo geübt.

Pro und Kontra z.B. bei BENTO.
Ausführlich dagegen: Bei Vice.
Interessant Kontroverse auf Planet Liebe.
In der BRIGITTE diskutieren Frauen darüber, ob es "mit Kondom" besser geht oder vielleicht richtig ekelhaft ist.

Ist Petting noch zeitgemäß?

Unvorhersehbare Überraschungen blieben nicht aus ...
Wenn ihr die frühen 1960er noch erlebt habt und schon in einem Alter wart, in dem ihr euch für den eigenen Unterleib und den des anderen Geschlechts interessiert habt, dann ist euch „Petting“ sicher geläufig. Das Wort kam aus dem US-Teenagerjargon, wurde von Kinsey genutzt war in England fast völlig unbekannt und wanderte erst mit der Teenager-Romantik nach Deutschland. Selbstverständlich wurde das Wort und das, was damit gemeint war, wie damals üblich, heftig angefeindet. Die Eltern waren höchst besorgt – vor allem um ihre Töchter, deren Jungfrauenschaft es zu bewahren galt.

Wie es damals war und was damals passierte

Was war denn das nun eigentlich? Statt komplizierter Ausführungen hätten wir da ein Zitat, wie es angeblich ein weiblicher Teenager den Eltern erklärt haben soll:

Petting – das ist eine Möglichkeit, mit einem Jungen alles zu tun, bis auf das Eine.


Und weil sich kaum jemand vorstellen konnte, dass die Tochter vielleicht einige lustvolle Freunde in Serie hatte, bevor sie heiratete, will ich euch noch ein Zitat in Wissenschaftlerjargon nachliefern:

Eine Brautzeit ohne sexuelle Berührung ist sehr selten geworden.

Die Presse, die zu dieser Zeit (bis mindestens Anfang der 1970er Jahre) noch felsenfest in bürgerlichen Konventionen des Bürgertums befangen war, sah im Petting Amerikanismen. Allein darin sahen für die meist erzkonservativen Verleger und Journalisten einen Kulturverlust – mal wurde der Begriff daher als „undeutsch“ kommentiert, mal als generelle Bedrohung der abendländischen Kultur.

Was taten die jungen Leute, wenn sie "Petting" betrieben?

Was taten die jungen Leute eigentlich beim “Petting” in den 1960er Jahren? Das ist schnell beschrieben: Sie stillten ihre Lust durch intime Hautkontakte, zum Beispiel beim Berühren der weiblichen Brüste (einfaches Petting) oder durch Berührungen der Genitalien (intensives Petting). Erstaunlicherweise gab es in der damaligen Zeit noch viele (oft nicht mehr nachvollziehbare) Diskussionen darüber, ob Petting „unter“ oder „über“ der Kleidung ausgeführt werden sollte, dufte oder konnte.

Bloß nicht ganz ausziehen!

Da die jungen Frauen damals noch fast ausschließlich Röcke trugen, und diese möglichst nicht ausgezogen werden sollten, ging der Weg männlicher Hände meist über die Schenkel und den Slip. Frauenhände wanderten unter den meist leicht geöffneten Gürtel und unter Öffnung von einigen Hosenknöpfen oftmals nur über den Slip und taten ihr Wunderwerk dort. Vielfach ist überliefert (aber wenig dokumentiert), dass es Frauen peinlich war, den Penis tatsächlich hautnah zu berühren.

Mal mit, mal ohne Ejakulation - und manchmal auf die Bluse

Es liegt in der Natur junger Männer, dass sie nur wenig intime Berührungen von Frauenhänden benötigen, bis der Penis steif wurde und die Natur das tat, was dann normalerweise sinnreich war: Die Samenflüssigkeit auf den Weg zu schicken. Auch ohne viel Fantasie können Sie sich vorstellen, welche Komödien und Tragödien daraus entstanden, je nachdem, wo dieser Vorgang seinen Endpunkt fand. Jedenfalls wurden Jeans, Tuchhosen, Unterhosen und (man denke!) sogar Blusen, Röcke und BHs gesichtet, die hernach peinlich verunreinigt aussahen. Ob Oralverkehr dazugehörte, wie oft behauptet wird, muss ernsthaft bezweifelt werden, wohingegen Brustverkehr trotz der vielen Schwierigkeiten in der Ausführung eine gewisse Beleibtheit genoss.

