Skip to content

Werbung:

Einen Mann in die Wohnung gelockt

küss meinen hals, fremder - und bleibe bitte zum frühstück


Da ist er nun in meiner Wohnung, der Mann, der mir eben noch fremd war. Ja, ich habe ihn eingeladen, und jetzt denkt er sich sicherlich etwas. Oh ja, er ist an Kunst und Architektur interessiert, und ich habe einen echten Ernst Fuchs. Damit konnte ich ihn locken, und jetzt steht er davor, etwas unsicher: „Ziemlich erotisch für die Wohnung einer Frau“, sagt er. Komische Aussage. Ich war schon in ein paar Wohnungen von Männern, und keine war irgendwie erotisch, und doch sagt er „für die Wohnung einer Frau“.

Er sieht mich verstohlen an. Der Moment „und nun habe ich es gesehen, und was kommt nun“ ist da. Er sollte eigentlich wissen, dass eine Frau niemals einen Mann einlädt, um Gemälde anzusehen. Ich lächele vorsichtshalber mal honigsüß, sehe ihn mit meinen rehbraunen Schwarzwaldaugen an und sage: „Ich hätte einen wirklich guten Pinot Noir aus Frankreich, magst du so etwas?“ Natürlich mag er, sieht mich mit diesem Blick zwischen Zweifel und Hoffnung an. Er öffnet sogar die Flasche, und wir setzen uns. Jetzt müssten wir reden. Es darf nicht so aussehen, als wollte ich ihn jetzt, sofort. Er darf nicht wissen, dass ich ihn längst will. Er soll sein Spiel haben, aber er braucht Anregungen. Ich muss meine Gewürze sorgfältig dosieren, er soll ja denken, er wäre der Verführer. Hier eine Geste, dort ein sinnlicher Blick, doch meine Hände halten sich am Glas fest – alte Teenager-Unsitte.

Ich muss etwas tun, ihn anregen. Er ist einfach zu gut erzogen, ich kenne diese Männer. Sie warten auf Zeichen. Ich frage ihn mal: „Sag mal, magst du es, wenn Frauen sich so anbieten wie die auf dem Bild?“ Er schluckt, ringt nach Worten. Alles, was er jetzt sagt, kann falsch sein. „Nicht ganz so, aber ich mag die Art, wie du mich ansiehst.“ Wie schön er das sagt, und ich lächele ihn an und werfe meinen Kopf in den Nacken, sodass mein Hals verführerisch freiliegt. Er nutzt die Gelegenheit und küsst mich auf den Hals – endlich. Er wird mich noch lange küssen müssen, bevor ich mich ihm ganz hingebe, aber nun ist der Bann erst einmal gebrochen. Vielleicht bleibt er ja bis zum Frühstück, wer weiß?

Short-Storys aus dem Leben, gesammelt von uns, geschrieben von euch.

Titelbild: © 2009 by Mi Pah

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen