Sonntag, 7. März 2010
Erotische Blogs haben es so schwer wie Frauenzeitschriften – man kann entweder die fünf (setzen Sie irgendeine andere Zahl unter 10 ein, es stimmt immer) Lieblingsthemen variieren, die unsere lechzende Leser- oder besser Beguckermeute umtreiben, oder aber die Grenzen überschreiten. Tut man Letzteres, landet man früher oder später in irgendwelchen mehr oder weniger geheimen Sex- und Pornofiltern. Was viel nicht wissen: Nicht nur die Suchmaschinen verwenden teilweise unsinnige Pornofilter, die lächerlichsten und laienhaftesten Filtersysteme werden von Unternehmen angewendet, die nicht wollen, dass ihre Mitarbeiter sich während der Arbeitszeit mit Sex beschäftigen. Es kann durchaus sein, dass Ihnen diese Seite nicht angezeigt wird, weil alleine das Wort „Sex“ vorkommt – ei pfui Teufel.
Auf der anderen Seite weiß jeder Webmaster, dass fast nur Informationsausscheidungen, wie sie in der Boulevardpresse üblich sind, wirklich punkten. B-Promis, Sexaffären, Sexsucht, gelebte Bisexualität und dergleichen kommen immer an.
Gerade hat Cassy einen Beitrag geschrieben, der in diese Richtung geht. Er ist sehr lang, und ich will nicht auf jedes Wort eingehen, möchte aber zitieren:
„Ich bin auf starke Männer (wie auch auf starke Frauen) angewiesen, um mich selbst weiterzuentwickeln. Also werde ich den Teufel tun und sie – auf welche Art und Weise auch immer – herabsetzen. Und weil ich das im realen Leben nicht tue, werde ich es in der virtuellen Welt nicht anders handhaben!“
Damit schlägt sie ein weiteres Kapitel auf: Die meisten Blogs haben die Erotik längst eingepackt, weil damit niemand wirklich punkten kann, und schreiben über das, was besser geht: Nackte Weiber eben schräge Beziehungen und vor allem jede Menge Sex. Der Trend allerdings, das andere Geschlecht madigzumachen, ist ja nicht nur bei Männern beleibt – auch Frauen stricken weiterhin kräftig an einer „Wir-sind-das-bessere-Geschlecht“-Philosophie.
Doch wir können wir eigentlich Erotik und Sinnlichkeit wiederbeleben? Wie können wir wieder mehr die geheimen Wünsche in den Hirnen ansprechen, statt zu sagen, wie oft jemand geblasen, geleckt, gedeckt oder meinetwegen geschlagen wurde?
Ganz klar: Uns allen fehlen junge Talente, die ihre eigenen Erlebnisse oder Fantasien so in die Welt bringen können, das andere sich spontan aufs Bett legen und denken: „Ach, wie sinnlich dieser Artikel doch ist“.
Nein, ich kann es nicht besser – aber wer kann es denn eigentlich? Wo bleiben die jungen, wirklich erotischen Autorinnen und Autoren, die etwas anderes schreiben können als „beim Vorstellungsgespräch musste ich mich erst einmal nackt ausziehen?“
Wenn Sie antworten wollen: ernsthaft bitte.
Geschrieben von
sehpferd
in
chefsache
um
11:55
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