Was heute vom Petting bleibt

Potz tausend! Und das soll es heute noch geben?
Ja und Nein. Einmal dürfte es auch unter jungen Leuten immer noch trockene und feuchte Liebkosungen geben, die nicht dem übliche Muster eines Geschlechtsakts entsprechen. Aber sie sind nicht mehr Bestandteil der „Teenagerromantik“ oder einer anderen Jugendkultur. Obgleich immer noch äußert verpönt, hat der Oralverkehr zugenommen, sei er als Vorspiel für „echten Sex“ oder als Stellvertreter-Funktion.

Petting als neue Erotik-Spiele

Neu belebt wurde hingegen die Berührung der Genitalien – bei Frauen über die Schamlippen, die Klitoris und die Vagina, bei Männern über den Penis und die Hodensäcke. Aus den vielen Möglichkeiten der erotischen Stimulation der nackten, leicht verhüllten oder völlig bekleideten Genitalien hat sich sogar ein Kult entwickelt. Teilweise wird das „Streicheln“ mit Bewegungshemmern, Wahrnehmungsverstärkern und bewusster Frustration, gewollten erotischen Erniedrigungen und bewussten Peinlichkeiten kombiniert. In der Praxis heißt das:

1. Die Partner ziehen sich bewusst nicht aus. Und/oder
2. Ein Partner lässt sich fesseln. Und/oder
3. Ein Partner lässt sich die Augen verbinden Und/oder
4. Die Berührung wird beendet, sobald der Partner „kommen“ will.
5. Die Beschmutzung der Kleidung wird bewusst provoziert.

Auch, wenn die Paare dem Kult nicht folgen, ist insbesondere Handverkehr eine lustvolle Variante der Sexualität geworden, die den Partnern wenig Überwindung abverlangt und zu fantastischen Ergebnissen führen kann.

Anmerkung: Die 1950er/1960er Jahre sind ein blinder Fleck auf der Landkarte der Informationen. Auch dieser Artikel beruht überwiegend auf Berichten von Zeitgenossen, die mündlich überliefert wurden. Das oben verwendete Bild (Anonyme Buch-Illustration) musste stark retuschiert werden.

Großvaters erotische Exotinnen

Schöne Frau aus Samoa
Als „unsere Kolonien“, wie es zuvor hieß, keine Kolonien mehr waren, gab es noch eine große Menge an Fotos, die dort erstellt wurden. Und weil die Menschen der „Kulturvölker“ oftmals nackt gingen, hat man sie auch so fotografiert. Dieses Bild ist wenigsten ansprechend und offensichtlich mit viel Umsicht erstellt. Es handelt sich um eine Schönheit aus Samoa.

Die untergegangene Welt der Schreibmaschinen-Erotik

Die Möglichkeit, vermittelst einer Schreibmaschine Erotik zu produzieren und zu verkaufen, war insbesondere in den Nachkriegsjahren (von 1918 bis etwa 1928) und in den Jahren 1946 bis etwa 1956, äußerst populär. Man arbeitete mit dem Original und mehreren Durchschlägen, später auch mit relativ preiswerten Wachsmatrizen.

Auszug aus einem Typoskript von 1953. Es wurde mit amateurhaften Illustrationen verkauft


Zu Tausenden entstanden solche für den Augenblick berechneten Erotika, deren Verfasser jedoch weniger die normale Liebe als deren eine Abart, die Flagellation, zum Gegenstand literarischer Behandlung sich erwählten.


Erstaunlich ist dies nicht. Zwar interessiere die „normale Liebe“, womit hier die Sexualität gemeint ist, weite Kreise, doch war insbesondere die Flagellation ein Thema, das die lustbetonten Herren der damaligen Zeit aufs Äußerste erregte. Im Grunde ist dies bis heute der Fall, nur verband sich in früheren Zeiten noch der ungewöhnliche Anblick des nackten Körpers mit den sanften und heftigen Streichen der Rute zu einer „entzückenden“ Szenerie, die uns heute nicht mehr erreicht.

Auch heftigere Szenen, wie die Umerziehung eines Jünglings zur Frau durch gezielte „Erziehungsmaßnahmen“, (2) das Schlagen weiblicher Domestiken (3) oder die häufig auftretende „gestrenger Lehrerin“ ( auch die Turnlehrerin) waren äußert beliebt – und all diese Geschichten wurden beliebig oft nacherzählt.

