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Sex als Tauschmittel – noch zeitgemäß?

Dieser Satz wurde der Sekretärin zum Verhängnis: „Musst mal mit dem Chef schlafen, dann kriegst du dein Gehalt auch in den Griff“. Es war die große Zeit, in der Frauen Sex als Tauschmittel entdeckt hatten. „Sie hat sich hochgeschlafen“ raunte man sich damals in den 1970er Jahren zu, wenn Frauen plötzlich Karrieren machten. Noch ein paar Jahre später gab es Unternehmungen, die von Frauen geführt wurden – und schon hörte man wieder das Raunen: „Frauen haben doch viel mehr Möglichkeiten, sich in Szene zu setzen, wenn es um die Auftragsvergabe geht“, sagten die Männer am Stammtisch – doch man meinte etwas anderes: So manche attraktive Unternehmerin schien bei der Auftragsvergabe durch Bettqualitäten etwas „nachzuhelfen“.

was bin ich?Sex als Tauschmittel hat allerdings im Wert verloren: Je mehr Frauen nämlich bereit waren, Sex auch ohne finanzielle Vorteile freizügig zu geben, umso weniger wurde die einzelne Liebesnacht wert. Heute sorgen „Casual-Sex-Agenturen“ oder Seitensprungagenturen immer mehr dafür, dass Sex zum Nulltarif auf Gegenseitigkeit zu bekommen ist. Ob dabei wirklich immer „Gegenseitigkeit“ gegeben ist oder ob verdeckte Prostitution ein Teil des Angebots ist, wissen nur die Anbieterinnen selbst. Dabei scheint sich die Haltung durchzusetzen, dass man zwar keine „finanziellen Interessen“ zeigen möchte, aber dennoch „alles mitnimmt, was dabei abfällt“.

Das ökonomisch Interessante am Tauschmittel Sex ist ja, dass diese Währung stärker schwankt als das britische Pfund: Je nach Absicht, Situation und Qualität kann die Liebe von 50 Euro bis zu 5000 Euro und mehr in Bargeld oder Wertsachen kosten. Das Paradoxe daran: Je weniger Sex involviert ist, umso teurer wird der Liebesdienst: Während eine Hure in einer Nacht zehn verschiedene Männer abfertigt, muss die Escortdame bis zum Morgengrauen ihre Liebesqualitäten bestenfalls zwei Mal zeigen – und die dauerhaft ausgehaltene Geliebte möglicherweise nur ein Mal in der Woche.

Der Unterschied zwischen den 1950er Jahre und heute? Damals hatten Frauen kaum Geld, aber viele Bedürfnisse, was dafür sprach, Sex gegen ein etwas luxuriöseres Leben zu tauschen. Dagegen sprachen damals die öffentliche Moral und die Angst vor Schwangerschaften. Heute haben Frauen vergleichsweise viel Geld, aber immer noch Luxusbedürfnisse, die sich nicht selbst erfüllen können oder wollen. Allerdings spricht heute aus moralischer Sicht kaum noch etwas dagegen, hin und wieder einen "kleinen Tausch" zu machen.

Ist Sex als Tauschmittel also immer noch zeitgemäß? Viele Frauen lehnen es vehement und mit größter Glaubwürdigkeit ab – doch andere scheinen sich ihren Schmuck, ihre Miete und ihre Fahrzeuge immer noch von generösen Herren finanzieren zu lassen.

Ja, und nun? Eure Meinung, bitte: Ist Sex als Tauschmittel noch akzeptabel?

Titelfoto: © 2008 by Ashley Webb

Sex gegen Geld? Nein, nur „Kompensation“

ex gegen geld - ein geschäft mit verschleierungsmöglichkeiten
Für den Hurenlohn gibt es zahllose Umschreibungen – und „Kompensation“ ist die Neueste, die ich finden konnte. „er zahlte mir ein wenig Kompensation für die Zeit, die ich mit ihm verbrachte“ ist die vornehmste Umschreibung, die ich bisher las.

Je nach „Klasse“ der Damen wird der Hurenlohn ja recht unterschiedlich beschrieben: In billigen Anzeigenblättchen fordern angebliche Hausfrauen „Taschengeld“, während die besseren Damen sich einen „Beitrag zum Lebensunterhalt“ erbeten oder gerne „gesponsert“ werden wollen.

In der Regel ist das „Sponsorn“ eine Angelegenheit von 500-Dollar-Dinners, Mietzahlungen für Appartements und ein bisschen Klimpergeld auf dem Konto – zu haben ab etwa 5000 US-Dollar, wenn man die Dame nicht mit jemandem teilen will – und das ist immer noch ein Schnäppchenpreis gegenüber den Preisen der New Yorker Escort-Damen.

Bekommen können Herren wie auch Damen entsprechend „Sugar Babys“ (auch diese wahlweise männlich wie auch weiblich) bei einschlägigen Dating-Agenturen, zum Beispiel bei „Seekingarrangement“. Der Test einer britischen Journalistin ergab: Nicht alle wollen Sex gegen Geld. Vor allem suchen viele Herren in einschlägigen Portalen keine „Professionellen“, sondern Frauen, die im Leben noch etwas anderes darstellen als Liebesdienerinnen zu verkörpern.

Bei „Seekingarrangement“ wird von Geld im Übrigen im Vorfeld geredet: Schon bei der Anmeldung kann man bestimmen, wie hoch der Sponsorbeitrag pro Monat ausfallen soll – und wer sich nicht völlig „outen“ möchte, darf auch sagen, dass dies von Fall zu Fall entschieden werden könne.

Wie die Praxis aussieht? Offenbar recht unterschiedlich. Gesucht werden zumeist moderne junge Frauen, die wie Damen wirken und bei Bedarf wie Huren handeln können. Apropos Huren: „Selbstverständlich“ ist all dies keine Prostitution, denn gezahlt wird nicht für den Sex, sondern für die Zeit, die man miteinander verbringt – Kompensation für den anderweitigen Verdienstausfall.

Bild © 2008 by Kr. B.

Dieser Artikel erschien unter dem gleichen Titel und unter gleichem Datum im alten Mehrhaut-Magazin