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Warum Frauen vielleicht doch Erotik und Pornos lieben

Eine der Tatsachen, die ihr unbedingt wissen müsst, wenn ihr Erotik schreiben wollt, ist die Frage, ob euch auch Frauen lesen werden. Die erste Antwort ist: Sie werden es nicht tun. Um keinen Preis der Welt und überhaupt nicht. Das hätten wir ja gerne geglaubt. Aber da war erst mal Emmanuelle, und schließlich gab es die Umsatzexplosion, mit den „Fifty Shades of Gray“ – und da war klar: Frauen lieben Porno-Schrifttum. Ja, sie verschlingen es geradezu.

Wow! Der Einwand war sofort: Das ist kein Porno, das ist ein Aschenpudel-Märchen für die Mutti, die einen neuen Kick für ihre erotischen Fantasien sucht. Immerhin: Männer gucken Pornos, in denen die Peitsche auf Frauenhintern „Aua!“ macht, und Frauen lesen sie. Vielleicht macht das im Kopf nicht ganz so viel Aua, weil der Po dabei nicht zu sehen ist.

Ich habe gehört, dass Frauen gerne (und jetzt mal den Kopf senken) Pornos mit Homosexuellen lesen – und sogar gucken. Und die Begründung dazu habe ich auch verstanden (1):

In homosexueller Pornografie gibt es nichts, was Frauen abwertet oder verwirrt.

Das gilt für männliche, homosexuelle Pornografie. Bei weiblicher homosexueller Pornografie ist’s dann eben so, dass Männer selten abgewertet werden, Frauen aber schon, wenn’s härter zugeht. (2)
Liebte harte Texte in lesbischen Beziehungen: Anne Félix

Was sehen wir nun eigentlich gerne? Was wollen Hetero-Frauen lesen oder sehen, was Hetero-Männer? Was würden Paare lesen oder ansehen?

Dialoge in Pornos sind meist Mist - in vielen Erotik-Storys aber auch

Wir wissen, dass vielen Frauen die Dialoge nicht gefallen. Und zwar so gut wie nie, egal, ob die Frauen in den Filmen positiv oder negativ dargestellt werden. Allerdings erzeugen diese Filme trotzdem oftmals intensiv Gefühle, weil die Bilder sehr schnell Lust auslösen können. Irgendwie kommt doch was von der Botschaft rüber, dass dort auf Teufel komm heraus gesext wird.

Na schön. Aber viel schwieriger ist es eben, aus Wörtern den Stoff zu erzeugen, der Vaginen befeuchtet. Und da frage ich euch heute mal: Wie ist das bei euch? Was müsst ihr lesen, um „geil“ zu werden? Die „Shades“? Oder vielleicht eher eine lesbische Liebesromanze mit strackem Lusteffekt? Eine Hetero-Story mit starken Männern und schwachen schwachen Frauen? Oder lieberumgekehrt? Oder vielleicht doch mal etwas, das es noch nie gab?

Was ihr auch meint – uns interessiert es.

(1) dahin können wir leider nicht verlinken.
(2) Wir dachten an "Fuchsia", die Szene zwischen Cora und Geraldine Frazer. Sie ist so hart, dass wir sie nicht veröffentlichen können.

Sklavinnen im Harem – das Reizthema des 19. Jahrhunderts

Die Sklavin - hier mit Händlern als Verkäufern und Beduinen als Käufern
Der klassische erotische Roman verlegt seine Handlung oft und gerne in den Orient. Ja, es gab eine Zeit, in der man den Orient zugleich verherrlichte und verdammte. Insbesondere im 19. Jahrhundert gab es die Kunstrichtung der Orientalisten, die „den Orient“ äußert verblümt darzustellen wussten – insbesondere den angeglichen „Sittenverfall“ der Orientalen und ihre Sinnlichkeit. Dabei war es immer wieder der Harem, der dazu dienen musste, die Sinnlichkeit anzufachen, und mit ihm kamen dann auch die Begriffe der Odaliske und der Haremssklavin.

Was der Harem wirklich war

Weißhäutige Odaliske aus der Sicht eines Orientmalers
Ein Wort zuvor: Der Harem war nichts als ein geschützter Ort, an dem die Frauen lebten – und zwar alle Frauen im Haus eines Herrschers. Deshalb war der Harem auch kein Ort erotischer Ausschweifungen, sondern einfach ein Frauenhaus mit einer eignen, strengen Hierarchie. Als bekannt wurde, dass die Haremssklavinnen nahezu ausschließlich aus nicht-muslimischen Ländern kamen, rankten sich alle Arten von Horror- und Fantasiegeschichten um hellhäutige Sklavinnen. Nach manchen Quellen wurden die Sklavinnen von Piraten an die Herrscher verkauft, woraus neue Horrorgeschichten entstanden: Es handele sich teils um hochrangige Ladys, die auf Sklavenmärkten im Orient verschleppt wurden. Zudem gäbe es geheimnisvolle Sklavenhändlerinnen und Sklavenhändler, die ihre Beute per Schiff oder über Land heranschafften, um die Begierde der orientalischen Herrscher zu befriedigen.

Die Sklavin - makellos schön musste sie sein

Der Unterschied zwischen Realität und westlicher Perversion wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass eine Sklavin makellos sein musste, um Eingang in den Harem zu finden: Darüber entschieden zunächst die Eunuchen, die eine Vorauswahl trafen, und letztlich die Königinmutter. Das bedeutet, dass potenzielle Sklavinnen mit „kleinen Fehlern“ keine Chance hatten, bei Hofe angenommen zu werden.

Die Chance, lesen und schreiben zu lernen

Lesen, Schreiben, Instrumente spielen lernen ...
Das Wort „Chance“ mag hier merkwürdig klingen, doch war es in der Tat für viele Sklavinnen eine Möglichkeit, in der höfischen Hierarchie auszusteigen, zahlreiche praktische Fähigkeiten zu erlernen und später einen wohlhabenden Mann zu heiraten. Zu den Lerninhalten gehörte übrigens auch, lesen und schreiben zu lernen. Dazu erlernten die Frauen (wie westlichen Frauen jener Zeit auch) Textilarbeiten und nicht zuletzt wurden sie im Tanz und in Musikzieren unterrichtet.

Eine der Tatsachen über Sklavinnen (und auch anderer Frauen im Harem) war ihre Herkunft aus vielen Ländern und Kulturkreisen. Vor allem die angrenzenden Länder waren es, aus denen die Sklavinnen stammten: es gab einige Griechinnen, zumeist aber Frauen aus Kaukasien, die als die schönsten der Welt galten (also aus dem heutigen Georgien, Armenien und Aserbaidschan). In einem Reisebericht wird vor allem die Tscherkessin (heute Volksgruppe in Teilen der russischen Republik) genannt. Der Reisende lobte ihre großen schwarzen Augen, ihre matte Blässe, ihre hohe, schlanke Gestalt und die zarten Glieder.

Die Erotik des Harems im westlichen Bild und in der Literatur

Die Erotik des Harems zeigte sich vor allem in den bereits erwähnten Malereien der Orientalisten, in denen besonders die Sinnlichkeit der Odalisken dargestellt wird, während erotische (und teils äußert harsche) Romane sich eher auf die Sklavinnen konzentrierten.

Der Orient wird genutzt, um erotische Demütigungen zu schildern

Als "Beauty in the Birch" veröffentlicht
Im Briefroman „Beauty in the Birch“ (Auch: Birch in the Boudoire) werden einem orientalischen Herrscher Frauen zugeführt, die bereits aus einer Schiffsreise sexuell gedemütigt werden. Allerdings zeugt der Briefroman – zumindest in Teilen – von der Kunst der Briten, selbst extreme erotische Geschichten mit einem gewissen „Understatement“ zu erzählen. Der 1905 genannte Autor, „Jean de Villiot“ wurde vorgeschoben, um glaubhaft zu machen, das Buch sei in Paris erschienen – es zeigt aber deutlich eine britische Handschrift und sehr viel Erzähltalent. Erschienen ist es vermutlich bei Charles Carrington, der viele ähnliche Bücher verlegt hat. Zugeschrieben wurde es auch Georges Grassal de Choffat, der sich auch Hugues Rebell nannte. Die Szenen sind – aus heutiger Sicht – allerdings ausgesprochen sexistisch. Lediglich durch die (vorgebliche) Erzählerin, ihren etwas unterkühlten Stil sowie die genaue Schilderung der sexuellen Obzessionen bekommt das Buch – wenngleich heute geächtet – seinen literarischen Wert als Beispiel viktorianischer Erotik.

Wesentlich Harscher und darüber hinaus von erbärmlicher Qualität ist hingegen der Roman „Die Lustobjekte der Sklavenhändlerin“ eines angeblichen „Muhammad Ahmad Ibn-Sarif“.

Der moderne erotische Roman und die Sklavin darin

Hier in anderer Ausgabe, anderer Aufmachung
Als wirklich erotisch wird man keines dieser Werke bezeichnen können – sie sind vielmehr Ausdruck einer „Zeigefreude in Worten“, die dem Geschmack einer Zeit entgegenkam, als die Damen noch hochgeschlossen Kleider trugen, die bis an die Knöchel gingen und jeden Blick auf die nackte Haut unmöglich erscheinen ließen. Wesentlich enger an die große Literatur kommen die beiden Werke „Venus im Pelz“ und die „Histoire d’O“, die beide das Thema der freiwilligen Versklavung behandeln – vor allem Letzteres glänzt durch seinen überzeugenden Stil und seine unglaubliche Frivolität.

Bilder: oben - Otto Pilny, Tschechischer Orientmaler.1910
Bild Mitte: Odaliske - Ferdinand Max Bredt, Deutscher Orientmaler.
Bild Links: Charles Wynne Nicholls, britischer Orientmaler.
Die Bücher sind antiquarisch teils noch im Handel erhältlich.

Zeigen Sie uns alles …

Raus aus der Schublade - zeigen Sie uns Ihr Manuskript

Zeigen Sie uns alles … alles was Sie über die Liebe, die Lust oder die Erotik schreiben. Wir sehen es uns an, schlagen Ihnen Änderungen und Ergänzungen vor und lesen für Sie auch ein paar Seiten Korrektur, wenn Sie mögen. Das kostet Sie keinen Cent – jedenfalls nicht bis zu 900 Wörtern. Wir lieben Worte – das ist alles.

Und sollte Ihr Buch schon fertig sein: Wir lesen es für Sie – schreiben hier darüber (wenn wir es gut finden) – und falls nicht, sagen wir es Ihnen einfach.

Und nun für diejenigen, die gerne gleich etwas intimer werden:

Komm, zeig uns alles …

Du schreibst über über die Liebe, die Lust oder die Erotik? Und alles für die Schublade? Das muss nicht sein! Wir sehen uns an, was du schreibst, schlagen dir Änderungen und Ergänzungen vor und lesen für dich ein paar Seiten Korrektur, wenn du magst. Es kostet – gar nix, jedenfalls nicht bis zu 900 Wörtern. Wir lieben Worte – das ist alles.

Wir saugen Worte auf, wechseln Worte, schreiben etwas um, wenn du magst – und wir sind auch sonst unheimlich nett zu Autorinnen und Autoren.

Versuch es mal mit uns … du kannst dabei nichts falsch machen. Und wenn du wirklich noch einmal fragst, warum wir das tun – wir lieben Worte so sehr, dass sie uns am Herzen liegen.


E-Mail:

Die untergegangene Welt der Schreibmaschinen-Erotik

Die Möglichkeit, vermittelst einer Schreibmaschine Erotik zu produzieren und zu verkaufen, war insbesondere in den Nachkriegsjahren (von 1918 bis etwa 1928) und in den Jahren 1946 bis etwa 1956, äußerst populär. Man arbeitete mit dem Original und mehreren Durchschlägen, später auch mit relativ preiswerten Wachsmatrizen.

Auszug aus einem Typoskript von 1953. Es wurde mit amateurhaften Illustrationen verkauft


Zu Tausenden entstanden solche für den Augenblick berechneten Erotika, deren Verfasser jedoch weniger die normale Liebe als deren eine Abart, die Flagellation, zum Gegenstand literarischer Behandlung sich erwählten.


Erstaunlich ist dies nicht. Zwar interessiere die „normale Liebe“, womit hier die Sexualität gemeint ist, weite Kreise, doch war insbesondere die Flagellation ein Thema, das die lustbetonten Herren der damaligen Zeit aufs Äußerste erregte. Im Grunde ist dies bis heute der Fall, nur verband sich in früheren Zeiten noch der ungewöhnliche Anblick des nackten Körpers mit den sanften und heftigen Streichen der Rute zu einer „entzückenden“ Szenerie, die uns heute nicht mehr erreicht.

Auch heftigere Szenen, wie die Umerziehung eines Jünglings zur Frau durch gezielte „Erziehungsmaßnahmen“, (2) das Schlagen weiblicher Domestiken (3) oder die häufig auftretende „gestrenger Lehrerin“ ( auch die Turnlehrerin) waren äußert beliebt – und all diese Geschichten wurden beliebig oft nacherzählt.

Literarisch waren zumal die Nacherzählungen – nun ja, Schund. Es entspricht aber dem, was später in Sammelbänden erschien – und ebenso dem, was heute in Internet-Erotik-Foren zu finden ist.

(1) Paul English, Kenner der Erotik-Literatur um 1931.
(2) "Weiberherrschaft" (Gynecocracy: A Narrative of the Adventures and Psychological Experiences of Julian Robinson)
(3) "Die Kallipygen"

Erotik-Blogs ruhen sanft - und Erotik-Storys werden immer unerträglicher

In den USA, dem „klassischen Land“ der Erotik-Blogger, aber auch im Vereinigten Königreich, das bislang als Paradies der Sex-Bloggerinnen galt, ist eine merkwürdige Ruhe eingekehrt. Bestenfalls die PR-Artikel über „Toys“ sprudeln noch – denn wer wäre prädestinierter, ein „Toy“ auszuprobieren als eine Dame, die schon viele davon anwendet hat?