Literarisch waren zumal die Nacherzählungen – nun ja, Schund. Es entspricht aber dem, was später in Sammelbänden erschien – und ebenso dem, was heute in Internet-Erotik-Foren zu finden ist.

(1) Paul English, Kenner der Erotik-Literatur um 1931.
(2) "Weiberherrschaft" (Gynecocracy: A Narrative of the Adventures and Psychological Experiences of Julian Robinson)
(3) "Die Kallipygen"

Damen der Gesellschaft und ihre Lust an der Grausamkeit

Klassische Situation aus der Sicht einer Beobachterin: die sadistische Lust
Von der Lust an der Grausamkeit der Damen des 19. Jahrhunderts wird manches berichtet. Im Besonderen soll es den Damen der feinen Gesellschaft ein Vergnügen gewesen sein, beim Vollzug der Prügelstrafe in Zuchthäusern anwesend zu sein und sich daran zu ergötzen.

Zarte Seelen und malträtiere Hintern

Was es zu sehen gab, war nicht eben für die zarten Seelen von Damen bestimmt. Grund dafür war vor allem der Brauch, „Willkommen“ und „Abschied“ zu zelebrieren. Nach den berichten von Zeitzeugen wurden dabei zwischen 12 und 40 Schläge appliziert – und zwar nicht von Ruten, sondern von besonderen Peitschen, die von kräftigen Männern und entsprechenden Mägden geführt wurden.

Ob nackt oder bekleidet - wenn das Blut floss soll das Frauenherz gelacht haben

Regional unterschiedlich wurden diese Hiebe entweder ausschließlich bei Männern angewandt oder aber auch bei Frauen wie bei Männern. Doch während Frauen generell mit einer leichten, geschlossenen Hose bekleidet blieben, wurden die Strafe bei Männern teils auch auf den nackten Hintern appliziert, was offenbar ein besonderes Vergnügen für zuschauende Damen war.

Die Wirkung solcher Schläge ist vielfach beschrieben worden: Nach den ersten vier bis fünf Schlägen färbten sich die Hosen rot von dem Blut, dass der Delinquent oder die Delinquentin vergoss.

Sexuelle Erregung beim Zuschauen?
Bei Herren konnte man etwas sehen, was es sonst nicht zu sehen gab
Nach Berichten, die möglicherweise etwas „geschönt“ waren, ergötzten sich die Damen am Anblick der Herren in einer Weise, dass Zeitzeugen von einem „rasenden erotischen Fieber“ sprachen. Für die gezüchtigten Zuchthäuslerinnen hingegen hatten sie – wie auch von anderen Strafmaßnahmen bekannt war – eine „hasserfüllte Schadenfreude, mit der sie die Misshandlungen ihrer Mitschwestern, besonders der jungen und schönen“ beobachteten.

Frauen wurden durchaus im Zuchthaus "bis aufs Blut geschlagen"

Belegt ist durchaus, dass „Willkommen und Abschied“ auch an Frauen vollzogen wurde:

Haben sie aus dergleichen Kuppeleyen ein Gewerbe gemacht: so soll zwey- bis dreyjährige Zuchthausstrafe eintreten; diese mit Willkommen und Abschied geschärft; und ein dergleichen Verbrecher, nach deren Erduldung, aus seinem bisherigen Aufenthaltsorte für immer verbannt werden.


Gab es die Zuschauer(innen) überhaupt?
Männer ergötzen sich am Elend ebenso
Eine interessante Frage ist stets, ob denn überhaupt zutrifft, dass die Zuchthausdirektoren privilegierten Gästen, namentlich Damen, den Zutritt zu diesen Züchtigungen gewährten. Unstrittig ist aber, dass öffentliche, juristisch motivierte Demütigungen in der Öffentlichkeit durchaus populär waren – zum Beispiel das „Auspauken der Dirnen“.

Die Behauptung, dass in den Zuchthäusern von Publikum gestraft wurde, will hingegen Dr. Richard Wrede als belegt ansehen, heißt es doch unter den „Leibstrafen“:

In einer verdienten Strafvermehrung, darf der Übelthäter bei dessen Übemehm - oder Wiederentlassung in dem Straffort zum Willkomm oder Abschied gewisse Streiche bekomme oder, dass selber währender Zuchthaus- oder einer anderen Straffe mit etwelchen Streichen, heimlich oder öffentlich auf einer Bühne durch den Gefangenwärter, den Gerichtsdiener, oder Wächter gebüsset und gezüchtigt werden solle.


Es kann also durchaus möglich sein, dass „bessere Bürger“ zu derartigen Veranstaltungen zugelassen wurden. Als Grund ließe sich immerhin anführen, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, Zeuge zu sein, dass die Strafen tatsächlich vollzogen wurden. Sicher ist dies ein Scheinargument, aber bei dem großen gesellschaftlichen Abstand zwischen „feinen Bürgerfrauen“ und Zuchthäuslerinnen war keinesfalls auszuschließen, dass es als Argument galt.

Die Literatur kennt nur einen erotischen Briefroman als Quelle

Die Literatur verzeichnet wenig glaubhafte Quellen – aber sollten wir deswegen ganz ausschließen, dass sich Frauen durchaus an Qualen, Körperstrafen oder Grausamkeiten ergötzen können?

Ein Zuchthaus - Korruption inbegriffen (siehe Anhang)
In der erotischen Literatur ist sicherlich „Lenchen im Zuchthause“ das bekannteste Beispiel für die Lust an Grausamkeiten während eines Zuchthausaufenthalts – obgleich es möglicherweise bloße Fiktion ist. Die schnelle Reaktion der Obrigkeit, das Buch zu verbieten, deutet aber auf eine gewisse Realitätsnähe hin. Interessant ist, dass es die Briten sofort mit einem eigenen Zuchthaus in Verbindung brachten: dem Zuchthaus von Bridewell. Das Lenchen heißt hier „Nell“, und das Buch erlebte mehrere Auflagen bis in die neueste Zeit, die teils auch illustriert wurden.

Im Buch wird eine Szene geschildert, in der deutlich wird, dass es wohl doch Zuschauer bei den Züchtigungen gab: Es wird berichtet, dass während einer Züchtigung der Vorstand, die Peitscherinnen sowie „die weiblichen Zuschauer“ anwesend waren. Diese waren offensichtlich nicht nur auf die Lust an der schönen, rosigen Haut des Jünglings und seinem herrliche Po interessiert, sondern offenbar auch an den „Geheimen teilen“, die durch seine Bewegungen dann und wann erkennbar wurden. Als er sich letztlich, stark geschunden, von der Prügelbank erhob, wird im Roman von einem „bestialischen Wiehern in roher Wollust aufwallender Wesen“ geschrieben.

Die wahre Geschichte solcher weiblicher Gelüste wird wohl nie herauskommen. Erstens, weil die bürgerliche Gesellschaft alles, was sie an Perversionen gebar, sorgfältig unter Verschluss hielt, und zum Zweiten, weil sie die Bestrafung durch blutiges Auspeitschen für eine adäquate Reue hielt. Ob es heute noch vergleichbare weibliche Lüste gibt? Ganz auszuschließen ist es nicht, wenngleich selbst professionelle Dominä behaupten, eher kontrolliert vorzugehen und sich nicht dem Sadismus hinzugeben. Und wie ist es es mit „zuschauen, statt selber zu handeln“?Niemand weiß es wirklich – und Gedanken sind frei.

Quellen:
Archive.org.
Google Books - Landrecht.
Google Books - Zuschauer bei Züchtigungen.
Auch: Repertorium
Ohne Link: Lenchen im Zuchthause (Auszug in: Lust und Schmerz, München 1991)
Sittengeschichte der Liebkosungen und der Strafe, Leipzig 1928.
Bilder: Teil Illustrationen zu "Nell", aber auch Thomas Rowlandson (1815) für die männlichen Voyeure und William Hogarth für die Szene in Bridewell (Ausschnitt).


Anhang:
Die Szene zeigt die Korruption im Zuchthaus: "Arbeite lieber statt so stehen zu müssen" steht oben, und der martialische Wachmann unterstützt diese Sichtweise. Doch schon ist eine Frau zur Hand, die einen Ausweg kennt. Auf der gegenüberliegenden Seite (hier nicht sichtbar) wird klar, dass es auch ein erträgliches Dasein ohne Arbeit gibt.