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Die untergegangene Welt der Schreibmaschinen-Erotik

Die Möglichkeit, vermittelst einer Schreibmaschine Erotik zu produzieren und zu verkaufen, war insbesondere in den Nachkriegsjahren (von 1918 bis etwa 1928) und in den Jahren 1946 bis etwa 1956, äußerst populär. Man arbeitete mit dem Original und mehreren Durchschlägen, später auch mit relativ preiswerten Wachsmatrizen.

Auszug aus einem Typoskript von 1953. Es wurde mit amateurhaften Illustrationen verkauft


Zu Tausenden entstanden solche für den Augenblick berechneten Erotika, deren Verfasser jedoch weniger die normale Liebe als deren eine Abart, die Flagellation, zum Gegenstand literarischer Behandlung sich erwählten.


Erstaunlich ist dies nicht. Zwar interessiere die „normale Liebe“, womit hier die Sexualität gemeint ist, weite Kreise, doch war insbesondere die Flagellation ein Thema, das die lustbetonten Herren der damaligen Zeit aufs Äußerste erregte. Im Grunde ist dies bis heute der Fall, nur verband sich in früheren Zeiten noch der ungewöhnliche Anblick des nackten Körpers mit den sanften und heftigen Streichen der Rute zu einer „entzückenden“ Szenerie, die uns heute nicht mehr erreicht.

Auch heftigere Szenen, wie die Umerziehung eines Jünglings zur Frau durch gezielte „Erziehungsmaßnahmen“, (2) das Schlagen weiblicher Domestiken (3) oder die häufig auftretende „gestrenger Lehrerin“ ( auch die Turnlehrerin) waren äußert beliebt – und all diese Geschichten wurden beliebig oft nacherzählt.

Literarisch waren zumal die Nacherzählungen – nun ja, Schund. Es entspricht aber dem, was später in Sammelbänden erschien – und ebenso dem, was heute in Internet-Erotik-Foren zu finden ist.

(1) Paul English, Kenner der Erotik-Literatur um 1931.
(2) "Weiberherrschaft" (Gynecocracy: A Narrative of the Adventures and Psychological Experiences of Julian Robinson)
(3) "Die Kallipygen"

Masochist(in) – die Symmetrie ohne Genderwahn

Sadist, Masochistin - da stimmt doch etwas nicht?
Für die meisten modernen Psychologen, Psychotherapeuten, Philosophen und Soziologen, aber auch für kritische Freigeister steht fest: Masochismus ist nicht an ein Geschlecht gebunden. Weder der klinisch erfassbare Masochismus noch der psychologische definierbare noch der einer Liebesbeziehung entspringende Masochismus.

Die Symmetrie, die Unterwerfung und die Freude daran

Was wir sicher wissen (dazu muss man wahrhaftig kein Wissenschaftler sein): Ist die Macht in einer Beziehung asymmetrisch verteilt, so nehmen wir an, dass es aufgrund der Asymmetrie zu Verwerfungen kommt. Einfacher: Eine der Partner unterwirft sich dem anderen. Zum Beispiel, wenn „die Frau der Finanzminister“ ist, oder eine gute Köchin der Mann über die Nahrung beherrscht (eine schlechte übrigens auch). Und natürlich könnte sich auch die Frau unterwerfen, etwa dann, wenn sie etwas anziehen soll, was sie „blöd“ findet, er aber unglaublich verführerisch. Und um mal klare Worte zu verlieren: Keine Beziehung ist in jeder Minute und jeder Situation absolut „symmetrisch“. Im Gegenteil: Beide sitzen sozusagen auf einer Wippe, die mal zum Himmel ausschlägt und mal auf den Boden auftrifft.
Sogar in Comics blüht der Masochismus

Ist einer der Partner bewusst und ständig devot, und stellt er sich dauernd zur Verfügung, oder lässt er sich sklavisch zum Lustobjekt degradieren, dann kippt die Wippe. Normalerweise tut sie das allerdings nicht, weil mal der eine, mal der andere oben sitzt. Man spielt wippen - das ist keine „gefährliche instabile Lage“.

Im Extrem ist es so, wie es auf einer Psycho-Seite heißt:

Wenn er (der Devote) die eigene Willensfreiheit verleugnet, erhöht er den narzisstischen Kontrast zwischen sich und dem Anderen, was dessen Begierde anstachelt und somit sicherstellt, dass sich der dominante Partner nicht abwendet.


Das geht allerdings so gut wie nur „auf psychologisch“ und nicht „auf real“. Denn in der Praxis hat jeder Partner, der in einer Beziehung lebt, sehr unterschiedliche Bedürfnisse, die er (oder sie) in „Spielen der Erwachsenen“ auf die Waagschale legt. Sich mal „klein zu machen“, sich mal zu überhöhen und mal ganz gleich zu sein, gehört zu jeder Beziehung.

Und noch mal auf psychologisch:

Während der dominante Partner Lust erlebt, weil sein Ego scheinbar mächtig wird, erlebt der Devote Lust, weil er sich durch die vordergründige Verleugnung des Ego außer Gefahr bringt, als solches abgelehnt zu werden.


Nicht nur Zyniker würden daraus nun allerdings ableiten: Wenn beide Partner sinnliche Lust aus der Asymmetrie beziehen können - wäre es dann wirklich sinnvoll, Lust aus der Symmetrie ziehen zu wollen? Oder bedeutet Asymmetrie Lust, Symmetrie hingegen Langeweile? Tatsächlich wird diese Frage inzwischen sogar von Psychologen gestellt.

Wie sieht es aus mit dem Unterschied zwischen Frau und Mann? Ist Masochismus eine „geschlechtsspezifische Eigenschaft“?

Geschlechtsspezifischer Masochismus? Seid ihr meschugge?

Man könnte nun sagen: was für ein Blödsinn? Warum sollte Masochismus geschlechtsspezifisch sein? Sind die Leute, die das behaupten, meschugge?

Und doch wird es immer wieder behauptet. Mal ist es die Natur, dann wieder die soziale Prägung, und schließlich ist es das Patriarchat oder der Kapitalismus, der Frauen knechtet und Männer herrschen lässt.

Ach, wie lustlos. Lasst euch doch bitte mal andere Argumente einfallen – möglicherweise wird die Diskussion dann sachlicher – oder etwa sinnlicher?

Zitatenquelle: "Seele und Gesundheit"
Bild unten: Aus "Memoiren eines Masochisten"