Gerade las ich, das weibliche Sex-Blogger wenigsten die erotischen Geschichten noch hochhalten – was Angesicht der Schwemme von Erotik-Publikationen eher bewundernswert ist.

Doch was ist eigentlich in Deutschland los? Ruhen die sinnliche Frivolitäten in den Schubladen der Damen? Fein mit Tinte auf rosa Papier geschrieben? Oder ruhen sie eher auf Festplatten und Sticks?

Aua-aua-Literatur oder Oralverkehr?

Und welche Themen bewegen eigentlich heute sinnliche Schreiberinnen? Eine Zeit lang haben wir entnervt Geschichten gelesen, in denen junge Frauen sich nackt zwischen lüsternen Männern und spöttischen Frauen bewegen mussten. Dann haben wir den hundertsten Aufguss der Aua-Aua-Bücher (aka „Shades of Grey“) in Kurzgeschichten genießen dürfen, was die Lust auch nicht gerade auf Rekordniveau schießen lässt. Doch was sind eure Lieblingsthemen heute? Theoretisch müssten es romantische Liebesgeschichten mit beidseitigem Oralverkehr sein – denn darüber gibt es die meisten Fantasien. (1)

Die Pest der Web-Storys: Inzest

Stattdessen – und nun werdet ihr alle ganz blass werden, sind es Inzest-Geschichten aller Art, die die meisten Leser anziehen – eine Mutter-Sohn-Geschichte soll angeblich über 10 Mio. Leser(innen) haben. Man muss lange suchen, bevor man zu anderen Themen in den Hit-Listen kommt. Wir haben recherchiert und die Alltime-Hitlisten verlassen. Hat sich dieses merkwürdige Verhalten in den letzen Monaten geändert? Nein, leider nicht – im Gegenteil, die Geschichten um Brüder. Schwestern, Mütter und Väter vermehren sich wie die Kaninchen – und wer sich schützen will, schreibt manchmal „Stief-“ vor die entsprechenden Reizwörter. Wir haben mehrfach (auch anderwärts) recherchiert und mussten feststellen, dass dieses Thema offenbar vor allem junge US-Amerikaner anzieht.

Deutsche Sex-Storys - keinen Deut besser

Und Deutsche? Leider haben wir hier die gleiche Situation. Ganz oben auf den Hit-Liste stehen auch in Deutschland (1) Inzest-Themen, und zwar vorzugsweise Mutter-Sohn-Storys. Das deutet darauf hin, dass sich die Geschichten (wie in den USA) inzwischen an deutlich jüngere Männer wenden, denn es wäre unwahrscheinlich, sie als Lesefutter für Mütter anzusehen. Immerhin kamen die Top-Geschichten in deutscher Sprache auf annähern 1,5 Mio. Besucher. (2)

Klar, dass wir solche Themen nicht wollen. Das meiste daran ist nicht nur beschämend, sondern auch illegal und teils ausgesprochen widerlich. Auch Cuckold- oder MILF-Themen sind nicht viel besser, weil die meisten "übliche Klischees" bedienen.

Fragt sich, worin der Reiz liegt, dauernd pubertär anmutende Storys zu schreiben. Ist es nicht wesentlich erregender, von Verführungen unter neugierigen und lüsternen Erwachsenen zu schreiben?

Und was ist mit dem eigenen Erleben?

Auch unsere Autoren wurden schon darum gebeten, ihre „erlebte Sexualität“ in Storys einzubinden – doch das tun professionelle Autoren so gut wie nie. Denn die Realität ist selten von innerem Jauchzen geprägt – und genau dies ist der Grund, warum wir Autoren zwar eigene Erlebnisse zum Anlass nehmen können, sie dann aber erheblich aufpolieren, um sie so lustvoll wie möglich zu präsentieren.

Was wäre die Alternative zum Internet-Schmutz?

Und dennoch – ich wage hier mal zu fragen: Was wollt ihr wirklich lesen? Nur "tief eintauchen in die Lust" und damit euren Alltag vergessen? Oder vielleicht doch eher ein bisschen „harte Realität“, die auch peinlich sein kann? Oder reine Fiktion, also etwas, was in der Realität gar nicht vorkommt? In jedem Fall: Der Sex muss legal sein – ohne wenn und aber.

Wir sind gespannt auf die verbliebenen Blogger, die sich an Erotik heranwagen.

Hinweis: Wir können auf die Quellen der Recherchen aus Jugendschutzgründen nicht verlinken. Außer aus rechtlichen Gründen entsprechen sie auch nicht unseren ethischen Mindeststandards.
(1) Aus wissenschaftlichen Quellen, die der Redaktion vorliegen.
(2) Ergebnisse aus in den USA befindlichen deutschsprachigen Quellen.